Deutsche Tageszeitung - Steinmeier mahnt gemeinsam mit WHO zu weltweiter Solidarität bei Impfstoffen

Steinmeier mahnt gemeinsam mit WHO zu weltweiter Solidarität bei Impfstoffen


Steinmeier mahnt gemeinsam mit WHO zu weltweiter Solidarität bei Impfstoffen
Steinmeier mahnt gemeinsam mit WHO zu weltweiter Solidarität bei Impfstoffen / Foto: ©

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat erneut zu internationaler Solidarität bei der weltweiten Verteilung der knappen Impfstoffe gegen das Coronavirus gemahnt. Dies sei "eine Frage der Menschlichkeit und unserer eigenen Maßstäbe", sagte Steinmeier am Montag nach einer Videoschalte mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus. Zudem liege "ein fairer, weltweiter Zugang zu Impfstoffen, Diagnostik und Medikamenten auch in unserem ureigensten Interesse".

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Bei dem Gespräch ging es besonders um die internationale Initiative Covax, die sich für eine faire Verteilung von Corona-Impfstoffen weltweit einsetzt. Sie will insbesondere sicherstellen, dass sich auch die Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 schützen können, allen voran die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

WHO-Generaldirektor Tedros lobte das diesbezügliche Engagements Steinmeiers und auch der Bundesregierung, die vor wenigen Tagen zusätzlich 1,5 Milliarden Euro für Covax und weitere Anstrengungen zur globalen Pandemie-Bekämpfung zugesagt hatte.

"Je rascher wir auch in Deutschland und Europa bereit sind, ein wenig von dem abzugeben, was uns zur Verfügung steht, desto eher ist dies ein Beitrag zu weltweiten Bekämpfung der Pandemie", betonte Steinmeier. Werde diese Solidarität verweigert, steige das Risiko von Virus-Mutationen. Zudem dürften dann "wir uns nicht wundern, wenn andere Länder dieses Vakuum nutzen". Steinmeier spielte dabei offensichtlich auf Impfstoff-Angebote Chinas und Russlands an.

Der Bundespräsident begrüßte, dass Covax in dieser Woche mit der Lieferung von 330 Millionen Impfdosen an 145 Länder beginnen wolle. Mit Blick auf einen Aufruf von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die westlichen Industriestaaten sollten 13 Millionen Impfdosen für afrikanische Länder zur Verfügung stellen, sagte Steinmeier, es "gut, dass damit auf europäischer Ebene eine Debatte angestoßen wurde" über die Abgabe "eines kleinen Teils ihrer Impfdosen" durch die Europäer.

Diese Impfdosen würden in ärmeren Staaten dringend gebraucht, um allein einen Zusammenbruch des Gesundheitswesens zu verhindern, betonte Steinmeier. Als "Luxusdebatte" bezeichnete er vor diesem Hintergrund die Diskussionen in Deutschland über die unterschiedliche Wirksamkeit etwa der Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca.

Zurückhaltend äußerte sich der Bundespräsident zu Forderungen nach einer Aussetzung des Patentschutzes für Impfstoffe. Es sei gerade auch wegen der Virus-Mutationen wichtig, auch bei Privatfirmen das Interesse zu erhalten, in die Forschung für Medikamente und neue oder angepasste Impfstoffe weiter zu investieren, gab er zu bedenken.

Tedros forderte in diesem Zusammenhang, die Herstellung von Impfstoffen zu beschleunigen, auch durch eine Zusammenarbeit der Pharmaunternehmen bei Produktionsstätten oder der Vergabe von Lizenzen. Zentral sei, mehr Impfdosen weltweit zur Verfügung zu haben, denn "wenn wir wenig haben, ist es schwieriger zu teilen". Covax nützten internationale Hilfsgelder wenig, wenn keine Impfdosen auf dem Markt sein.

Deutliche Kritik übte der WHO-Generaldirektor an nationalen Versuchen, Impfstoffhersteller zur Bereitstellung zusätzlicher Impfstoffmengen zu bewegen. Dies wirke sich regelmäßig "negativ auf die Impfdosen aus, die Covax geliefert bekommt", warnte Tedros. Die Pandemie könne aber nur erfolgreich bekämpft werden, wenn "wir das Virus in allen Ländern besiegen".

(V.Sørensen--DTZ)

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