Deutsche Tageszeitung - Bosnische Serben wollen aus Institutionen der Zentralregierung austreten

Bosnische Serben wollen aus Institutionen der Zentralregierung austreten


Bosnische Serben wollen aus Institutionen der Zentralregierung austreten
Bosnische Serben wollen aus Institutionen der Zentralregierung austreten / Foto: ©

Die bosnischen Serben wollen am Freitag den Rückzug aus einer Reihe von Institutionen beschließen, in denen sie mit der bosnischen Zentralregierung verknüpft sind. Der Führer der bosnischen Serben, Milorad Dodik, hatte damit wiederholt gedroht, will den Schritt aber nunmehr offenbar tatsächlich umsetzen. Der nach dem Bosnien-Krieg zunächst schwache Staat Republika Srpska (RS) hatte im Laufe der Jahre Institutionen wie die Armee, die Justiz, die Steuerverwaltung und die Geheimdienste gestärkt.

Textgröße ändern:

Der 62-jährige Dodik war einst ein Protégé der westlichen Staaten. Inzwischen hat er sich zu einem Nationalisten gewandelt, der von Russland unterstützt wird. Dodik vertritt die Ansicht, dass die Zentral-Regierung der RS in 140 Bereichen Vollmachten an sich gezogen hat. Das Parlament wollte am Freitag darüber entscheiden, ob dies rückgängig gemacht werden soll.

Die Reformen der vergangenen Jahre erfolgten laut Dodik auf Wunsch der bosnischen Muslime. Er sagte, wenn dagegen nun kein "politischer Reflex" aufkomme, hätten die Serben "in zwei Jahren nichts mehr zu verteidigen". Durch das in Dayton in den USA geschlossene Abkommen von 1995 wurde der Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet, in dem 100.000 Menschen getötet wurden. Damals wurde die Aufteilung Bosniens in eine kroatisch-muslimische Föderation und die RS beschlossen, die jeweils rund die Hälfte des Staatsgebietes erhielten.

Dodiks Partei wollte nach Angaben eines Sprechers am Freitag einen Prozess einleiten, nach dem die Zentralregierung "innerhalb von sechs Monaten" die Kompetenzen an die RS zurückübertragen soll, die in den vergangenen Jahren der Zentralregierung überlassen wurden.

Nachdem Dodik im September die Bildung einer eigenen Armee der RS ankündigte, entsandte die US-Regierung mehrere Diplomaten nach Bosnien, um den Rückhalt Washingtons für eine staatliche Einheit des Landes und seiner Institutionen zu bekräftigen.

Dodik bekräftigte jedoch am Donnerstagabend, dass die Entscheidung feststehe und dass die dafür anberaumte Parlamentssitzung "historisch" sei. Er traf in der vergangenen Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen, der Dodiks Pläne unterstützt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Linnemann weist Zweifel an Eignung als Gesundheitsminister zurück

Der designierte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat Zweifel an seiner Eignung für das Amt zurückgewiesen. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte Linnemann am Samstag zudem, warum er sich vor einem Jahr noch öffentlich gegen das Gesundheitsminister-Amt ausgesprochen hatte. "Wenn die Uhr auf die Zeit kurz nach der Bundestagswahl zurückgedreht würde, würde ich wieder so antworten", sagte Linnemann der "Bild". "Die Ausgangslage war damals eine andere."

Indischer Bildungsminister tritt nach anhaltenden Protesten zurück

Nach anhaltenden Protesten der sogenannten Kakerlaken-Bewegung (CJP) gegen Missstände im indischen Bildungssystem hat Bildungsminister Dharmendra Pradhan seinen Rücktritt angekündigt. Er habe sein Rücktrittsschreiben an Premierminister Narendra Modi gesandt, teilte er am Samstag im Onlinedienst X mit. Damit kommt er einer Forderung der CJP nach.

Trump spottet bei Presse-Gala über Medien und kokettiert mit dritter Amtszeit

US-Präsident Donald Trump hat bei der nach einem Schusswaffenvorfall im April nachgeholten Gala der Hauptstadtpresse in Washington über die Medien gespottet und erneut mit einer weiteren Amtszeit kokettiert. In seiner rund einstündigen Rede wechselte der Republikaner am Freitagabend zwischen Scherzen, Kritik an Journalisten und versöhnlicheren Tönen.

Ex-Minister Altmaier "betroffen und wütend" über Merz' Umgang mit Schnieder

Der frühere CDU-Bundesminister Peter Altmaier hat den Umgang von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) scharf kritisiert. "Der Umgang mit ihm macht mich betroffen und wütend und wird weder seiner Person noch seiner Leistung gerecht", schrieb Altmaier am Samstag im Onlinedienst X. Er kenne und schätze Schnieder seit anderthalb Jahrzehnten, fügte Altmaier hinzu. "Er ist ein erfahrener Fachmann, harter Arbeiter und großartiger Mensch und Freund."

Textgröße ändern: