Deutsche Tageszeitung - EU-Abgeordnete fordern Änderungen an bisherigen Plänen zu EU-Impfzertifikat

EU-Abgeordnete fordern Änderungen an bisherigen Plänen zu EU-Impfzertifikat


EU-Abgeordnete fordern Änderungen an bisherigen Plänen zu EU-Impfzertifikat
EU-Abgeordnete fordern Änderungen an bisherigen Plänen zu EU-Impfzertifikat / Foto: ©

Abgeordnete im EU-Parlament haben weitgehende Änderungen an den EU-Plänen für ein einheitliches Impfzertifikat zum Reisen in Europa gefordert. Abgeordnete verschiedener Fraktionen sprachen sich während einer Parlamentsdebatte am Mittwoch unter anderem dafür aus, dass nur von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA geprüfte Impfstoffe für das Zertifikat zulässig sein sollten. Auch sollten die EU-Länder Corona-Tests kostenlos anbieten und Geimpfte bei Grenzübertritten von Test- und Quarantänepflichten befreien.

Textgröße ändern:

Die EU-Kommission hatte auf Wunsch der Mitgliedstaaten die Einführung eines sogenannten grünen Zertifikats in die Wege geleitet. Es soll Aufschluss darüber geben, ob ein Mensch das Coronavirus weiterverbreiten kann oder zumindest wie wahrscheinlich dies ist. Die Entscheidung, welche Beschränkungen dann aufgehoben werden, soll aber den einzelnen EU-Ländern obliegen.

Die Bürger müssten wissen, was sie mit dem Zertifikat tun können, sagte die niederländische Liberale Sophie In’t Veld. "Was bringt denn sonst eine gemeinsame europäische Regelung?" Es müsse den Mitgliedstaaten daher verboten sein, bei Einreise mit dem Pass trotzdem noch Test- und Quarantänepflichten beizubehalten. Die EU-Länder wollen sich dies aber vorbehalten.

Weiterer Streit droht mit Blick auf russische und chinesische Impfstoffe. Grundsätzlich sollen nur Impfungen mit den in der EU zugelassenen Vakzinen in das Impfzertifikat eingetragen werden können. Die Pläne sehen aber vor, dass Mitgliedstaaten auch andere Mittel akzeptieren können. Einige EU-Länder, vor allem Ungarn verimpfen nämlich auch das russische Mittel Sputnik V und Impfstoffe chinesischer Produktion.

"Nur von der EMA autorisierte Impfstoffe sollten akzeptiert werden", forderte In’t Veld. Das sei eine Frage des Vertrauens in das System. Die EMA prüft bislang eine Zulassung von Sputnik V, verwies bislang aber auf fehlende Informationen. Eine EU-Zulassung chinesischer Vakzine stand bislang nicht ernsthaft zur Debatte.

Vor dem Hintergrund, dass das Zertifikat auch negative Testergebnisse enthalten soll, sollten die Mitgliedstaaten nach Ansicht der Abgeordneten kostenlose Corona-Tests anbieten. Nach Parlamentsangaben variieren die Kosten hier stark: In einigen Ländern werden demnach dreistellige Euro-Beträge für einen Abstrich fällig.

"Das Zertifikat ist gratis, die Tests müssen es auch sein", sagte der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für bürgerliche Freiheiten, Juan López Aguilar. EU-Justizkommissar Didier Reynders wandte hingegen ein, dass die Kostenübernahme für medizinische Leistungen in der Kompetenz der Mitgliedstaaten liege und nicht von Brüssel aus vorgeschrieben werden könne.

Das EU-Parlament sollte am Nachmittag zunächst über entsprechende Änderungsanträge an den von der Kommission vorgelegten Plänen abstimmen. Das Abstimmungsergebnis über den finalen Text soll Donnerstagmorgen vorliegen. Anschließend beginnen die Verhandlungen mit dem Rat der Mitgliedstaaten.

Justizkommissar Reynders warnte die Abgeordneten, sich einer Einigung zu widersetzen. "Wenn wir politisch liefern, wird die technische Lösung rechtzeitig fertig sein." Andernfalls drohe ein Flickenteppich in Europa, "mit einer Vielzahl von möglicherweise inkompatiblen nationalen Lösungen". Das Zertifikat soll rechtzeitig zu Beginn der Sommer-Tourismussaison Ende Juni eingeführt werden.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Islamistische Taliban feiern fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme in Afghanistan

Mit Paraden und Blumen haben die radikalislamischen Taliban den fünften Jahrestag ihrer erneuten Machtübernahme in Afghanistan gefeiert - während Kritiker den zunehmenden Verlust von Freiheiten und Rechten unter der Taliban-Herrschaft beklagen. Hunderte männliche Anhänger versammelten sich am Samstag auf einem Platz neben der ehemaligen US-Botschaft in Kabul und schwenkten die weißen Flaggen der Taliban-Regierung. Militärhubschrauber warfen Blumen über einer Parade männlicher Athleten ab - Frauen dürfen in Afghanistan unter den Taliban keinen Sport treiben.

Nach Anschlag am Bondi Beach: Australien kündigt Schusswaffen-Rückkauf an

Acht Monate nach dem antisemitischen Schusswaffenangriff am australischen Bondi Beach hat der Bundesstaat New South Wales ein erstes Rückkaufprogramm für Schusswaffen eingeleitet. Ab November sollen Waffenbesitzer ihre nach neuen Gesetzen verbotenen Pistolen und Gewehre gegen Geld bei den Behörden abgeben können, wie Australiens Regierungschef Anthony Albanese am Samstag ankündigte. Weitere australische Bundesstaaten sollen folgen.

Behörden: Elf Tote bei israelischen Angriffen im Südlibanon

Bei israelischen Angriffen im Süden des Libanon sind nach Behördenangaben mindestens elf Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien drei Kinder, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Es waren die folgenreichsten Angriffe seit der Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen dem Libanon und Israel im Juni. Die israelische Armee bezeichnete die Attacken als Reaktion auf Angriffe der Hisbollah auf israelische Soldaten im Südlibanon.

Bundeswehr unterstützt UN-Einsatz in Krisenstaat Haiti mit Lufttransport

Die Bundeswehr will den UN-Einsatz in der von Armut und Bandengewalt geplagten Karibik-Republik Haiti unterstützen. Die deutschen Streitkräfte würden "kurzfristig" Lufttransportkapazitäten bereitstellen, um bei der Verlegung von Ausrüstung und Material zu helfen, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Samstag in Berlin mit. Mit der Unterstützung zeige sich Deutschland als "zuverlässiger Partner von Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen". Der Transporteinsatz solle "in den nächsten Wochen" erfolgen.

Textgröße ändern: