Deutsche Tageszeitung - Tschechien und Slowakei weisen in Spionage-Affäre russische Diplomaten aus

Tschechien und Slowakei weisen in Spionage-Affäre russische Diplomaten aus


Tschechien und Slowakei weisen in Spionage-Affäre russische Diplomaten aus
Tschechien und Slowakei weisen in Spionage-Affäre russische Diplomaten aus / Foto: ©

Die diplomatische Krise zwischen Tschechien und Russland spitzt sich weiter zu. Nach dem Verstreichen eines Ultimatums an Moskau kündigte das Außenministerium in Prag am Donnerstag die Ausweisung dutzender russischer Diplomaten an. Russland hat demnach bis Ende Mai Zeit, die Belegschaft seiner Botschaft auf den Stand der tschechischen Vertretung in Moskau zu reduzieren. Als Zeichen der Solidarität mit Tschechien kündigte auch die Slowakei die Ausweisung dreier russischer Botschaftsmitarbeiter an.

Textgröße ändern:

"Im Einklang mit Artikel elf" des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen habe Tschechien entschieden, "die Zahl der Mitarbeiter der russischen Botschaft in Prag auf die tatsächliche Zahl (der Mitarbeiter) in unserer Botschaft in Moskau zu reduzieren", sagte Tschechiens neuer Außenminister Jakub Kulhanek vor Journalisten. Die tschechische Vertretung in Russland verfügt über 24 Mitarbeiter, die russische Vertretung in Prag hat 94 Mitarbeiter.

Prag wirft dem russischen Geheimdienst eine Verwicklung in die Explosion eines tschechischen Munitionslagers nahe dem Dorf Vrbetice im Jahr 2014 vor. Tschechien hatte deshalb bereits am Samstag 18 russische Diplomaten ausgewiesen, die laut der Regierung in Prag als russische Geheimagenten enttarnt wurden. Russland reagierte mit der Ausweisung von 20 tschechischen Diplomaten und bezeichnete das tschechische Vorgehen als "Provokation und unfreundlichen Akt".

Außenminister Kulhanek hatte die Vergeltungsmaßnahme Moskaus am Mittwoch als völlig "unverhältnismäßig" bezeichnet. Die Ausweisung von 20 Diplomaten lege die Arbeit der tschechischen Botschaft völlig lahm, während die Ausweisung von 18 russischen Diplomaten die Arbeit der russischen Botschaft nicht gefährde. Kulhanek stellte Russland ein Ultimatum bis Donnerstagmittag, um eine Rückkehr der 20 tschechischen Diplomaten an ihre Arbeit zu ermöglichen. Russland wies das Ultimatum umgehend zurück.

Das russische Außenministerium reagierte am Donnerstag verärgert auf Kulhaneks Ankündigung und bestellte den tschechischen Botschafter ein. Prag habe sich für den Weg der Zerstörung der Beziehungen entschieden, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa. Es werde "nicht lange auf unsere Antwort warten müssen".

Ihre Solidarität mit Prag betonte am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefonat mit Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis. Babis habe Merkel über die angespannten Beziehungen mit Russland nach den tschechischen Erkenntnissen über die russische Verstrickung in die Explosion in dem Munitionslager informiert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Zuvor hatte die Regierung in Prag bereits Rückendeckung der Nato-Partner erhalten. Die Alliierten erklärten am Donnerstag ihre "volle Solidarität" mit Tschechien und zeigten sich dabei "zutiefst besorgt über die destabilisierenden Handlungen Russlands" auch in anderen Ländern des Bündnisses. Konkrete Schritte gegen Moskau kündigte die Allianz aber nicht an.

Der slowakische Ministerpräsident Eduard Heger teilte mit, die dort ebenfalls von einem Ausweisungsbeschluss betroffenen drei russischen Diplomaten müssten das Land binnen sieben Tagen verlassen. Verteidigungsminister Jaroslav Nad erklärte, die Entscheidung basiere auf Erkenntnissen des slowakischen Geheimdiensten sowie der Geheimdienste verbündeter Länder.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Berliner SPD lässt Mitglieder über mögliche rot-grün-rote Koalition abstimmen

Die Berliner SPD lässt ihre Mitglieder über eine mögliche Koalition mit Linken und Grünen abstimmen. Dies segnete der Landesvorstand am Freitag abschließend ab, wie ein Sprecher mitteilte. "Damit erhalten alle Mitglieder der Berliner SPD die Möglichkeit, über die Annahme des ausgehandelten Koalitionsvertrags zu entscheiden."

Linnemann legt Krankenkassen-Zusatzbeitrag für 2027 auf 2,9 Prozent fest

Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die Krankenkassen für das kommende Jahr auf 2,9 Prozent festgelegt - damit bleibt er stabil. Der Satz sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, "diese Entwicklung haben wir jetzt gestoppt", erklärte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Freitag. Schon für dieses Jahr hatte das Ministerium den Zusatzbeitrag auf diesen Wert festgelegt. De facto lag er aber darüber.

Druck von Behörden: Unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" gibt Schließung bekannt

Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" stellt nach eigenen Angaben angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit ein. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer am Freitag auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. "Die russischen Behörden, die russischen Geheimdienste haben die Redaktion dazu gezwungen, ihre Arbeit einzustellen."

Merz äußert bei Besuch in Südkorea Hoffnung auf Wiedervereinigung mit dem Norden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei einem Besuch der Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea die Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung Koreas geäußert. Er sei dankbar, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen", sagte Merz am Freitag bei einer Rede an der DMZ laut Redetext. "Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, seine staatliche Einheit zurückzugewinnen", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: