Deutsche Tageszeitung - Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein

Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein


Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein
Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein / Foto: ©

In der Corona-Krise deckt sich Deutschland mit Präparaten ein, die hilfsweise gegen die Lungenerkrankung Covid-19 zum Einsatz kommen könnten. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte am Donnerstag, dass die "zentrale Beschaffung" mehrerer Arzneimittel "zum Einsatz in der Behandlung schwerwiegender Verläufe" bei Covid-19-Patienten eingeleitet worden sei. Dazu zählen unter anderem das in Japan als Grippemittel zugelassene Avigan sowie Malariamittel mit dem Wirkstoff Chloroquin. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will sein Malariamittel Resochin nun auch in Europa prodzieren lassen.

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Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus und auch keine Medikamente zur Behandlung der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Deshalb wird geprüft, ob bereits zugelassene Medikamente womöglich helfen könnten.

Darunter sind Arzneimittel, die ursprünglich gegen Ebola, HIV oder Sars und Mers - zwei andere durch Coronaviren ausgelöste Krankheiten - entwickelt wurden. Auch ein Malariamedikament wird geprüft, für dessen Wirksamkeit gegen Viren es vor kurzem erste Hinweise gab.

Laut Bundesgesundheitsministerium wurde die zentrale Beschaffung der Arzneimittel Kaletra, Avigan, Foipan sowie chloroquin- und hydroxychloroquinhaltiger Arzneimittel zum Einsatz gegen schwerwiegende Covid-19-Erkrankungen eingeleitet. Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet. Die Arzneimittel werden nach Ministeriumsangaben über ausgewählte Apotheken verteilt.

Die antivirale Grippetablette Avigan ist laut "FAZ" in Japan für die Anwendung gegen Corona begrenzt zugelassen und verhindert normalerweise, dass sich ein Grippevirus im Körper vermehrt. Die Regierung in China teilte zuletzt mit, dass vielversprechende klinische Studien vorlägen.

Das Medikament Kaletra wird eigentlich in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur HIV-Behandlung eingesetzt. Foipan ist in Japan zugelassen zur Therapie einer chronischen Bauspeicheldrüsenentzündung.

Viele Diskussionen gab es zuletzt um den den Wirkstoff Chloroquin, der seit langem gegen Malaria eingesetzt wird. Je nach Land und Hersteller wird er unter unterschiedlichen Namen verkauft, zum Beispiel als Resochin oder Nivaquine.

Forscher aus China und Frankreich berichteten nach ersten kleineren klinischen Studien mit Coronaviruspatienten von positiven Ergebnissen. Eine Bestätigung der Wirksamkeit durch groß angelegte Studien steht aber noch aus. Die Europäische Arzneimittelagentur warnte davor, Coronaviruspatienten damit zu behandeln. Eine Anwendung solle nur bei klinischen Tests oder in Notfällen erfolgen.

Ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn sagte der "FAZ", dass sich aktuell zu keinem der genannten Arzneimittel Aussagen zur Wirksamkeit bei Covid-19 treffen ließen. Die Ergebnisse laufender klinischer Prüfungen blieben abzuwarten.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will indes die Produktion seines Malariamittels Resochin ausbauen. Vorstandschef Werner Baumann kündigte im "Handelsblatt" an, Werke in Europa für die Resochin-Fertigung umrüsten zu lassen. Dem Bericht zufolge produziert der Leverkusener Konzern das Medikament mit dem Wirkstoff Chloroquin bislang nur in Pakistan. Baumann sagte der Zeitung, das Mittel solle Regierungen weltweit in der Krise gespendet werden.

Ärzte warnten vor möglichen Engpässen bei Malariamitteln. Begrenzter Zugang zu Chloroquin (CQ) und Hydroxychloroquin (HCQ) könnte alle Hoffnungen auf deren flächendeckenden Einsatz gegen das Coronavirus zunichte machen, befürchteten Ärzte aus Italien in der Zeitschrift "Annals of Rheumatic Diseases".

Außerdem warnen sie davor, dass Menschen, die die Medikamente jetzt schon gegen andere Krankheiten nehmen müssen, plötzlich keinen Zugang mehr zu ihnen hätten. Das müsse unbedingt verhindert werden. "In manchen europäischen Ländern sind HCQ und CQ schon jetzt in Apotheken nur noch begrenzt verfügbar", sagte Mitautorin Francesca Romana der Nachrichtenagentur AFP.

(N.Loginovsky--DTZ)

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