Deutsche Tageszeitung - Gazastreifen: Hilfsorganisationen fordern Aus für umstrittene Stiftung GHF

Gazastreifen: Hilfsorganisationen fordern Aus für umstrittene Stiftung GHF


Gazastreifen: Hilfsorganisationen fordern Aus für umstrittene Stiftung GHF
Gazastreifen: Hilfsorganisationen fordern Aus für umstrittene Stiftung GHF / Foto: © AFP

Nach mehreren tödlichen Vorfällen in der Nähe von Verteilzentren im Gazastreifen haben Hilfsorganisationen die von den USA unterstützte Privatstiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) scharf kritisiert. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderte am Freitag das Ende der umstrittenen Hilfsmaßnahmen im Gazastreifen. Es handele sich um ein "als humanitäre Hilfe getarntes Gemetzel", erklärte die Organisation. Bislang seien dabei "mehr als 500 Menschen getötet und fast 4000 verletzt" worden.

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Die GHF "erniedrigt die Palästinenser absichtlich und zwingt sie, zwischen Hunger und dem Risiko, ihr Leben für ein Minimum an Versorgung zu riskieren, zu wählen", hieß es in einer Mitteilung von MSF. Die Organisation forderte die "sofortige Abschaffung" des Programms.

Israel hatte Anfang März eine Blockade für Hilfsgüter für den Gazastreifen verhängt. Erst Ende Mai wurde die Blockade teilweise wieder aufgehoben. Die von den USA und Israel unterstützte Hilfsorganisation GHF nahm daraufhin ihre Arbeit im Gazastreifen auf und eröffnete vier Verteilzentren im Süden und im Zentrum des Palästinensergebiets. Die USA beschlossen am Donnerstag die erste direkte finanzielle Unterstützung für die GHF in Höhe von 30 Millionen Dollar (25,6 Millionen Euro).

Die UNO und große Hilfsorganisationen verweigern die Kooperation mit der Stiftung, der sie vorwerfen, sich nach den Plänen der israelischen Armee auszurichten. An den Verteilzentren der Stiftung kommt es zudem immer wieder zu Chaos und Gewalt.

Seit Ende Mai wurden nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas geführten Gesundheitsministeriums mehr als 500 Menschen in der Nähe von Hilfszentren getötet. Die GHF bestreitet, dass es tödliche Vorfälle in der direkten Umgebung ihrer Hilfszentren gegeben hat.

Am Freitag wurden nach Angaben des Hamas-Zivilschutzes mindestens 62 Menschen bei israelischen Angriffen im Gazastreifen getötet, zehn von ihnen in der Nähe von Hilfszentren. Der Zivilschutz-Sprecher Mahmud Bassal sagte, in der Nähe einer GHF-Verteilstelle im Süden des Palästinensergebiets seien sechs Menschen getötet worden. Drei weitere Menschen seien beim Warten auf Hilfsgüter südwestlich der Stadt Gaza getötet worden. Einen weiteren Toten habe es im Zentrum des Gazastreifens gegeben.

Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, sie gehe den Berichten nach. An dem Ort im Zentrum des Gazastreifens seien am Freitag aber "überhaupt keine" Schüsse gefallen.

Auch die Hilfsorganisation Save the Children Deutschland kritisierte die GHF. "Niemand sollte auf der Suche nach Essen getötet werden. Das ist keine humanitäre Hilfe – das ist unmenschlich", erklärte der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, Florian Westphal. "Es gibt ein etabliertes humanitäres System, das funktioniert. Erfahrene Organisationen müssen unverzüglich wieder sichere und effektive Hilfe leisten können", fügte Westphal hinzu.

Israel steht wegen der verheerenden humanitären Lage in dem Palästinensergebiet international unter Druck. Die UNO warnt vor einer Hungersnot im gesamten Gazastreifen.

(O.Tatarinov--DTZ)

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