Deutsche Tageszeitung - EU will Exportregeln wegen Impfstoffstreits mit Astrazeneca verschärfen

EU will Exportregeln wegen Impfstoffstreits mit Astrazeneca verschärfen


EU will Exportregeln wegen Impfstoffstreits mit Astrazeneca verschärfen
EU will Exportregeln wegen Impfstoffstreits mit Astrazeneca verschärfen / Foto: ©

Im Streit um Impfstofflieferungen des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca will die EU-Kommission verschärfte Möglichkeiten für Exportstopps schaffen. "Wir werden handeln", sagte die Generaldirektorin der Gesundheitsabteilung der EU-Kommission, Sandra Gallina, am Dienstag bei einer Anhörung im EU-Parlament. Ein Kommissionssprecher kündigte für Mittwoch eine "Überarbeitung" des bereits bestehenden Kontrollmechanismus für Impfstoff-Exporte an.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Astrazeneca am Wochenende erneut mit einem Exportverbot gedroht, sollte der Pharmakonzern nicht seine vertraglichen Lieferpflichten gegenüber der EU erfüllen. Sie warf dem Unternehmen vor, im ersten Quartal nur 30 Prozent der vereinbarten Menge an die EU zu liefern.

"Die fehlenden Dosen von Astrazeneca haben in ganz Europa ein sehr ernstes Problem geschaffen", sagte Gallina. "Insgesamt hat Astrazeneca uns allen einen schlechten Ruf eingebracht." Die EU-Kommission, welche die Impfstoffbeschaffung im Namen der Mitgliedstaaten organisiert, war wegen der allgemeinen Knappheit von Corona-Impfstoffen in die Kritik geraten.

Brüssel liegt deshalb vor allem mit Großbritannien im Streit, das von Lieferproblemen bei Astrazeneca bislang deutlich weniger betroffen war und zugleich große Mengen Impfstoff anderer Hersteller aus der EU importiert. Astrazeneca begründet die Lieferengpässe damit, dass die Probleme hauptsächlich in Produktionsstätten in der EU aufgetreten seien.

Wegen des Streits müssen Impfstoffhersteller in der EU bereits alle Ausfuhren in Drittländer anmelden und genehmigen lassen. Bislang wurde von hunderten Ausfuhranträgen aber nur einer nicht bewilligt. Italien hatte Anfang März eine Lieferung Astrazeneca-Impfstoff an Australien unterbunden.

"Da Astrazeneca bislang nur wenig produziert, liegen von ihnen auch nicht viele Ausfuhranträge vor", sagte Kommissionsvertreterin Gallina. Exporte anderer Hersteller wolle die EU hingegen nicht blockieren. Biontech/Pfizer und Moderna etwa würden ihre Verpflichtungen gegenüber der EU erfüllen, "und das ist, was für uns zählt", sagte die Italienerin.

Im Zentrum der Debatte um Exportbeschränkungen steht nun ein Werk in den Niederlanden, das bald die Produktion von Astrazeneca-Impfstoff aufnehmen soll. Die EU und Großbritannien beanspruchen die künftige Produktion für sich.

Das Thema dürfte beim Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschef am Donnerstag und Freitag zur Sprache kommen. Ein niederländischer Regierungsvertreter sprach sich grundsätzlich für einen Kompromiss mit Großbritannien aus. Ein Ausfuhrverbot wäre ein "Lose-Lose-Szenario", sagte er. Den Haag werde aber der Kommission in ihrer Entscheidung folgen - und notfalls den Exportstopp durchsetzen, fügte er hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte Kommissionspräsidentin von der Leyen in der Nacht zum Dienstag ihre Unterstützung zu. "Wir haben ein Problem mit Astrazeneca", sagte sie im Anschluss an die Konferenz mit den Ministerpräsidenten.

Es sei "völlig richtig", dass die EU-Kommission bei den Herstellern auf Erfüllung ihrer Lieferzusagen poche, sagte Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD). Allerdings müssten auch die Konsequenzen von Exportstopps bedacht werden. Denn bei Impfstoffen gehe es um komplizierte Lieferketten, bei denen Europa auch Bestandteile aus Drittstaaten beziehe.

Grundsätzlich ablehnend positionierte sich Irland. Regierungschef Micheal Martin sprach sich am Montag strikt gegen Exportverbote aus.

(V.Korablyov--DTZ)

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