Deutsche Tageszeitung - KSK-Soldat in Leipzig wegen Waffenbesitzes zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

KSK-Soldat in Leipzig wegen Waffenbesitzes zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt


KSK-Soldat in Leipzig wegen Waffenbesitzes zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt
KSK-Soldat in Leipzig wegen Waffenbesitzes zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt / Foto: ©

Rund zehn Monate nach dem Fund von Waffen und Sprengstoff auf dem Privatgrundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen ist der Mann zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Leipzig sprach den 46-Jährigen am Freitag wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, Waffengesetz und Sprengstoffgesetz schuldig. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Enthüllungen über Vorfälle in der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK).

Textgröße ändern:

Bei der Durchsuchung auf dem Grundstück des Angeklagten waren im vergangenen Mai im nordsächsischen Collm unter anderem ein Sturmgewehr AK-47, zwei Kilogramm Sprengstoff, rund 5000 Stück Gewehr- und Pistolenmunition, Messer, eine Schreck- und Luftdruckwaffe, ein Schalldämpfer sowie weitere Waffenteile gefunden worden. Auch diverse NS-Devotionalien wurden entdeckt. Zuvor hatte es einen entsprechenden Hinweis des Militärischen Abschirmdiensts gegeben.

"Sie haben damals gedacht, sie stünden über dem Gesetz", sagte der Vorsitzende Richter Jens Kaden in seiner Urteilsbegründung. "Sie hätten erhebliches Unheil anrichten können, und Sie haben ihre dienstliche Stellung ausgenutzt." Es gab dem Gericht zufolge aber keine Hinweise, dass der Angeklagte mit den Waffen oder dem Sprengstoff Konkretes plante.

Das Gericht sieht auch keine Anhaltspunkte für ein rechtsextremes Netzwerk. Bei dem Angeklagten seien zwar rechtsextreme Devotionalien wie T-Shirts der einschlägig bekannten Marke Thor Steinar gefunden worden. Er müsse deshalb aber "nicht zum rechtsextremen Gefährder abgestempelt werden".

Mit dem Urteil blieb das Landgericht unter der Forderung der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die zweieinhalb Jahre Haft beantragt hatte. Die Verteidigung, die auf maximal zehn Monate Haft plädiert hatte, zeigte sich mit dem Urteil zufrieden.

Der suspendierte KSK-Soldat, der der inzwischen vom Bundesverteidigungsministerium aufgelösten zweiten Kompanie angehörte, hatte zum Prozessauftakt im Januar eingeräumt, ein Waffenlager angelegt zu haben. Philipp S. begründete dies unter anderem damit, dass er die Waffen und die Munition zur Ausbildung der Soldaten benötigt habe, weil es bei der Bundeswehr oft Engpässe bei der Ausrüstung gegeben habe. Das Sturmgewehr wollte er nach eigenen Angaben zur Dekoration verwenden.

S. ging nach eigener Aussage davon aus, dass das Material nicht mehr funktionstüchtig und "ungefährlich" war. Ein Experte stufte das Material im Prozess allerdings als weitgehend einsatzfähig ein.

Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Aussagen von S. als teils "irrational". Dieser habe die Kisten mit Munition und Waffenteilen "über mehrere hundert Kilometer" von der Kaserne in Calw auf sein Gartengrundstück in Nordsachsen geschafft, um sie dort zu vergraben.

Kaden verwies darauf, dass das KSK sich als besondere Truppe sehe, die für sich in Anspruch nehme, bestens ausgerüstet zu sein, im Verborgenen zu wirken und dorthin geschickt zu werden, wo sich keiner mehr hintraue. Es gebe einen "Vertrauensvorschuss" gegenüber dem KSK, es stehe aber ebenso wenig über dem Gesetz.

S. war nach der Razzia im Mai in Untersuchungshaft genommen genommen worden. Ende November kam er zunächst gegen Auflagen wieder auf freien Fuß. Der Haftbefehl wurde nach dem Urteil außer Vollzug gesetzt.

Der Prozess hat auch über Sachsen hinaus Brisanz. Die Elitetruppe KSK war im vergangenen Jahr durch mehrere Enthüllungen über rechtsextreme Vorfälle erschüttert worden. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ordnete daraufhin eine grundlegende Reform der Einheit an.

Die zweite Kompanie des KSK wurde aufgelöst, weil sich dort Verdachtsfälle gehäuft hatten. Auch fehlten Erkenntnisse über den Verbleib weiterer zehntausender Schuss Munition und dutzender Kilogramm Sprengstoff. Zuletzt sorgte die Affäre um den KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr und die von ihm angeordnete Munitionsamnestie für Schlagzeilen.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

IAEA: Akw Saporischschja seit mehr als einer Woche ohne externe Stromversorgung

Das russisch besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seit mehr als einer Woche von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Die Anlage werde derzeit mit Notstrom-Dieselgeneratoren versorgt, erklärte die Organisation am Samstag. Der vorhandene Dieselvorrat reiche für etwa zehn Tage.

Textgröße ändern: