Deutsche Tageszeitung - Russland zieht seine Truppen von symbolträchtiger Schlangeninsel ab

Russland zieht seine Truppen von symbolträchtiger Schlangeninsel ab


Russland zieht seine Truppen von symbolträchtiger Schlangeninsel ab
Russland zieht seine Truppen von symbolträchtiger Schlangeninsel ab / Foto: © AFP

Während Russland von einer "Geste des guten Willens" spricht, geht die Ukraine von einem wichtigen militärischen Sieg für ihre Truppen aus: Nach gut vier Monaten hat die russische Armee am Donnerstag ihren Rückzug von der ukrainischen Schlangeninsel im Schwarzen Meer bekannt gegeben. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach derweil unter anderem mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse beim Nato-Gipfel von einem neuen "Eisernen Vorhang" zwischen Russland und dem Westen.

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Der ukrainische Armeechef Walerij Saluschny lobte die eigenen Truppen im Onlinedienst Telegram für die Rückeroberung eines "strategisch wichtigen Teils unseres Territoriums". Die russischen Soldaten hätten die Schlangeninsel verlassen, "da sie dem Feuer unserer Artillerie, Raketen und Luftangriffe nicht standhalten konnten".

Die Schlangeninsel gilt seit Beginn des russischen Angriffskriegs als Symbol des ukrainischen Widerstands. Die Besatzung des später gesunkenen russischen Kriegsschiffes "Moskwa" hatte die auf der Insel stationierten ukrainischen Grenzschützer am ersten Tag der Invasion aufgefordert, sich zu ergeben.

"F...k dich, russisches Kriegsschiff!", antwortete darauf ein Grenzschützer über Funk. Kurze Zeit später nahm die russische Armee die Insel ein. Die ukrainischen Soldaten wurden gefangen genommen und kamen später im Zuge eines Gefangenenaustausches frei.

Die Insel gilt als ein strategisch wichtiger Posten zur Überwachung der Seewege im nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres. Russland hatte versucht, auf der Insel Raketen- und Luftabwehrsysteme zu installieren.

Die ukrainische Armee attackierte die dort stationierten russischen Einheiten jedoch regelmäßig mit Drohnen. Zudem kann die Ukraine dank westlicher Waffenlieferungen inzwischen auch Raketen mit größerer Reichweite einsetzen, so dass die russischen Stellungen auf der Insel offenbar nicht mehr zu halten waren.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Soldaten hätten ihre Mission erfüllt und seien nun abgezogen worden, um der Ukraine den Export von Getreide auf dem Seeweg zu ermöglichen. Die Ukraine zählt zu den wichtigsten Getreideproduzenten der Welt. Die Exporte sind wegen des russischen Angriffskriegs aber zum Erliegen gekommen.

Aus dem von Russland besetzten ukrainischen Hafen von Berdjansk lief am Donnerstag ein Schiff mit 7000 Tonnen Getreide an Bord aus. Der Hafen sei zuvor von Seeminen befreit worden, erklärte der Chef der pro-russischen Verwaltung, Ewgeni Balitski. Die Getreidelieferung sei auf dem Weg "in befreundete Staaten".

Russland setzte derweil die Bombardierung ukrainischer Städte fort. Bei einem Raketenangriff auf Mykolajiw im Süden des Landes wurden nach Angaben Kiews sieben Menschen getötet. Der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, berichtete von massiven russischen Angriffen auf die Stadt Lyssytschansk im Donbass.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass Russland derzeit mehr als 6000 ukrainische Soldaten als Kriegsgefangene festhalte. Die Zahl ließ sich zunächst von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Der Ukraine-Krieg dominierte auch den Nato-Gipfel in Madrid. Bundeskanzler Scholz wies am Donnerstag den Vorwurf des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück, die Nato habe "imperiale Ambitionen". Das sei "ziemlich lächerlich", sagte Scholz zum Abschluss des Treffens. "Tatsächlich ist es Putin, der Imperialismus zum Ziel seiner Politik gemacht hat." Putin hatte am Mittwoch in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabad gesagt, das Militärbündnis versuche durch den Ukraine-Konflikt seine "Vormachtstellung" zu behaupten.

US-Präsident Joe Biden kündigte zum Abschluss des Gipfels weitere US-Militärhilfen im Umfang von "mehr als 800 Millionen Dollar" für die Ukraine an. Washington werde Kiew im Krieg gegen Russland "so lange wie nötig" unterstützen, versicherte er.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach am Donnerstag von einem neuen "Eisernen Vorhang" zwischen Russland und dem Westen. "Was den Eisernen Vorhang angeht - er senkt sich bereits", sagte er. Westliche Politiker sollten aufpassen, "dass sie sich nicht die Finger darin einklemmen".

(L.Barsayjeva--DTZ)

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