Deutsche Tageszeitung - Türken setzen in der Corona-Krise auf die Wirkung von Kölnisch Wasser

Türken setzen in der Corona-Krise auf die Wirkung von Kölnisch Wasser


Türken setzen in der Corona-Krise auf die Wirkung von Kölnisch Wasser
Türken setzen in der Corona-Krise auf die Wirkung von Kölnisch Wasser / Foto: ©

In zahlreichen Ländern hamstern die Menschen wegen der Coronavirus-Pandemie Toilettenpapier - in der Türkei findet dagegen Kölnisch Wasser reißenden Absatz. Viele Türken sind der Überzeugung, dass das Duftwasser dank seines hohen Alkoholgehalts Hände und Gesicht wirksam reinigt und so vor einer Coronavirus-Infektion schützen kann. In vielen Geschäften und Apotheken ist Kölnisch Wasser längst ausverkauft, nun blüht der Schwarzmarkt.

Textgröße ändern:

Bereits Anfang März - noch bevor die Türkei ihren ersten bestätigten Corona-Infektionsfall meldete - , hatten sich vor den Parfümerienauf dem berühmten Istanbuler Gewürzmarkt lange Schlangen gebildet. Heute sieht man dort vor allem "Kölnisch Wasser ausverkauft"-Schilder.

Eine Rolle bei der großen Nachfrage spielte wohl auch die Empfehlung von Gesundheitsminister Fahrettin Koca an die Türken, im Kampf gegen das Coronavirus Kölnisch Wasser als Alternative zu Hand-Desinfektionsmittel zu verwenden. Allein in den vergangenen Wochen gingen beim Duftwasser-Hersteller Eyup Sabri Tuncer zehntausende Bestellungen ein. "Um die Gesundheit unserer Lieferanten sicherzustellen, haben wir die Internet-Bestellungen vorübergehend ausgesetzt", sagte Firmenvertreter Atilla Ariman der Nachrichtenagentur AFP.

Begehrte Produkte auf dem Schwarzmarkt sind inzwischen sowohl Kölnisch Wasser als auch Hand-Desinfektionsmittel. Vergangene Woche beschlagnahmte die Polizei bei einer Razzia in einer Fabrik Produkte, die sie als "ungesund" bezeichnete.

Bei der Vorstellung seines Programms zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan vergangene Woche an, Atemschutzmasken und Kölnisch Wasser würden in der Krise kostenlos an Menschen über 65 Jahren ausgegeben. Laut Berichten türkischer Medien verteilen Freiwillige in der Stadt Izmit bereits kostenloses Duftwasser und Brot an Senioren.

Ob Kölnisch Wasser tatsächlich vor einer Coronavirus-Infektion schützen kann? Der Experte für Infektionskrankheiten Bülent Ertugrul sagte der Nachrichtenagentur AFP, der beste Schutz gegen das Coronavirus sei sorgfältiges Händewaschen. Wenn Seife und Wasser nicht vorhanden seien, könne aber ein Hand-Reinigungsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkoholgehalt helfen. "Wie allgemein bekannt, enthält Kölnisch Wasser mindestens 70 Prozent Alkohol. Daher ist es ein gutes Reinigungsmittel für die Hände gegen Covid-19."

Die Türkei hat bisher mehr als 1500 Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet, 37 Menschen starben an den Folgen der Infektion.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Durchsuchungen wegen rechtsextremer Chats in Berlin

Wegen rechtsextremer Chats haben Ermittler am Mittwoch in Berlin die Wohnungen von zwei Personen durchsucht. Dem 50-Jährigen und der 55-Jährigen werden Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorgeworfen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Zwischen Oktober 2022 und April 2023 sollen sie Mitglieder einer rechten Telegram-Chatgruppe namens "National ist die Wahl" gewesen sein.

Bus fährt in Bayern gegen Hauswand - zwölf Verletzte

Im bayerischen Herzogenaurach ist ein Linienbus gegen eine Hauswand gefahren. Bei dem Unfall am Mittwoch wurden zwölf Menschen verletzt, wie die Polizei in Nürnberg mitteilte. Die Unfallursache war zunächst unklar.

Messerangriff von München: Tatverdächtiger vorläufig in psychiatrischer Klinik

Nach einem Messerangriff in München mit zwei Verletzten soll der Tatverdächtige vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Die Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen gegen den 40-Jährigen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Er soll im Stadtteil Pasing zwei Männer mit Stichen in den Oberkörper und den Hals verletzt haben.

Cannabisplantage in Einfamilienhaus in niedersächsischem Lemwerder entdeckt

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hat die Polizei in einem Einfamilienhaus im niedersächsischen Lemwerder eine Cannabisplantage mit etwa 700 Pflanzen entdeckt. Vier Verdächtige seien bei der Razzia am Dienstag auf dem Grundstück Gebäude angetroffen und festgenommen worden, teilten die Ermittler am Mittwoch in Delmenhorst mit.

Textgröße ändern: