Deutsche Tageszeitung - Anschlag auf Verdi-Demonstration in München: Bundesanwaltschaft erhebt Mordanklage

Anschlag auf Verdi-Demonstration in München: Bundesanwaltschaft erhebt Mordanklage


Anschlag auf Verdi-Demonstration in München: Bundesanwaltschaft erhebt Mordanklage
Anschlag auf Verdi-Demonstration in München: Bundesanwaltschaft erhebt Mordanklage / Foto: © AFP/Archiv

Rund ein halbes Jahr nach einem mit einem Auto verübten Anschlag auf eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi in München mit zwei Toten hat die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben. Dem mutmaßlichen Täter Farhad N. wird zweifacher Mord und 44-facher versuchter Mord vorgeworfen, wie die Karlsruher Behörde am Dienstag mitteilte. Er soll sein Auto am 13. Februar gezielt in die Menge gelenkt haben.

Textgröße ändern:

Die Tat beging der afghanische Staatsbürger den Ermittlungen zufolge "aus einer übersteigerten religiösen Motivation" heraus. Der Bundesanwaltschaft zufolge wähnte er sich verpflichtet, als Reaktion auf das Leid von Muslimen in islamischen Ländern willkürlich ausgewählte Menschen in Deutschland zu töten.

Bei dem Angriff in München wurden eine 37-jährige Frau und ihre zweijährige Tochter getötet. 44 weitere Menschen wurden nach Angaben der Anklagebehörde teils lebensgefährlich oder schwer verletzt. Über die Zulassung der Anklage entscheidet das Oberlandesgericht München. Zur Last gelegt wird A. unter anderem auch ein schwerer gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Der zur Tatzeit 24-jährige Angeschuldigte war unmittelbar nach dem Anschlag noch am Ort des Geschehens festgenommen worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Nach früheren Behördenangaben handelt es sich bei ihm um einen abgelehnten Asylbewerber, der sich aber legal in Deutschland aufhielt und unter anderem auch eine Arbeitserlaubnis besaß. Das Geschehen löste wie andere ähnliche Taten eine Debatte über die Innen- und Migrationspolitik aus.

Die Autoattacke ereignete sich während der jährlich in München stattfindenden Sicherheitskonferenz, an der regelmäßig hochrangige Politiker aus dem In- und Ausland teilnehmen. Den Behörden zufolge gab es aber keine Verbindung zu der Veranstaltung. Sie galt einem Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi, der sich routinemäßig abgesichert von der Polizei auf einer Straße durch die Innenstadt von München bewegte. Dieser stand im Zusammenhang mit Warnstreiks.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Rassistischer Angriff in Pariser Vorstadt: Psychisch kranker Täter stand unter Drogen

Der Angreifer, der in zwei Pariser Vorstädten aus mutmaßlich rassistischen Motiven einen Menschen getötet und fünf weitere verletzt hat, leidet offenbar an Schizophrenie und stand während der Tat unter Drogeneinfluss. Nachdem der Polizeigewahrsam des 39-jährigen Kevin T. am Samstag aufgehoben worden war, wurde er am Sonntag in die Psychiatrie eingewiesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. In einem Trauermarsch gedachten hunderte Angehörige und Unterstützer des 26-jährigen afrikanischstämmigen Todesopfers.

Migrationskommissar Brunner will Frontex zur "zentralen EU-Abschiebeagentur" machen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner will die europäische Grenzschutzagentur Frontex zur "zentralen EU-Abschiebeagentur" machen. "Wir werden am Dienstag einen Gesetzesvorschlag präsentieren, um Frontex breiter und stärker aufzustellen", erklärte Brunner am Sonntag. "Wer kein Recht hat, in der EU zu bleiben, muss sie auch tatsächlich verlassen", fügte er hinzu. Die "europäische Migrationswende" werde "konsequent" fortgesetzt.

Erste Herbststürme sorgen für Schäden: Tausende Haushalte in Freiburg ohne Strom

Die ersten Herbststürme sind am Wochenende über Deutschland gezogen und haben für Schäden gesorgt. In Freiburg und Umgebung fiel am Sonntag aufgrund von Unwetterschäden in rund zehntausend Haushalten stundenlang der Strom aus, wie der Versorger Badenova mitteilte. Insbesondere im Westen des Landes meldeten die Feuerwehren Einsätze unter anderem wegen umgestürzter Bäume. Laut Wetterdienst drohten bis Sonntagabend lokale Sturmböen, an der Nordsee und in Höhenlagen Orkan.

60-Jähriger bei antisemitischem Angriff in Berlin verletzt

Ein Unbekannter soll einen Mann in Berlin-Schöneberg nach der Frage nach dessen jüdischer Identität beleidigt und niedergeschlagen haben. Der Staatsschutz ermittelt.

Textgröße ändern: