Deutsche Tageszeitung - Italien erwägt in Corona-Krise Verbot von Joggen und Spaziergängen

Italien erwägt in Corona-Krise Verbot von Joggen und Spaziergängen


Italien erwägt in Corona-Krise Verbot von Joggen und Spaziergängen
Italien erwägt in Corona-Krise Verbot von Joggen und Spaziergängen / Foto: ©

Angesichts der weiterhin drastisch zunehmenden Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus könnte in Italien bald sogar das Joggen und Spazierengehen untersagt werden. Der Präsident der norditalienischen Region Emilia-Romagna, Stefano Bonaccini, unterzeichnete bereits am Mittwochabend eine Anordnung, derzufolge das Fahrradfahren und das Verlassen des Hauses zu Fuß nur noch zu medizinischen oder beruflichen Gründen sowie zum Einkaufen erlaubt sind.

Textgröße ändern:

Von der landesweiten Ausgangssperre sind Joggen und Spaziergänge bisher ausgenommen. Dies könnte sich aber bald ändern. Vor allem norditalienische Politiker hatten in den vergangenen Tagen beklagt, dass zu viele Menschen sich nicht an die Aufforderung der Behörden hielten, wegen der Corona-Krise zu Hause zu bleiben. Mehrere Regionalpolitiker riefen die Regierung in Rom deshalb dazu auf, auch das Joggen und Spazierengehen zu untersagen.

"Bleiben Sie zu Hause und unternehmen Sie, soweit es möglich ist, keine Spaziergänge", forderte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, am Mittwoch. Der Politiker der rechtsradikalen Lega forderte die Regierung in Rom zu einer Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen auf. Als Beispiele nannte er ein Verbot von Spaziergängen und die Schließung von Geschäften an Sonntagen, "einschließlich Supermärkten".

Zaia bezeichnete auch die Auswertung von Handydaten als "ausgezeichnete Lösung" zur Eindämmung des Coronavirus. Zugleich räumte er ein, dass dies ein Eingriff in das Recht auf Privatsphäre wäre.

Italien ist das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land Europas. Am gravierendsten ist die Situation in den norditalienischen Regionen Lombardei und Emilia-Romagna. Die Zahl der Todesfälle hatte sich am Mittwoch auf fast 3000 erhöht. Für das gesamte Land gilt eine Ausgangssperre, die 60 Millionen Italiener dürfen ihre Häuser nur noch aus beruflichen Gründen oder zur Erledigung dringend notwendiger Besorgungen verlassen. Sport im Freien oder Spazierengehen ohne Begleitung werden von den Behörden aber bislang geduldet.

Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora hatte sich am Mittwoch zurückhaltend zur Frage geäußert, ob sportliche Aktivitäten im Freien weiter möglich blieben. Im Sender Rai Uno sagte er, "in den kommenden Stunden" müsse ein „vollständiges Verbot von Aktivitäten im Freien in Betracht gezogen" werden. Sollte der "Aufruf, zu Hause zu bleiben, nicht gehört" werden, sei die Regierung "gezwungen, ein absolutes Verbot" zu verhängen, betonte er.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte stellte die Italiener bereits auf eine Verlängerung der Ausgangssperre ein. Es sei unvermeidbar, die verhängten Maßnahmen über ihre "ursprüngliche Frist" hinaus zu verlängern, sagte Conte der Zeitung "Il Corriere della Sera" vom Donnerstag.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Attacke nach Granatenwurf auf Friedhof: Weiterer Mann in Stuttgart verurteilt

Nach einem Handgranatenwurf im Zusammenhang mit einem seit rund zwei Jahren andauernden Bandenkrieg hat das Landgericht Stuttgart einen Mann zu fünf Jahren Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Einem Gerichtssprecher zufolge sah es die zuständige Kammer am Donnerstag als erwiesen an, dass er den zu einer verfeindeten Gruppierung gehörenden Werfer der Granate im Juni vergangenen Jahres attackiert und gemeinsam mit weiteren Männern schwer verletzt hatte.

34-Jähriger ertränkte Bekannten im Berliner Fluss Wuhle - zehnjährige Haftstrafe

Wegen der Tötung eines Bekannten ist ein 34-jähriger Mann in Berlin zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Damit blieb das Landgericht um ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, wie eine Gerichtssprecherin am Donnerstag mitteilte. Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sieben Monaten gefordert.

Lange Haftstrafen für Männer nach Millionendiebstahl aus Schließfach in Berlin

Nach einem spektakulären Diebstahl von Schmuck, Uhren und Bargeld in Millionenhöhe aus einer Schließfachanlage in Berlin müssen die Täter für mehrere Jahre in Haft. Das Landgericht Berlin verurteilte die Männer am Donnerstag zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und acht Jahren. Sie hätten durch die Tat vor eineinhalb Jahren nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch immateriellen Schaden etwa durch den Diebstahl von Familienschmuckstücken verursacht, sagte der Vorsitzende Richter Michael Mattern in seiner Urteilsbegründung.

International gesuchter Totschläger an Frankfurter Flughafen festgenommen

Die Bundespolizei hat am Flughafen in Frankfurt am Main einen international gesuchten mutmaßlichen Totschläger festgenommen. Er soll für einen Totschlag in Südkorea verantwortlich gewesen sein, wie die Beamten am Donnerstag mitteilten. Seit 2020 war er mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden.

Textgröße ändern: