Deutsche Tageszeitung - Gewalt gegen propalästinensische Demonstranten: Europarat rügt Deutschland scharf

Gewalt gegen propalästinensische Demonstranten: Europarat rügt Deutschland scharf


Gewalt gegen propalästinensische Demonstranten: Europarat rügt Deutschland scharf
Gewalt gegen propalästinensische Demonstranten: Europarat rügt Deutschland scharf / Foto: © AFP/Archiv

Wegen übermäßiger Polizeigewalt gegen propalästinensische Demonstranten und der Interpretation von Israel-Kritik als Antisemitismus hat der Europarat Deutschland scharf gerügt. "Ich bin besorgt wegen Berichten über exzessiven Gewalteinsatz der Polizei gegen Demonstranten, einschließlich minderjährige, die teilweise zu Verletzungen geführt hat", schreibt der Menschenrechtskommissar des Europarats Michael O'Flaherty mit Blick auf Ausschreitungen bei propalästinensischen Protesten in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Innenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Textgröße ändern:

"Ich schreibe Ihnen wegen Maßnahmen der deutschen Behörden, die die Meinungsfreiheit und die Freiheit zu friedlichen Versammlungen von Menschen einschränken, die im Zusammenhang mit dem Konflikt in Gaza protestieren", erklärte O'Flaherty. Der Einsatz von Gewalt während Protestveranstaltungen müsse den Prinzipien der Nichtdiskriminierung und Verhältnismäßigkeit entsprechen. Fälle von übermäßigem Gewalteinsatz sollten untersucht werden, Verantwortliche sollten angemessen bestraft und Opfer über mögliche Rechtsmittel informiert werden.

Der Menschenrechtskommissar prangerte zudem "Einschränkungen bei der Verwendung der arabischen Sprache und kultureller Symbole" an. Er forderte, dass die Sicherheitskräfte leicht identifizierbar sein sollten. Einschränkungen der Meinungsfreiheit seien auch an Universitäten, Kulturinstitutionen und Schulen gemeldet worden. Er verwies zudem auf Berichte über "versuchte Abschiebungen von Ausländern wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen mit Blick auf den Gaza-Konflikt".

O'Flaherty zeigte sich weiterhin besorgt, dass manche deutsche Behörden Kritik an Israel pauschal als antisemitisch einstuften. Er forderte, die Definition von Antisemitismus nicht "zu verzerren, zu instrumentalisieren oder falsch anzuwenden, so dass Meinungsfreiheit und legitime Kritik unterdrückt werden, einschließlich Kritik am Staat Israel", heißt es in dem Schreiben.

Im Mai waren bei einer propalästinensischen Kundgebung in Berlin-Kreuzberg mehrere Demonstranten und elf Polizisten verletzt worden, einer davon schwer. Nach Polizeiangaben hatten Demonstranten Gegenstände auf Polizisten geworfen und sie mit Schlägen und Tritten angegriffen. Diese hätten dann durch Schieben, Drücken und Schlagtechniken reagiert.

Ein Gericht hatte kurz vor Beginn entschieden, dass die Veranstaltung ortsfest durchgeführt werden muss und die Teilnehmer nicht wie geplant in den Stadtteil Neukölln ziehen dürfen. 56 Personen wurden festgenommen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Kabarett statt Kabinett: Bayerns Justizminister Eisenreich tritt zurück

Kabarett statt Kabinett: Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) will die Politik verlassen und hat deshalb seinen Rücktritt erklärt. Er habe nie sein ganzes Berufsleben Politik machen wollen und sei mit 55 Jahren noch jung genug für neue Aufgaben, sagte Eisenreich am Donnerstag in München. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, in der kommenden Woche bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz die Nachfolge zu klären.

Jackpot geknackt: Tipper aus Mecklenburg-Vorpommern um 50 Millionen Euro reicher

Ein Glückspilz aus Mecklenburg-Vorpommern hat den Lotto-Jackpot geknackt und 50 Millionen Euro gewonnen. Der Spieler oder die Spielerin aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg kreuzte für die Ziehung der Lotterie 6aus49 am Mittwoch sechs Richtige und die passende Superzahl an, wie Lotto Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag in Rostock mitteilte. Dies sei der größte Lottogewinn, den das Bundesland je erlebt habe.

Zollfahnder in Hamburg beschlagnahmen 150.000 illegale E-Zigaretten

In Hamburg haben Zollfahnder rund 150.000 illegale E-Zigaretten entdeckt. Sie fanden sie bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen und Lagerhallen, wie das Zollfahndungsamt in der Hansestadt am Donnerstag mitteilte. Zudem wurden Datenträger, Postversandmaterial und Etikettiermaschinen beschlagnahmt.

Bayerns Justizminister Eisenreich tritt zurück und verlässt Politik

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) will die Politik verlassen und hat deshalb seinen Rücktritt erklärt. Er habe nie sein ganzes Berufsleben Politik machen wollen und sei mit 55 Jahren noch jung genug für neue Aufgaben, sagte Eisenreich am Donnerstag in München. Der konservative CSU-Politiker amtierte seit Ende 2018 und war der dienstälteste Justizminister Deutschlands.

Textgröße ändern: