Deutsche Tageszeitung - Geschlagen, beleidigt, bedroht: Polizisten schildern Erstürmung des US-Kapitols

Geschlagen, beleidigt, bedroht: Polizisten schildern Erstürmung des US-Kapitols


Geschlagen, beleidigt, bedroht: Polizisten schildern Erstürmung des US-Kapitols
Geschlagen, beleidigt, bedroht: Polizisten schildern Erstürmung des US-Kapitols / Foto: ©

"Kämpfe Mann gegen Mann" und "mittelalterliche Schlacht": Mit schockierenden Schilderungen und teils unter Tränen haben US-Polizisten in der ersten Sitzung des Untersuchungsausschusses des Repräsentantenhauses zur Erstürmung des Kapitols das Ausmaß der Gewalt am 6. Januar geschildert. Zu Beginn der Anhörungen am Dienstag wurden zudem haarsträubende Videos der Angriffe von Unterstützern Donald Trumps auf Mitglieder der Kapitol-Polizei gezeigt.

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Die Erstürmung des Kapitols habe "etwas von einer mittelalterlichen Schlacht" gehabt, sagte der Polizist Aquilino Gonell. "Wir haben Mann gegen Mann gekämpft, Zentimeter um Zentimeter, um eine Invasion des Kapitols zu verhindern". Unter Tränen fügte er hinzu, er habe damals gedacht: "So werde ich sterben, bei der Verteidigung dieses Eingangs". Gonell wurde während der mehrstündigen Erstürmung des Kapitols von bewaffneten Angreifern verprügelt und verletzt.

Er und seine Kollegen seien "geschlagen, getreten, geschubst, mit chemischen Reizstoffen besprüht und mit einem augenschädlichen Laser geblendet worden von einem gewalttätigen Mob, der in uns offenbar ein Hindernis bei seinem versuchten Aufstand gesehen hat", beschrieb Gonell den fassungslosen Ausschussmitgliedern seine persönlichen Erlebnisse am 6. Januar. "Ich hätte an dem Tag sterben können, nicht einmal, sondern viele Male."

Ein Polizist erzählte, er sei bei der Verteidigung der Kongressabgeordneten und des Kapitols "durch die Hölle gegangen und zurück".

Der schwarze Kapitol-Polizist Harry Dunn schilderte, wie er und andere afroamerikanische Kollegen von den Eindringlingen rassistisch beleidigt wurden. Viele der Angreifer gehörten mutmaßlich ultrarechten Gruppen an. Die Randalierer hätten "Waffen aller Art" gegen die Polizisten eingesetzt, darunter "Fahnenstangen, herausgerissene Fahrradständer und unterschiedliche Arten von Wurfgeschossen".

Der Polizist Michael Fanone berichtete, er sei von den Randalierern als "Verräter" beschimpft worden. Sie hätten ihn geschlagen und mit einem Taser bewusstlos gemacht sowie ihm gedroht, ihn mit seiner eigenen Dienstwaffe zu erschießen. Fanone erlitt an dem Tag einen Herzanfall und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Der demokratische Ausschussvorsitzende Bennie Thompson sagte in seiner einleitenden Rede, damals seien Menschen "in diese Stadt eingefallen mit klaren Plänen, unsere Demokratie zum Erliegen zu bringen". Es gebe "Beweise für einen koordinierten, geplanten Angriff". Zugleich sicherte er zu, der Ausschuss werde sich "ausschließlich an den Fakten orientieren". "In dieser Untersuchung ist kein Platz für politische Ansichten oder Parteilichkeit", sagte Thompson.

Der Angriff auf das Parlament am 6. Januar gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie. Angefeuert vom damaligen Präsidenten Trump hatten dessen radikale Anhänger den Sitz des Kongresses angegriffen, als dort der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November ratifiziert werden sollte.

Im Zuge der Gewalt kamen fünf Menschen zu Tode, darunter ein Polizist. Dutzende Polizisten wurden verletzt. Zwei an der Verteidigung des Kapitols beteiligte Polizisten nahmen sich wenig später das Leben.

Die Regierungspartei wollte daraufhin eine unabhängige und parteiübergreifende Untersuchungskommission einrichten, um die genauen Hintergründe des Angriffs aufzudecken. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Republikaner im Senat. Daher setzten die Demokraten einen Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses ein, in dem sie eine klare Mehrheit haben.

Die republikanische Abgeordnete Liz Cheney, eine der wenigen Trump-Kritikerinnen in ihrer Partei, warnte andere Republikaner am Dienstag vor einer "Schönfärberei" oder "Verschleierung" der Wahrheit über den Angriff. Wenn der Kongress nicht verantwortungsvoll handele und für Aufklärung sorge, "wird dies ein Krebsgeschwür in unserer konstitutionellen Republik" bleiben. Es drohe "mehr Gewalt in den kommenden Monaten und ein weiterer 6. Januar alle vier Jahre", warnte sie. Cheney und Adam Kinzinger sind die einzigen republikanischen Abgeordneten in dem Untersuchungsausschuss.

(I.Beryonev--DTZ)

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