Deutsche Tageszeitung - Zahl der Corona-Neuinfektionen übersteigt erstmals Schwelle von 100.000

Zahl der Corona-Neuinfektionen übersteigt erstmals Schwelle von 100.000


Zahl der Corona-Neuinfektionen übersteigt erstmals Schwelle von 100.000
Zahl der Corona-Neuinfektionen übersteigt erstmals Schwelle von 100.000 / Foto: ©

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat erstmals die Marke von 100.000 am Tag überstiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) nannte für die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden am Mittwochmorgen den neuen Rekordstand von 112.323. Unterdessen ging die kontroverse Debatte über eine allgemeine Impfpflicht weiter.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg den RKI-Angaben zufolge bundesweit auf 584,4 - ebenfalls ein neuer Rekord. Am Dienstag hatte der Wert noch bei 553,2 gelegen. Zudem wurden innerhalb eines Tages 239 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gezählt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warb erneut für die Impfpflicht und drängte dafür auf einen raschen Beschluss des Bundestages. Er äußerte im Sender RTL die Vermutung, dass die RKI-Zahlen das tatsächliche Ausmaß des Infektionsgeschehens in Deutschland unterschätzen. Mit dem Höhepunkt der aktuellen Infektionswelle rechne er "Mitte Februar", sagte Lauterbach weiter.

Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, sagte auch ein Sprecher des Gesundheitsressorts in Berlin. Er äußerte die Erwartung, dass auch die Zahl der coronabedingten Krankenhauseinweisungen und die Aufnahmen in die Intensivstationen wieder steigen werde. Der Virologe Hendrik Streeck forderte in der Wochenzeitung "Zeit" angesichts der Überlastung der Labore eine Beschränkung von PCR-Tests auf Menschen mit Krankheitssymptomen.

"Es führt kein Weg mehr an einer Impfpflicht vorbei", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) der "Zeit". Sonst werde immer wieder neu die Gefahr bestehen, "dass die Krankenhäuser überlastet werden".

Für Debatten sorgte eine Äußerung des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, die Medizinerinnen und Mediziner würden einen Gesetzesbeschluss zur allgemeinen Impfpflicht in ihren Praxen nicht umsetzen. "Wir werden unseren Ärzten nicht zumuten, eine Impfpflicht gegen den Willen der Patienten zu exekutieren", sagte Gassen der "Bild"-Zeitung. Im Sender ntv stellte Gassen später klar, er habe nur ausdrücken wollen, dass die Durchsetzung einer Impfpflicht Aufgabe des Staates sei.

"Die Äußerungen von Herrn Gassen sind zumindest unverständlich", sagte dazu gleichwohl der Sprecher des Gesundheitsministeriums. "Von Zwangsimpfungen in Praxen habe ich noch nichts gehört."

"Die Aussage war missverständlich und daher nicht hilfreich", , warf auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Montgomery, Gassen vor. "Das erweckt den Eindruck, die Ärzte seien gegen das Impfen."

Der Vorsitzende des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, äußerte im Portal t-online.de Zweifel, ob Gassen für eine Mehrheit der Ärzteschaft spreche. Er betonte, dass sich der Vorstand des Virchowbundes einstimmig für die allgemeine Impfpflicht ausgesprochen habe. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte verwies auf ein klares Votum seiner Delegiertenversammlung für die Impfpflicht.

Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sprach sich allerdings dafür aus, die Notwendigkeit einer Impfpflicht zu überprüfen. Er verwies auf die scheinbar weniger schweren Krankheitsverläufe bei einer Infektion mit der Omikron-Variante. "Wenn Corona tatsächlich nur noch als eine Grippe angesehen wird, dann muss das Virus auch so behandelt werden", sagte er dem "Handelsblatt". Noch gebe es hierzu jedoch offene Fragen, auch zur Gefahr neuer Varianten, warnte Gaß.

Der Bundestag will sich kommenden Mittwoch in einer sogenannten Orientierungsdebatte erstmals mit der allgemeinen Impfpflicht befassen.

(I.Beryonev--DTZ)

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