Deutsche Tageszeitung - Steinmeier verurteilt Geschäfte von Abgeordneten mit Corona-Schutzausrüstung

Steinmeier verurteilt Geschäfte von Abgeordneten mit Corona-Schutzausrüstung


Steinmeier verurteilt Geschäfte von Abgeordneten mit Corona-Schutzausrüstung
Steinmeier verurteilt Geschäfte von Abgeordneten mit Corona-Schutzausrüstung / Foto: ©

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Privatgeschäfte von Unionsabgeordneten mit Corona-Schutzausrüstung scharf verurteilt. "Wer sein Mandat gezielt missbraucht, um sich persönlich zu bereichern, der beschädigt nicht nur andere, die redlich ihre demokratische Arbeit tun - der fügt der Demokratie Schaden zu", sagte Steinmeier am Freitag in einer Rede. Solche Menschen hätten "schlicht im Bundestag nichts verloren".

Textgröße ändern:

Der Bundespräsident nannte solches Verhalten "schäbig" und "schändlich". Es gehe hier "nicht nur um das Vertrauen in die Integrität Einzelner – es geht um das Vertrauen in die Integrität des Staates und seiner Institutionen", warnte Steinmeier in seiner Ansprache zur Eröffnung des Kongresses "Zwischen den Zeilen" der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Wer so etwas tue, "der fügt der Demokratie Schaden zu".

"Um der Demokratie willen bitte ich alle im Bundestag vertretenen Parteien, nicht nur schnell, sondern vor allem belastbar zu klären, ob weitere Fälle zu befürchten sind", mahnte Steinmeier weiter. Millionen von Menschen hätten in der Pandemie schwere Einschränkungen und Einkommensverluste hinnehmen müssen "und müssen dann hören, dass ausgerechnet Abgeordnete die Hand aufhalten, bevor der bescheidene medizinische Schutz in Gestalt von Gesichtsmasken die Menschen überhaupt erreicht".

All dies geschehe in finanziellen Größenordnungen, "die das Vorstellungsvermögen normaler Leute übersteigt". Entsprechend sei die Empörung jetzt groß, und "ich teile diese Empörung", sagte der Bundespräsident.

Ohne diese beim Namen zu nennen, bezog sich Steinmeier offensichtlich auf die Fälle der bisherigen Unionsabgeordneten Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU), die sechsstellige Beträge für die Vermittlung von Schutzmaskenlieferungen kassiert haben sollen.

Am Donnerstag legte auch der CDU-Abgeordnete Mark Hauptmann sein Mandat nieder. Ihm wird Lobbyismus für das autoritär regierte Aserbaidschan vorgeworfen, er soll aber auch in Maskengeschäfte verwickelt sein. Die Unionsfraktion setzte allen ihren Abgeordneten eine Frist bis zu diesem Freitagnachmittag, 18.00 Uhr, um mögliche pandemiebezogene Geschäfte offenzulegen.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

IAEA: Akw Saporischschja seit mehr als einer Woche ohne externe Stromversorgung

Das russisch besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seit mehr als einer Woche von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Die Anlage werde derzeit mit Notstrom-Dieselgeneratoren versorgt, erklärte die Organisation am Samstag. Der vorhandene Dieselvorrat reiche für etwa zehn Tage.

Textgröße ändern: