Deutsche Tageszeitung - EGMR fordert Änderung von türkischem Gesetz zum Schutz des Ansehens des Präsidenten

EGMR fordert Änderung von türkischem Gesetz zum Schutz des Ansehens des Präsidenten


EGMR fordert Änderung von türkischem Gesetz zum Schutz des Ansehens des Präsidenten
EGMR fordert Änderung von türkischem Gesetz zum Schutz des Ansehens des Präsidenten / Foto: ©

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat das türkische Gesetz verworfen, das die Beschädigung des Ansehens des Staatsoberhaupts unter Strafe stellt. Das Gericht forderte Ankara am Dienstag auf, das umstrittene Gesetz zu ändern, und sprach einem Mann Schadenersatz zu, der wegen als respektlos bewerteter Facebook-Beiträge über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan inhaftiert worden war.

Textgröße ändern:

Der Fall war von dem Betroffenen Vedat Sorli vor den EGMR gebracht worden. Er war 2017 zu fast einem Jahr Haft verurteilt worden, weil er Erdogan nach Ansicht der türkischen Justiz mit zwei Satire-Beiträgen zur Rolle der Türkei in Syrien "beleidigt" hatte.

Ein erster Beitrag Sorlis im Online-Netzwerk Facebook zeigte eine Fotomontage des mit einem Kleid bekleideten türkischen Präsidenten, der den damaligen US-Präsidenten Barack Obama küsst. Zwei Jahre später veröffentlichte Sorli erneut Bilder von Erdogan, neben denen stand: "Mögen deine Präsidentschaft, deine Macht und deine Ambitionen in den Tiefen der Erde begraben werden."

Sorli wurde zwei Monate lang in Untersuchungshaft gehalten, die anschließende Haftstrafe wurde jedoch ausgesetzt.

Der EGMR urteilte, dass die Verurteilung des Mannes eine "abschreckende Wirkung" auf andere Menschen habe, die Kritik äußern wollten. Die verhängte Strafe verletze Sorlis Recht auf freie Meinungsäußerung. Das türkische Gesetz verstoße überdies gegen den Geist der Europäischen Menschenrechtskonvention, die Ankara 1954 ratifiziert hat.

"Das Interesse eines Staates, den Ruf seines Staatsoberhauptes zu schützen, kann nicht als Rechtfertigung dafür dienen, dem Staatsoberhaupt einen privilegierten Status oder einen besonderen Schutz einzuräumen in Bezug auf das Recht, Informationen und Meinungen über ihn zu verbreiten", befand der EGMR. Der Gerichtshof wies Ankara an, umgerechnet 7500 Euro Schadenersatz an Sorli zu zahlen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Grönlands Parlament stimmt US-Sicherheitsabkommen zu

Grönlands Parlament hat am Dienstag ein wichtiges Sicherheitsabkommen mit den Vereinigten Staaten und Dänemark verabschiedet. Mit 16 Ja-Stimmen gegen keine Nein-Stimmen markiert dies einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der regionalen Sicherheit auf der arktischen Insel.

Demokraten gewinnen in Texas Senatssitz und Gouverneursamt

Die blaue Welle, die in der vergangenen Wahlnacht bei den Midterms durch die Vereinigten Staaten zog, hat ebenfalls in Texas nicht haltgemacht. Mit James Talarico haben die Demokraten zum ersten Mal seit 1988 wieder eine Senatswahl in dem christlich-konservativen Bundesstaat gewonnen.

Mattella zur Nationalen Einheit: Appell an gemeinsame europäische Verteidigung

Im Rahmen des Tages der Nationalen Einheit und der Streitkräfte hat der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella in einem Grußwort an das Verteidigungsministerium die Bedeutung historischer Einheit und demokratischer Freiheit betont. Zugleich warnte er vor neuen Sicherheitsrisiken und forderte eine stärkere europäische Verteidigungskompetenz.

Demokraten erobern bei US-Zwischenwahlen beide Kongresskammern

Die US-Amerikaner*innen haben Präsident Donald Trump und der von ihm dominierten Republikanischen Partei in den Zwischenwahlen eine derartige Klatsche verpasst, dass selbst die sonst so wortgewaltigen US-TV-Kommentatoren kaum Worte dafür fanden. Die Demokraten haben den Republikanern weitaus mehr Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat abgenommen, als nötig gewesen wäre, um die Kontrolle über beide Kongresskammern zu übernehmen.

Textgröße ändern: