Deutsche Tageszeitung - Unionspolitiker drängen Löbel und Nüßlein zur Aufgabe ihrer Bundestagsmandate

Unionspolitiker drängen Löbel und Nüßlein zur Aufgabe ihrer Bundestagsmandate


Unionspolitiker drängen Löbel und Nüßlein zur Aufgabe ihrer Bundestagsmandate
Unionspolitiker drängen Löbel und Nüßlein zur Aufgabe ihrer Bundestagsmandate / Foto: ©

In der Affäre um Provisionszahlungen für die Vermittlung von Maskengeschäften drängen führende Unionspolitiker die beiden Parlamentarier Nikolas Löbel (CDU) und Georg Nüßlein (CSU) zur sofortigen Aufgabe ihrer Abgeordnetenmandate. "Löbel und Nüßlein müssen vollständig zurücktreten und ihre Mandate im Bundestag umgehend niederlegen", forderte Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU) am Sonntag. Auch CSU-Chef Markus Söder mahnte, die beiden Abgeordneten sollten "umgehend reinen Tisch machen". Der CDU-Kreisverband Mannheim stellte Löbel ein Ultimatum.

Textgröße ändern:

Als Konsequenz aus dem Maskenskandal kündigte Löbel am Sonntag seien Rückzug aus der Politik an. Der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete erklärte seinen Austritt aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sein Abgeordnetenmandat will er Ende August niederlegen und auch nicht mehr bei der Bundestagswahl kandidieren. Löbel trat zugleich als CDU-Kreisvorsitzender in Mannheim zurück, will aber bis Ende August Stadtrat bleiben.

"Es gibt überhaupt nichts schön zu reden", schrieb Kramp-Karrenbauer im Kurzbotschaftendienst Twitter. Ämter "ruhen" zu lassen, reiche nicht.

Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Andreas Jung, forderte Löbel ebenfalls auf, sein Abgeordnetenmandat "unverzüglich niederzulegen". "Hier wurde das Abgeordnetenmandat genutzt, um in dieser Krise mit dieser Krise hohe Provisionen zu verdienen", kritisierte der Vizefraktionschef. "Konsequenzen und ein harter Schnitt sind deshalb unumgänglich."

Die Mannheimer CDU stellte dem Politiker ein Ultimatum zum vollständigen Rückzug bis zum Monatsende. Ein "Rückzug von allen Ämtern und Mandaten bis spätestens 31. März" sei nötig, "um allen Beteiligten eine unnötige Hängepartie zu ersparen", hieß es am Sonntag in einer Erklärung des Kreisvorstands. Dies sei "unausweichlich, folgerichtig und konsequent".

Löbel und der Neu-Ulmer CSU-Parlamentarier Georg Nüßlein sollen Provisionen in sechsstelliger Höhe für die Vermittlung von Geschäften mit Corona-Schutzmasken kassiert haben. Nüßlein kündigte bereits an, im September nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit.

"Es ist nicht zu tolerieren, wenn Volksvertreter die Krise zum Geschäft machen", schrieb Söder auf Twitter. Das sei mit den Grundwerten der Union unvereinbar. "Alle Betroffenen sollten umgehend reinen Tisch machen und grundlegende Konsequenzen ziehen - alles andere beschädigt das Vertrauen in die Politik."

Auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) forderte beide Unionsabgeordneten zum sofortigen Mandatsverzicht auf. "In einer Krise als erstes an den eigenen Geldbeutel zu denken, ist ein Skandal", sagte Roth der "Augsburger Allgemeinen".

Sollten sich die beiden Abgeordneten dem Mandatsverzicht verweigern, "sollte die Union sie aus der Fraktion ausschließen", sagte der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Christian Baldauf, der "Bild am Sonntag". In Rheinland-Pfalz wird wie auch in Baden-Württemberg am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt.

Die Opposition sieht hinter der Maskenaffäre ein strukturelles Problem. "Die Affären bei der Union sind keine Einzelfälle, das hat System", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zudem blockiere die Union seit Jahren schärfere Regeln und mehr Transparenz in Sachen Lobbygesetze, Nebenverdienste und Parteienfinanzierung. "CDU und CSU müssen diese Blockadehaltung aufgeben."

Zur Aufklärung der Maskenaffäre forderte die FDP einen Untersuchungsausschuss. Es gehe "längst nicht mehr um Einzelfälle oder allein um das Abzocken durch CDU- und CSU-Abgeordnete", erklärte der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, am Sonntag in Berlin. Auch die Linke zeigte sich offen für einen Untersuchungsausschuss.

Jan Korte, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion, forderte, die "Lobbyvorgänge" in der Union aufzuklären, um noch mehr Schaden von der Politik abzuwenden. "Geklärt werden muss, ob es rund um das Gesundheitsministerium ein Amigo-Netzwerk gab", erklärte Korte.

Für SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese hat die Unionsfraktion ein "ernstes Korruptionsproblem". Es könne nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden, sagte Wiese der "Welt" laut Vorabmeldung. "Konsequenzen sind bisher Mangelware".

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Wadephul: EU-Kommission muss Schutz der Außengrenzen "absolute Priorität" einräumen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat die EU-Kommission nach der Ankunft zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta dazu aufgerufen, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. "Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben", sagte Wadephul der "Bild am Sonntag". "Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt."

Trump: USA und Israel verzichten vorerst auf neue Angriffe auf den Iran

Die USA und Israel verzichten nach Angaben von US-Präsident Donald Trump vorübergehend auf weitere Angriffe auf den Iran. Die USA seien vom Iran und von weiteren Ländern in der Region darum gebeten worden, weil sich eine neue Vereinbarung abzeichne, schrieb Trump am Samstagabend (Ortszeit) auf seiner Onlineplattform Truth Social. Ein solcher Deal müsse aber schnell erzielt werden. Auch Israel verzichte vorerst auf Angriffe.

Lula wird zum Präsidentschaftskandidaten in Brasilien gekürt

Der brasilianische Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva wird am Sonntag als Präsidentschaftskandidat seiner linksgerichteten Arbeiterpartei (PT) nominiert. Bei einem Parteitag in São Paulo will die PT den 80-Jährigen für eine vierte Amtszeit aufstellen. Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober konkurriert er gegen Flávio Bolsonaro, dessen Vater Jair Bolsonaro er bei der Präsidentschaftswahl 2022 knapp besiegt hatte.

Kolumbien: 14 Verletzte bei Sprengstoffanschlag auf Polizeiwache

Sechs Tage vor der Vereidigung des neuen kolumbianischen Präsidenten Abelardo de la Espriella sind in dem südamerikanischen Land bei einem Sprengstoffanschlag mindestens 14 Menschen verletzt worden. Ein mit Sprengsätzen beladener Lkw detonierte am Samstag vor einer Polizeiwache in der ostkolumbianischen Stadt Cucutá nahe der Grenze zu Venezuela, wie die Behörden mitteilten. Die Regierung machte die Guerrilla-Gruppe ELN für den Anschlag verantwortlich.

Textgröße ändern: