Deutsche Tageszeitung - "Stabilität und Erneuerung": Unionsparteien stellen gemeinsames Wahlprogramm vor

"Stabilität und Erneuerung": Unionsparteien stellen gemeinsames Wahlprogramm vor


"Stabilität und Erneuerung": Unionsparteien stellen gemeinsames Wahlprogramm vor
"Stabilität und Erneuerung": Unionsparteien stellen gemeinsames Wahlprogramm vor / Foto: ©

Mit einem Programm zur Modernisierung Deutschlands hat die Union ihren Regierungsanspruch über das Ende der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel hinaus untermauert. Die beiden Parteichefs Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) stellten am Montag in Berlin ein gemeinsames Wahlprogramm vor. Kanzlerkandidat Laschet fasste die Kernbotschaft unter dem Bergriff "Sicherheit und Zusammenhalt im Wandel" zusammen. Söder sprach von "Erneuerung und Stabilität".

Textgröße ändern:

In dem Wahlprogramm begründen die Unionsparteien, warum sie nach 16 Jahren an der Regierungsspitze ein weiteres Mandat anstreben. Sie knüpfen dabei an die Linie von Kanzlerin Merkel an, die ihre Partei fest in der politischen Mitte verortet hatte. "CDU und CSU sind die Volksparteien der Mitte", sagte Laschet, der im Herbst Merkels Nachfolge antreten will. "Wir haben alle im Blick."

Laschet versprach einen "Modernisierungsschub" für Deutschland, der dem Land nach den Verwerfungen durch die Corona-Pandemie neue Dynamik geben solle. Dabei sei ihm die "soziale Frage besonders wichtig".

CSU-Chef Söder hob den fortdauernden Gestaltungsanspruch der Union hervor. "Es ist nicht so, dass wir nach 16 Jahren Unionsführung müde oder wund regiert sind", sagte er. "Wir haben die neue Lust an Verantwortung entdeckt." An Laschet gerichtet sagte er: "Wir werden das rocken."

Die Vorstände der Schwesterparteien billigten das 139-seitige Programm einstimmig in einer gemeinsamen Sitzung. Kernpunkte sind der Erhalt des Industriestandorts Deutschland bei gleichzeitiger Stärkung des Klimaschutzes, eine Sicherung des Rentensystems etwa durch Einführung einer vierten Säule in der Alterssicherung sowie ein Nein zu Steuererhöhungen.

Den Soli will die Union ganz abschaffen, kleinere und mittlere Einkommen sollen steuerlich entlastet werden. Zugleich will die Union die Schuldenbremse beibehalten und zu Haushalten ohne Neuverschuldung zurückkehren. Dies alles sei "umsetzbar, machbar - und zwar relativ schnell", sagte Söder.

Konkrete Vorschläge zur Finanzierung der Vorhaben enthält das Programm allerdings nicht. CDU und CSU setzen darauf, dass eine anziehende Konjunktur mehr Geld in die staatlichen Kassen spült. Auf Nachfrage wollten sich weder Laschet noch Söder dazu äußern, auf welchen Betrag sich die zusätzlichen Ausgaben summieren könnten.

Mit ihrem gemeinsamen Wahlprogramm wollen CDU und CSU gezielt den Grünen im Bereich der Klimapolitik die Kompetenz streitig machen. "Wir wollen beim Klimaschutz so ambitioniert sein wie kaum ein anderes Land der Welt", sagte Söder. Die Union wolle zeigen: "Man kann auch grüne Politik machen ohne die Grünen."

Söder thematisierte bei dem Auftritt mit Laschet auch den Streit um die Kanzlerkandidatur. In diesem Streit habe es auch "Enttäuschungen" gegeben, aber es sein "kein Groll" geblieben, sagte Söder. "Alles ist verarbeitet, alles ist ausgeräumt und miteinander gut ausgesprochen." Laschet werde auch in Bayern im Wahlkampf "ausgiebigst plakatiert".

Kritik an dem Programm kam von den anderen Parteien. Die SPD-Spitze kritisierte das Programm als "herbe Enttäuschung". Die Umsetzung würde nur "die Reichen reicher machen", sagte Parteichefin Saskia Esken.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bezeichnete das Programm als "unmutig" und beklagte einen Mangel an Konzepten für den Klimaschutz und den Zusammenhalt der Gesellschaft. FDP-Generalsekretär Volker Wissing twitterte, Laschet fordere nun ein "Modernisierungsjahrzehnt" nach einem "Stillstandsjahrzehnt" unter CDU-geführten Regierungen.

Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte sprach von einem "Abstiegsprogramm", das die soziale Schieflage im Land nicht behebe: Das von der Union anvisierte Ziel der schwarzen Null sei nur mit "hartem Sparkurs und Sozialabbau" zu erreichen.

Die AfD attestierte der Union, in dem Programm Positionen der AfD aufgegriffen zu haben. Als Beispiele nannte Parteichef Jörg Meuthen das Konzept einer "Generationenrente", die Abschaffung des Soli und eine "wirksam gesteuerte Migration".

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Ukraine-Koalition berät am Montag - Teilnehmer treffen sich in Kiew

Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen werden am Montag über die weitere Unterstützung für die Ukraine beraten. Wie der Élysée-Palast in Paris am Freitag mitteilte, wird das Treffen im "hybriden Format" stattfinden - also mit einigen Teilnehmern vor Ort und anderen per Video zugeschaltet. Ein EU-Vertreter erklärte, rund zehn Teilnehmer würden für das Treffen nach Kiew reisen, unter ihnen EU-Ratspräsident António Costa.

"Wirtschaftskrieg" gegen Teheran: China lehnt "illegale einseitige Sanktionen" ab

Als einer der wichtigsten Handelspartner des Iran hat China den von den USA angekündigten "Wirtschaftskrieg" gegen Teheran als unangemessen zurückgewiesen. "Sanktionen und Druck werden nicht dazu beitragen, das Problem zu lösen", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, am Freitag in Peking. Derweil sagte der iranische Präsident Massud Peseschkian, er sehe sein Land derzeit in einer "Position der Stärke".

Merz besucht Hürtgenwald

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will am Samstag die Gemeinde Hürtgenwald besuchen, in der ein großer und folgenschwerer Waldbrand in den letzten Tagen die Feuerwehr in Atem hielt. Merz wolle sich bei den Einsatzkräften bedanken, die den Brand bekämpft haben, teilte ein Regierungssprecher am Freitag mit. Er werde sich mit den Helferinnen und Helfern austauschen und sich über den Einsatzverlauf sowie die Lage vor Ort informieren.

IStGH-Präsidentin warnt nach US-Sanktionen vor "Niedergang des Völkerrechts"

Die vor drei Tagen mit US-Sanktionen belegte Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat vor einem "Niedergang des Völkerrechts" gewarnt. Sie habe erwartet, dass es dieses Mal sie selbst treffen würde, teilte Tomoko Akane am Freitag in einer Erklärung im Onlinedienst X mit, die von ihrem Verlag Bungei Shunju veröffentlicht wurde. Sie sei deshalb nicht überrascht. "Das Wichtigste ist, nicht zuzulassen, dass dies der Beginn des Niedergangs des Völkerrechts ist", schrieb Akane.

Textgröße ändern: