Deutsche Tageszeitung - Erste Geschworene für Prozess um Tod von Afroamerikaner George Floyd ausgewählt

Erste Geschworene für Prozess um Tod von Afroamerikaner George Floyd ausgewählt


Erste Geschworene für Prozess um Tod von Afroamerikaner George Floyd ausgewählt
Erste Geschworene für Prozess um Tod von Afroamerikaner George Floyd ausgewählt / Foto: ©

Im Prozess gegen einen weißen Ex-Polizisten wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd sind die ersten drei Geschworenen ausgewählt worden. Das Prozedere begann am Dienstag (Ortszeit) in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota mit eintägiger Verzögerung. Für die Auswahl der zwölf Geschworenen sind drei Wochen veranschlagt. Am 29. März sollen dann die inhaltlichen Verhandlungen gegen Derek Chauvin beginnen, der gegen Kaution auf freiem Fuß ist.

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Richter Peter Cahill begann in Anwesenheit des Angeklagten Chauvin mit der Unterrichtung und Befragung möglicher Geschworener. Dann waren Verteidigung und Staatsanwaltschaft am Zug. Insgesamt wurden in stundenlangen Befragungen neun Menschen angehört, nur drei - zwei Männer und eine Frau - konnten die Vorgaben erfüllen.

Die Jury-Auswahl ist höchst komplex: Die Geschworenen müssen unvoreingenommen in die Hauptverhandlung gehen. Allerdings ist über Floyds Tod am 25. Mai 2020 und das Vorgehen des angeklagten Ex-Polizisten umfassend berichtet worden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellen zahlreiche Fragen, um zu prüfen, ob die Jury-Kandidaten sich bereits eine Meinung zu dem Fall gebildet haben.

Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und beispiellose Proteste ausgelöst. Chauvin hatte dem wegen eines mutmaßlich falschen 20-Dollar-Scheins festgenommenen 46-Jährigen rund neun Minuten lang auf offener Straße das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl Floyd mehr als 20 Mal klagte, er bekomme keine Luft.

Floyds Satz "I can’t breathe" - "Ich kann nicht atmen" oder "Ich bekomme keine Luft" - wurde zu einem Motto der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze. Die teilweise von Ausschreitungen überschatteten Proteste hielten die USA wochenlang in Atem. Der Prozess gegen Chauvin erhält daher enorme Beachtung. Er findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt und wird live übertragen.

Die Auswahl der Geschworenen hätte eigentlich bereits am Montag beginnen sollen. Dies verzögerte sich, weil nach wie vor ungeklärt ist, ob im Prozess ein dritter Anklagepunkt gegen Chauvin zugelassen wird. Richter Cahill entschied aber, trotz dieser offenen Frage mit der Jury-Auswahl zu beginnen.

Dem nach Floyds Tod entlassenen Polizisten wird unter anderem "Mord zweiten Grades" zur Last gelegt. Das entspricht einem Totschlag in einem besonders schwerem Fall, wenn auch ohne Tötungsabsicht, und kann mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Ein zweiter Anklagepunkt lautet "Totschlag zweiten Grades".

Die Anklage will außerdem, dass dem 44-Jährigen auch wegen "Mord dritten Grades" der Prozess gemacht wird. Sollte Chauvin vom Vorwurf des Mordes zweiten Grades freigesprochen werden, könnte er dann immer noch wegen Mordes dritten Grades verurteilt werden. Darauf steht eine Höchststrafe von 25 Jahren. Auf Totschlag zweiten Grades steht eine Höchststrafe von zehn Jahren.

"Wir sind froh, dass das Gerichtsverfahren begonnen hat", sagte Floyds Cousine Shareeduh Tate, die die Familie am Dienstag im Gerichtssaal repräsentierte. Die 50-jährige Frau, die extra aus Texas angereist war, sagte, der Tod ihres Cousins habe in den USA und darüber hinaus etwas ausgelöst. "Diese Reaktion, die entstandene Bewegung, macht mich optimistisch, dass der Ausgang des Prozesses anders sein wird", sagte sie.

In den USA kommen Beamte wegen oft rassistischer Polizeigewalt nur selten vor Gericht, noch seltener werden sie verurteilt. Dennoch zeigte sich Tate zuversichtlich. Nach der Mobilisierung im Sommer "vertraue ich den Staatsanwälten und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir eine faire und unparteiische Jury bekommen werden".

(V.Sørensen--DTZ)

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