Deutsche Tageszeitung - Berufungsprozess: Französische Rechtspopulistin Le Pen weist Veruntreuungsvorwürfe zurück

Berufungsprozess: Französische Rechtspopulistin Le Pen weist Veruntreuungsvorwürfe zurück


Berufungsprozess: Französische Rechtspopulistin Le Pen weist Veruntreuungsvorwürfe zurück
Berufungsprozess: Französische Rechtspopulistin Le Pen weist Veruntreuungsvorwürfe zurück / Foto: © AFP

Die wegen mutmaßlicher "systematischer" Veruntreuung von EU-Geldern angeklagte französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat am Dienstag erneut die Vorwürfe gegen sich und ihre Partei bestritten. "Der Begriff 'System' stört mich, weil er den Eindruck von Manipulation vermittelt", sagte die Fraktionschefin des Rassemblement National (RN) bei einer Anhörung.

Textgröße ändern:

In dem Berufungsverfahren sind neben Le Pen elf Parteigenossen sowie die Partei selbst angeklagt. Die Verhandlungen sollen bis Mitte Februar dauern. Das im Sommer erwartete Urteil entscheidet darüber, ob die Rechtspopulistin bei der Präsidentschaftswahl 2027 antreten kann. Sollten die Richter ihre Strafe bestätigen, will Le Pen die Kandidatur dem 30 Jahre alten Parteichef Jordan Bardella überlassen.

Ein Pariser Gericht hatte Le Pen in erster Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt, davon zwei auf Bewährung. Zudem legten die Richter ihr ein sofort geltendes Verbot auf, bei Wahlen anzutreten. In dem Verfahren geht es darum, inwiefern Le Pen und ihre Mitangeklagten die Gehälter der Assistenten der EU-Abgeordneten genutzt haben, um ihre Partei zu sanieren. Der Schaden wurde auf 4,3 Millionen Euro beziffert.

Le Pen beteuert wie in der ersten Instanz ihre Unschuld. "Die Fälle der parlamentarischen Assistenten müssen einzeln geprüft werden, da sie meiner Meinung nach sehr unterschiedliche Realitäten widerspiegeln", sagte sie bei dem Gerichtstermin am Dienstag.

Bereits zu Beginn des Berufungsprozesses vergangene Woche hatte sie angegeben, ihre Partei habe "keinerlei Eindruck" gehabt, dass sie eine Straftat begangen habe. Stattdessen lenkte sie die Schuldfrage auf das Europäische Parlament. "Wenn tatsächlich ein Fehlverhalten vorliegt, hat das Europäische Parlament seine Warnfunktion nicht wahrgenommen", sagte sie am Dienstag vergangener Woche.

Auslöser der Ermittlungen war der frühere EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) gewesen, der die französische Justiz 2015 auf ein Organigramm der Le-Pen-Partei (damals noch Front National) aufmerksam gemacht hatte. Darin waren mehrere Assistenten von EU-Abgeordneten auf Posten aufgeführt, die mit ihrem offiziellen Job nicht vereinbar waren.

Die französische Staatsanwaltschaft wirft Le Pen vor, das bereits von ihrem Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen angelegte "System" ausgebaut zu haben, um die Gehälter der Parlamentsassistenten zur Sanierung der maroden Parteifinanzen zu nutzen.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Nahe Flugzeugträger: USA schießen iranische Drohne im Arabischen Meer ab

Die USA haben nach Pentagon-Angaben eine iranische Drohne im Arabischen Meer abgeschossen. Die Drohne habe sich auf "aggressive" Weise dem Flugzeugträger USS "Abraham Lincoln" genähert, teilte ein Militärsprecher am Dienstag in Washington mit. Der Abschuss durch ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-35C sei zur "Selbstverteidigung" erfolgt, um den Flugzeugträger und die Besatzung zu schützen.

Gemeinde Crans-Montana spendet über eine Million Euro für Opfer der Brandkatastrophe

Die Schweizer Gemeinde Crans-Montana spendet eine Million Schweizer Franken für die Opfer und Hinterbliebenen der verheerenden Brandkatastrophe in der Silvesternacht. "Wir sind uns bewusst, dass Geld keine Wunden heilen kann, aber wir hoffen, den von dieser Tragödie betroffenen Familien helfen und die Solidarität der Gemeinde Crans-Montana zum Ausdruck bringen zu können", erklärte am Dienstag Gemeindepräsident Nicolas Féraud.

Französische Justiz will X-Eigentümer Musk anhören - Durchsuchungen in Büros

Die französische Justiz weitet ihr Vorgehen gegen die Online-Plattform X aus: Die Behörden durchsuchten Büroräume des Unternehmens und wollen X-Eigentümer Elon Musk befragen. Musk sei für den 20. April in Paris zu einer "freiwilligen Anhörung" geladen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris am Dienstag mit. Ärger dräut X auch in Großbritannien, wo die Datenschutzbehörde eine Untersuchung wegen KI-generierter Pornobilder anstieß.

Menschenrechtsgericht verurteilt Russland wegen Inhaftierung Nawalnys

Zwei Jahre nach dem Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in einem russischen Straflager hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Russland wegen "rechtswidriger Inhaftierung" und "unmenschlicher Behandlung" verurteilt. Die Straßburger Richter verurteilten Russland am Dienstag zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 26.000 Euro, was voraussichtlich keine Folgen haben wird, da Russland Entscheidungen des Gerichts ignoriert.

Textgröße ändern: