Deutsche Tageszeitung - Türkisches Verfassungsgericht lässt Verbotsverfahren gegen pro-kurdische HDP zu

Türkisches Verfassungsgericht lässt Verbotsverfahren gegen pro-kurdische HDP zu


Türkisches Verfassungsgericht lässt Verbotsverfahren gegen pro-kurdische HDP zu
Türkisches Verfassungsgericht lässt Verbotsverfahren gegen pro-kurdische HDP zu / Foto: ©

Das türkische Verfassungsgericht hat das Verbotsverfahren gegen die pro-kurdische Oppositionspartei HDP zugelassen. Das Gericht nahm am Montag die überarbeitete Klage der Staatsanwaltschaft an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Demnach lehnte das Gericht aber "zum derzeitigen Zeitpunkt" ab, die Bankkonten der Partei einzufrieren.

Textgröße ändern:

Die linksgerichtete HDP ist die drittgrößte Partei im türkischen Parlament. Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt die Oppositionspartei regelmäßig, der politische Arm der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu sein, die im Südosten des Landes und im Nordirak gegen die türkische Armee kämpft. Die HDP weist die Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwaltschaft hatte im März wegen "terroristischer Aktivitäten" einen Verbotsantrag gegen die HDP beim Verfassungsgericht eingereicht. Dieser musste jedoch nachgebessert werden. Die Staatsanwaltschaft legte Anfang Juni eine Neufassung vor. Sie strebt mit ihrem Verbotsantrag an, dass die HDP aufgelöst wird.

Westliche Länder kritisieren das Vorgehen gegen die Partei als politisch motiviert. Ein Verbot der HDP würde die Demokratie in der Türkei "weiter untergraben", kritisierte das US-Außenministerium im März. Die Europäische Union erklärte, mit einem solchen Schritt würden die Rechte von Millionen Wählern "verletzt".

Bei der Parlamentswahl 2018 hatte die HDP knapp sechs Millionen Stimmen erhalten. Die islamisch-nationalistische Regierung von Erdogan geht seit Jahren hart gegen die Partei vor. Viele ihrer Anhänger und Vertreter sitzen im Gefängnis.

Bei einem Angriff auf ein HDP-Büro war in der vergangenen Woche eine Frau getötet worden. Die HDP warf der Regierungspartei AKP von Präsident Erdogan vor, mit ihrer oft scharfen Rhetorik gegen die HDP zu "diesem brutalen Angriff" angestiftet zu haben.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Hamas-Behörden melden acht Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben der Hamas-Behörden acht Menschen getötet worden, darunter ein Kind. Fünf Menschen starben nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes am Sonntag in Chan Junis, drei weitere Todesopfer gab es demnach in der Stadt Gaza. Das Hamas-Innenministerium erklärte, die israelische Luftwaffe habe in Chan Junis Polizisten angegriffen. Die israelische Armee gab an, sie habe "Terroristen" ins Visier genommen.

Überschattet von Spannungen im Schwarzen Meer: Präsidenten-Stichwahl in Bulgarien

Vor dem Hintergrund mehrerer Drohnenangriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer hat Bulgarien am Sonntag in einer Stichwahl sein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa trat dabei gegen den prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow an. Die Abstimmung galt vor allem als Entscheidung über den künftigen außenpolitischen Kurs Bulgariens - vor allem mit Blick auf den Ukraine-Krieg und das Verhältnis zu Moskau.

Erneut Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - Deutlich weniger Schäden

Am Rande von landesweiten Massenprotesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es in Frankreich das dritte Wochenende in Folge zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden 779 Menschen festgenommen, 116 Sicherheitskräfte wurden verletzt. Landesweit gingen erneut mehrere hunderttausend Menschen auf die Straße.

Hunderte Festnahmen bei Protest gegen Verbot von propalästinensischer Gruppe in London

Bei einer Solidaritätskundgebung für die als Terrororganisation eingestufte Gruppe Palestine Action sind in der britischen Hauptstadt London am Samstag mehr als 300 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien 325 Menschen in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Londoner Polizei am Sonntag. Die Festnahmen erfolgten demnach "wegen der Unterstützung einer verbotenen Organisation nach den Anti-Terror-Gesetzen".

Textgröße ändern: