Deutsche Tageszeitung - EU-Erdbeobachtungsdienst: Europa heizt sich weiter auf

EU-Erdbeobachtungsdienst: Europa heizt sich weiter auf


EU-Erdbeobachtungsdienst: Europa heizt sich weiter auf
EU-Erdbeobachtungsdienst: Europa heizt sich weiter auf / Foto: ©

Das Klima in Europa hat sich im vergangenen Jahr weiter aufgeheizt. Dies teilte der europäische Erdbeobachtungsdienst Copernicus am Donnerstag kurz vor Beginn des von den USA ausgerichteten internationalen Klimagipfels mit. Laut dem vierten Klimabericht des EU-Satellitendienstes lagen die Temperaturen in Europa um zwei Grad über den Werten, die sich in einer Welt ohne C02-Emissionen ergeben hätten.

Textgröße ändern:

In Sibirien wurden sogar Temperaturen gemessen, die um vier Grad über den bisherigen Normalwerten lagen. Im weltweiten Maßstab war das Jahr 2020 eines der beiden heißesten, auf einer Stufe mit dem Jahr 2016. Der arktische Eisschild schmolz auf die kleinste jemals gemessene Oberfläche zusammen.

Die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan hat in der Atmosphäre dem Bericht zufolge 2020 um 0,6 beziehungsweise 0,8 Prozent zugenommen. Damit wurden die höchsten Werte seit dem Beginn der Satelliten-Messungen im Jahr 2003 registriert. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre liegt zur Zeit um 50 Prozent höher als in der vorindustriellen Zeit.

Die von Copernicus festgestellten Werte sind weit von den Zielsetzungen des Pariser Klimaabkommens von 2015 entfernt, nach denen die Treibhausgas-Emissionen so stark reduziert werden sollen, dass die Erderwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt wird. Um dieses Ziel noch erreichen zu können, müssten die CO2-Emissionen von 2020 bis 2030 jedes Jahr um 7,6 Prozent verringert werden.

Die Tendenz sei "unmissverständlich", erklärte Copernicus-Direktor Jean-Noël Thepaut. "Schnelles Handeln ist erforderlich." Sowohl bei den Temperaturen als auch beim Anstieg der Weltmeere zeige sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren eine "Beschleunigung".

Rund 200 Staaten hatten sich auf die Ziele des Pariser Abkommens verpflichtet. Doch schon jetzt sind die Temperaturen um rund 1,2 Prozent gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter gestiegen. Die vergangenen sechs Jahre waren zugleich die wärmsten seit dem Beginn der Temperaturaufzeichnungen.

Bei einer Fortsetzung der aktuellen Trends könnten Mitte des Jahrhunderts laut Wissenschaftlern große Teile der Tropen unbewohnbar sein. Bei einem weiteren Anstieg der Meeresspiegel könnten sich mehrere hundert Millionen Menschen gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen.

Rund 40 Staats- und Regierungschefs beraten ab Donnerstag auf Einladung von US-Präsident Joe Biden bei einem virtuellen Gipfel über den Klimaschutz. Die unter Biden ins Pariser Klimaschutzabkommen zurückgekehrten USA wollen dabei zu verstärkten Bemühungen im Kampf gegen die Erderwärmung aufrufen. Teilnehmen werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Russlands Staatschef Wladimir Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Linnemann legt Krankenkassen-Zusatzbeitrag für 2027 auf 2,9 Prozent fest

Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die Krankenkassen für das kommende Jahr auf 2,9 Prozent festgelegt - damit bleibt er stabil. Der Satz sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, "diese Entwicklung haben wir jetzt gestoppt", erklärte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Freitag. Schon für dieses Jahr hatte das Ministerium den Zusatzbeitrag auf diesen Wert festgelegt. De facto lag er aber darüber.

Druck von Behörden: Unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" gibt Schließung bekannt

Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" stellt nach eigenen Angaben angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit ein. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer am Freitag auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. "Die russischen Behörden, die russischen Geheimdienste haben die Redaktion dazu gezwungen, ihre Arbeit einzustellen."

Merz äußert bei Besuch in Südkorea Hoffnung auf Wiedervereinigung mit dem Norden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei einem Besuch der Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea die Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung Koreas geäußert. Er sei dankbar, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen", sagte Merz am Freitag bei einer Rede an der DMZ laut Redetext. "Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, seine staatliche Einheit zurückzugewinnen", fügte er hinzu.

SPD-Fraktionsvize: Berliner SPD soll nicht mit Linke koalieren

In der SPD wächst der Druck auf den Berliner Landesverband, keine Koalition unter Führung der Linkspartei einzugehen. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Siemtje Möller, sagte am Freitag im ARD-"Morgenmagazin", "ich würde es nicht tun". Möller bezog sich dabei auch auf die "Spiegel"-Berichterstattung, wonach die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp Angst vor Berliner Hamas-Sympathisanten mit Verbindung zur Linken hat.

Textgröße ändern: