Deutsche Tageszeitung - Harvard darf vorerst weiter Ausländer aufnehmen - Kritik an Trump bei Abschlussfeier

Harvard darf vorerst weiter Ausländer aufnehmen - Kritik an Trump bei Abschlussfeier


Harvard darf vorerst weiter Ausländer aufnehmen - Kritik an Trump bei Abschlussfeier
Harvard darf vorerst weiter Ausländer aufnehmen - Kritik an Trump bei Abschlussfeier / Foto: © AFP

Im Streit mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump hat die Eliteuniversität Harvard einen Punktsieg errungen. Eine US-Bundesrichterin in Boston im Bundesstaat Massachusetts bestätigte am Donnerstag, dass Harvard vorerst weiter ausländische Studenten aufnehmen darf. Bei der diesjährigen Abschlussfeier in Harvard wurde scharfe Kritik an Trump laut.

Textgröße ändern:

Die Trump-Regierung hatte es Harvard vergangene Woche untersagt, internationale Studentinnen und Studenten aufzunehmen, die 27 Prozent aller Studierenden an der Hochschule ausmachen. Bundesrichterin Allison Burroughs hatte dieses Verbot kurz danach vorläufig gekippt. Nun kam sie nach der Anhörung von Harvard-Anwälten und Rechtsvertretern der Regierung zu demselben Schluss.

Dies gewähre internationalen Studenten vorläufig Schutz, sagte die von Präsident Barack Obama eingesetzte Richterin. Sie kommen vor allem aus Asien, derzeit sind aber auch 549 Deutsche in Harvard eingeschrieben. Eine endgültige Entscheidung in dem Fall steht noch aus.

Inmitten des Konflikts mit Trump feierte Harvard seine diesjährigen Absolventen. Harvard-Präsident Alan Garber verwies bei der Abschlusszeremonie in Cambridge westlich von Boston auf die zahlreichen ausländischen Graduierten. Dies sei "wie es sein sollte", sagte Garber unter dem Jubel hunderter Absolventen, die rot-schwarze Roben und schwarze Hüte trugen.

Als Abschlussredner hatte Garber den Medizinprofessor Abraham Verghese von der Stanford-Universität in Kalifornien eingeladen. Der in Äthiopien geborene Arzt sagte unter großem Beifall der Absolventen: "Ein Teil dessen, was 'Amerika großartig macht' - wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf - ist, dass es einem Einwanderer wie mir ermöglicht, hier aufzublühen."

Derzeit machten sich aber viele internationale Studenten Sorgen, sie könnten "fälschlicherweise inhaftiert und sogar abgeschoben werden", kritisierte Verghese. Er verwies auf den Militärputsch in seiner Heimat Äthiopien 1974, nach dem die Junta die Schließung seiner Universität angeordnet hatte. "Es ist fast schon ein Reflex sogenannter starker Männer, Orte anzugreifen, an denen Wahrheit und Vernunft herrschen", sagte er unter Anspielung auf Trump.

Der Präsident geht seit Wochen gegen die Eliteuniversität vor, die er eine "antisemitische, linksextreme Institution" nennt. Er begründet dies unter anderem mit pro-palästinensischen Demonstrationen auf dem Campus seit Beginn des Gaza-Krieges am 7. Oktober 2023.

Die US-Regierung hat deshalb Bundeszuschüsse in Milliardenhöhe für Harvard gestrichen - und plant nach eigenen Angaben die Kürzung aller verbleibenden Bundesmittel. Harvard hatte sich Mitte April geweigert, Diversitätsprogramme wie von der Regierung gefordert abzuschaffen und seine Studentinnen und Studenten zu durchleuchten. Präsident Garber räumte aber einzelne antisemitische Vorfälle ein.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

VGH Hessen: Kein Abschiebeverbot für Afghanen trotz schwieriger Verhältnisse

Ein junger Mann darf einer Gerichtsentscheidung aus Hessen zufolge trotz der schwierigen Verhältnisse in seinem Heimatland nach Afghanistan abgeschoben werden. In einem Fall von grundsätzlicher Bedeutung entschied der hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel am Dienstag, dass der innerstaatliche Konflikt in Afghanistan mit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban 2021 beendet sei. Es handle sich bei dem Kläger zudem um einen jungen erwerbsfähigen Mann, der vor Ort familiäre Strukturen habe. (Az. 12 A 869/26.A)

Kurz vor Fristende: EU streitet über Aufhebung von Sanktionen gegen russische Oligarchen

Wenige Stunden vor Ablauf einer Frist für die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland ringen die EU-Länder weiter um ein Ergebnis. Im Streit um die Streichung zweier russischer Oligarchen von der Sanktionsliste zeichnete sich am Dienstag EU-Diplomaten zufolge zunächst keine Einigung ab. Während die Gespräche zwischen den EU-Botschaftern in Brüssel am Nachmittag fortgesetzt werden sollten, forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine "rechtzeitige und bedingungslose Verlängerung der individuellen Sanktionen".

G7-Staaten fordern Ende der Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und die Schifffahrt

Angesichts des sich zuspitzenden Konflikts haben die G7-Staaten von der pro-iranischen Huthi-Miliz im Jemen ein Ende der Angriffe auf Saudi-Arabien und die internationale Schifffahrt gefordert. Alle Militäraktionen müssten eingestellt werden, erklärten Deutschland und seine Partner am Dienstag. Indes warfen die Huthis Riad neue Angriffe im Jemen vor, darunter eine tödliche Attacke auf ein Gefängnis im Nordwesten des Landes.

Wadephul vor UN-Generaldebatte: Vereinte Nationen müssen "effizienter werden"

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat kurz vor Beginn der UN-Generaldebatte in New York die Notwendigkeit einer Reform der Vereinten Nationen bekräftigt. "Ohne Zweifel müssen die Vereinten Nationen effizienter werden", sagte Wadephul am Mittwoch in New York vor Journalisten. "Wir brauchen eine funktionierende UN, die die großen globalen Fragen adressiert, die eine Rolle bei der Lösung von Konflikten spielt und diese nicht vor allem verwaltet", betonte der Minister.

Textgröße ändern: