Deutsche Tageszeitung - Alzheimer: Experten fordern bessere Diagnostik und mehr Unterstützungsangebote

Alzheimer: Experten fordern bessere Diagnostik und mehr Unterstützungsangebote


Alzheimer: Experten fordern bessere Diagnostik und mehr Unterstützungsangebote
Alzheimer: Experten fordern bessere Diagnostik und mehr Unterstützungsangebote / Foto: © AFP/Archiv

Zum Weltalzheimertag haben Experten in Deutschland eine bessere Diagnostik und mehr Unterstützungsangebote gefordert. Von neuen Medikamenten profitiere nur ein kleiner Teil der Betroffenen, erklärte die Vorsitzende der Deutschen Alzheimergesellschaft, Monika Kaus, am Freitag in Berlin. Menschen mit fortgeschrittener Alzheimerkrankheit, mit Begleiterkrankungen oder einer anderen Form der Demenz "werden davon nicht profitieren". Auch könne die Krankheit mit den neuen Medikamenten nicht gestoppt werden, so dass die Hilfsbedürftigkeit in jedem Fall steige.

Textgröße ändern:

Kaus forderte den flächendeckenden Ausbau der Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. "Dazu gehören Strategien gegen den Pflegenotstand ebenso wie eine Pflege- und Versorgungsplanung auf kommunaler Ebene", erklärte sie.

In Deutschland leben 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die häufigste Demenzerkrankung ist Alzheimer. Die Erkrankung ist bislang nicht heilbar, auch wirksame Therapien sind kurzfristig nicht in Sicht.

"Neue Medikamente für den Einsatz im frühen Stadium der Alzheimerkrankheit, an denen derzeit intensiv geforscht wird, machen den Betroffenen große Hoffnungen", betonte Kaus. In den USA und zuletzt in Großbritannien wurde das Medikament Leqembi zugelassen, das Patientinnen und Patienten helfen soll, deren Alzheimererkrankung noch nicht weit fortgeschritten ist.

Auch wenn die Amyloid-Antikörper-Therapie mit dem Wirkstoff Lecanemab in der EU nicht zugelassen wurde, "wird die Entwicklung hier weitergehen", erklärte Kaus. "Wir dürfen aber nicht vergessen, dass diese Medikamente bisher nur einem sehr kleinen Teil der Betroffenen zugute kommen."

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie, Michael Rapp, verwies auf die immer noch unzureichende Versorgung von Menschen mit Demenz. Es gebe nach wie vor "erhebliche Defizite" bei der Abklärung von Symptomen und dem Einsatz verfügbarer medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapien bei beginnender Demenz.

Bei einem wesentlichen Anteil der Erkrankungen, bei denen die Demenz Folge einer anderen Grunderkrankung ist, gebe es eine "Chance auf Stillstand oder Besserung", erklärte der Verbandschef der Alterspsychiater. Dazu zähle die chirurgische Behandlung von gutartigen Tumoren der Nebenschilddrüsen, die Behandlung von fehlenden Schilddrüsenhormonen sowie die optimale Einstellung eines Bluthochdrucks oder Diabetes mellitus. "Voraussetzung dafür ist aber, dass möglichst frühzeitig eine korrekte Diagnose gestellt wird", betonte Rapp.

Der Weltalzheimertag am Samstag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Demenz – Gemeinsam. Mutig. Leben." Damit soll erneut auf die Krankheit und die Situation von Betroffenen und ihren Angehörigen aufmerksam gemacht werden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Arbeitgeber fordern "Ausgabenmoratorium" bei gesetzlicher Krankenversicherung

Vor der Veröffentlichung der Empfehlungen zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung hat Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger eine Begrenzung der Ausgaben angemahnt. "Wir haben heute schon die teuerste Gesundheitsversorgung Europas - allerdings ohne die entsprechende Qualität“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der "Welt am Sonntag". Er forderte ein "Ausgabenmoratorium", um den weiteren Anstieg der Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber kurzfristig zu stoppen.

Bundestag macht Weg frei für leichtere "Überkreuz"-Nierenspenden

Nierenspenden durch lebende Personen sollen künftig leichter möglich sein. Der Bundestag beschloss am Donnerstag eine Gesetzesänderung, wonach Lebendspenden von Nieren hierzulande künftig auch zwischen zwei unterschiedlichen Paaren "überkreuz" im Regelfall zugelassen werden. Dies soll den Kreis möglicher Organspenderinnen und -spender erheblich vergrößern.

GKV-Finanzen: Kassen fordern "entschlossenes politisches Handeln"

Vor dem Hintergrund von Milliardendefiziten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben die Kassen "entschlossenes politisches Handeln" gefordert. "Bringen Sie noch vor dem Sommer ein Gesetz auf den Weg, damit die Maßnahmen spätestens im Jahr 2027 greifen", appellierte der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands am Donnerstag an die Politik. "Weitere Beitragssatzerhöhungen sind für die Beitragszahlenden nicht mehr tragbar und wären zudem Gift für die Wirtschaft!"

Klingbeil-Rede bringt Bewegung in Reformdebatten von Union und SPD

In die Reformdebatten von Union und SPD kommt zunehmend Bewegung. Nach der Grundsatzrede von SPD-Chef Lars Klingbeil ist die Debatte darüber voll entbrannt, wie Belastungen durch Entlastungen an anderer Stelle ausgeglichen werden könnten und umgekehrt. Kritik kommt parteiübergreifend an Überlegungen für eine Anhebung der Mehrwertsteuer.

Textgröße ändern: