Deutsche Tageszeitung - Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein

Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein


Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein
Observation von Maddie-Verdächtigem nicht verlängert - Polizei legt Beschwerde ein / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Ein für den deutschen Verdächtigen im Fall des 2007 verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann geltender Observationsbeschluss ist nach Angaben der Polizei in Kiel nicht verlängert worden. Das teilte die Polizeidirektion in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt am Mittwoch mit. Sie habe dagegen bereits Beschwerde beim Amtsgericht eingelegt, eine Entscheidung darüber stehe noch aus.

Textgröße ändern:

Nach Angaben einer Polizeisprecherin ist die Observation von Christian B. bis zum 12. Juli um 00.00 Uhr bewilligt und findet bis dahin weiter statt. Abgelehnt wurde demnach eine neuerliche Verlängerung über diesen Zeitpunkt hinaus, zu den Gründen machte die Sprecherin keine Angaben.

Nicht betroffen sind demnach Anordnungen im Rahmen der gerichtlichen Führungsaufsicht. Sie legen etwa fest, dass B. eine elektronischen Fußfessel zur Aufenthaltsbestimmung tragen muss. Zu Einzelheiten der polizeilichen Observationsmaßnahmen äußerte sich die Polizeisprecherin unter Verweis auf einsatztaktische Gründe am Mittwoch jedoch nicht.

Der wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestrafte Mann war im September aus einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen entlassen worden, nachdem er eine siebenjährige Gefängnisstrafe unter anderem wegen Vergewaltigung abgesessen hatte. Mit dem Fall Maddie hatte das nichts zu tun. Inzwischen wohnt er in einer städtischen Unterkunft in Kiel.

Laut Einschätzung eines Gerichtsgutachters besteht bei B. eine große Gefahr für weitere Straftaten. Es gibt aktuell aber keine rechtliche Grundlage für freiheitsentziehende Maßnahmen. Im Rahmen der sogenannten Führungsaufsicht wurden ihm allerdings Weisungen erteilt, welche die Rückfallgefahr mindern sollen. Unter anderem muss er daher regelmäßig Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten, dazu kommt die Fußfessel.

"Die Polizeidirektion Kiel ist im engen Austausch mit allen beteiligten Institutionen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten", erklärten die Beamten am Mittwoch. Sie erfülle unter Beachtung der Gerichtsentscheidung weiterhin ihre Aufgaben zur Gefahrenabwehr und zur Strafverfolgung. Der Sprecherin zufolge ist für die Beschwerde das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht in Schleswig zuständig.

Medienberichten zufolge kam es wiederholt zu Anwohnerprotesten, sobald die Anwesenheit von B. publik wurde. Dessen Unterbringungen in einer Unterkunft im schleswig-holsteinischen Neumünster sowie in einem Hotel in Kiel scheiterten früher deshalb. B. war zeitweise obdachlos und lebte in einer Grünanlage in Kiel. Den Berichten zufolge wurde er in dieser Zeit rund um die Uhr von Polizisten begleitet und überwacht.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig stuft B als Verdächtigen im Fall der verschwundenen Maddie ein. Das gab sie 2020 bekannt, Anklage erhob sie bisher nicht. Maddie war im Mai 2007 aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz in Portugal verschwunden, während ihre Eltern in einem nahen Restaurant aßen. Trotz jahrelanger Suche fehlt von ihr bisher jede Spur, der Fall sorgt seit jeher für ein großes Medieninteresse.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Vor U-Ausschuss: Bill Gates bestreitet Verwicklung in Epsteins Missbrauchsfälle

Microsoft-Mitgründer Bill Gates hat eine Verwicklung in die Verbrechen des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bestritten. Gates sagte am Mittwoch vor Abgeordneten in Washington, er habe trotz einiger Treffen mit Epstein "niemals irgendwen zum Opfer gemacht". Er sei auch nie auf Epsteins berüchtigter Insel gewesen, auf seiner Ranch oder in seinem Haus in Florida, beteuerte der 70-Jährige.

Nordrhein-Westfalen: Toter und Schwerverletzter gefunden - Mordkommission ermittelt

In einem Haus im nordrhein-westfälischen Arnsberg hat die Polizei einen Toten und einen Schwerverletzten gefunden. Die Beamten gehen von einem Gewaltverbrechen am Dienstagnachmittag aus, wie die Polizei in Dortmund und die Staatsanwaltschaft Arnsberg am Mittwoch mitteilten. Beide Männer wiesen Stichverletzungen auf. Ein 56-Jähriger erlag diesen, ein 23-Jähriger wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Schulkind stirbt bei Kollision von Reisebus und Linienbus in Bayern

Bei der Kollision eines Reisebusses mit einem Linienbus ist in Oberbayern ein Schulkind gestorben. Wie die Polizei in Ingolstadt am Mittwoch mitteilte, wurden zudem zwei weitere Kinder und eine Lehrerin aus dem Reisebus mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht. Zwei weitere Kinder wurden mittelschwer und 28 Menschen leicht verletzt, darunter die beiden Busfahrer.

Wadephul: Neue Sanktionen gegen Israel derzeit "nicht geboten"

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat Forderungen nach neuen Sanktionen gegen Israel zurückgewiesen. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Bundesregierung der Auffassung, dass unsere Stimme in Israel gehört wird und dass andere Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht geboten sind", sagte Wadephul am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit seiner ungarischen Kollegin Anita Orban in Berlin.

Textgröße ändern: