Deutsche Tageszeitung - Forscher: Musk verbreitete Beiträge britischer Rechtsextremer millionenfach weiter

Forscher: Musk verbreitete Beiträge britischer Rechtsextremer millionenfach weiter


Forscher: Musk verbreitete Beiträge britischer Rechtsextremer millionenfach weiter
Forscher: Musk verbreitete Beiträge britischer Rechtsextremer millionenfach weiter / Foto: © AFP/Archiv

Der Tech-Multimilliardär Elon Musk hat einer Erhebung zufolge in seinem Onlinedienst X Beiträge des rechtsextremen britischen Aktivisten Tommy Robinson sowie des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Restore UK, Rupert Lowe, millionenfach weiterverbreitet und dadurch die ausländerfeindlichen Proteste in Nordirland maßgeblich angeheizt. Forscher der Internet-Überwachungsorganisation Center for Countering Digital Hate (CCDH) berichteten am Freitag, dass die Beiträge der beiden Briten und Musks zu Belfast zusammen mehr als 115 Millionen Aufrufe auf ihren Konten erzielten - 55 Prozent davon entfielen demnach auf Musk.

Textgröße ändern:

"Musks Verstärkung war entscheidend", sie habe zu 64 Millionen Aufrufen geführt, hieß es in dem Bericht des CCDH.

Der X-Eigentümer hatte sich den Aufrufen Robinsons zu Protesten in ganz Großbritannien angeschlossen und an seine 240 Millionen Follower auf X geschrieben: "Nur wenn wir wiederholt und laut protestieren, wird sich etwas ändern."

"Als Eigentümer von X und Nutzer mit den meisten Followern verfügt Musk über eine beispiellose Macht, zu beeinflussen, was die Menschen online sehen", erklärte CCDH-Gründer und Geschäftsführer Imran Ahmed. Mit dieser Macht gehe "die Verantwortung für die Inhalte und das Verhalten einher, die seine Plattform fördert", fügte Ahmed hinzu.

"Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass er die Tragödie von Belfast dazu nutzte, migrationsfeindliche Narrative an Millionen Nutzer zu verbreiten" und zur Gewalt anzustacheln. Niemand habe bei der Verbreitung der Inhalte auf X eine größere Rolle gespielt als Musk selbst, hieß es weiter.

X reagierte zunächst nicht auf eine Bitte der Nachrichtenagentur AFP um Stellungnahme.

In der Nähe von Belfast war es seit Montag an mehreren Abenden zu gewalttätigen ausländerfeindlichen Protesten gekommen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen Steine werfende Demonstranten vor. Fahrzeuge und auch Häuser wurden in Brand gesteckt. Zu den Demonstrationen hatten rechtsextreme Aktivisten aufgerufen. Auslöser war die Veröffentlichung eines Videos eines brutalen Messerangriffs, für den ein sudanesischer Migrant verantwortlich gemacht wird.

Robinsons Account war auf der - damals noch Twitter heißenden - Plattform früher gesperrt gewesen. Nachdem Musk den Onlinedienst kaufte und ihn in X umtaufte, durfte der rechtsextreme Aktivist dort wieder seine Meinung kund tun.

Den Forschern zufolge hat Musk Lowes Reichweite vergrößert, indem er dessen Reden in den vergangenen Wochen verstärkt gepostet und verbreitet hatte, dass nur seine Partei "Großbritannien retten" könne.

In den Reaktionen auf die Beiträge zum Thema Belfast der drei Accounts sei eine "Explosion von Aufrufen zur Gewalt" erfolgt, erklärte CCDH. So habe es 3900 Kommentare mit Aufrufen zur Gewalt gegen Migranten gegeben, darunter Aufforderungen zum Lynchmord.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Erste Pride-Parade in Tel Aviv seit Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023

In der israelischen Metropole Tel Aviv hat es erstmals seit dem Großangriff der Hamas-Miliz am 7. Oktober 2023 wieder eine Pride-Parade in früherer Form gegeben. Tausende Teilnehmer zogen am Freitag in bunter Aufmachung und mit lauter Musik durch die Straßen. Auf Plakaten kritisierten viele Teilnehmer die rechtsgerichtete israelische Regierung.

Gericht: Rassistische Chats von Beamten nicht automatisch Verstoß gegen Verfassungstreue

Das Versenden von objektiv rassistischen oder das NS-Unrecht verharmlosenden Chatnachrichten durch einen Beamten lässt laut Bundesverwaltungsgericht nicht automatisch den Rückschluss auf einen mit der weiteren Dienstausübung unvereinbaren Verstoß gegen die Verfassungstreuepflicht zu. Das entschied das Gericht in Leipzig nach Angaben vom Donnerstag im Fall eines Feuerwehrmanns aus Bremen. (Az. BVerwG 2 C 12.25)

Beschwerde von Polizei erfolgreich: Observation von Maddie-Verdächtigem verlängert

Die Polizei darf den deutschen Verdächtigen im Fall des verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann weiter observieren. Ein Gericht habe die Notwendigkeit einer Fortsetzung "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zur Gefahrenabwehr" bestätigt, teilte die Polizeidirektion Kiel am Freitag mit. Zu Einzelheiten der Entscheidung und konkreten Observationsmaßnahmen würden derzeit keine Angaben gemacht.

Tod von Zweijähriger in Halle: Vater zu fünf Jahren Haft verurteilt

Wegen des Tods eines mit heißem Wasser verbrühten Kleinkinds in Halle in Sachsen-Anhalt ist der Vater des Mädchens zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Halle sprach den Angeklagten am Freitag in einem Revisionsverfahren der fahrlässigen Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Damit fiel das Strafmaß höher aus als in einem ersten Prozess, der mit drei Jahren Haft für den Mann geendet hatte.

Textgröße ändern: