Deutsche Tageszeitung - Miersch: Weidels Rede im Bundestag ist Beweis für Verfassungsfeindlichkeit der AfD

Miersch: Weidels Rede im Bundestag ist Beweis für Verfassungsfeindlichkeit der AfD


Miersch: Weidels Rede im Bundestag ist Beweis für Verfassungsfeindlichkeit der AfD
Miersch: Weidels Rede im Bundestag ist Beweis für Verfassungsfeindlichkeit der AfD / Foto: © AFP

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat AfD-Chefin Alice Weidel für deren Rede in der Generaldebatte im Bundestag scharf kritisiert. "Ihre Rede heute war ein Beispiel dafür, dass Sie verfassungsfeindlich agieren und deswegen muss es auch ein Verbotsverfahren geben", sagte Miersch am Mittwoch in der Debatte im Bundestag. Weidel habe "eiseskalt und hasserfüllt" über Migrantinnen und Migranten gesprochen, fuhr Miersch fort.

Textgröße ändern:

Weidel hatte am Mittwochmorgen als Vertreterin der größten Oppositionspartei die Generaldebatte eröffnet. Darin zeichnete sie ein Bild von einem Land im "Sinkflug", in dem die "Islamisierung (...) rasend und aggressiv" voranschreite. "Junge Mädchen werden in Freibädern belästigt, missbraucht und vergewaltigt", sagte Weidel. "An den Schulen terrorisieren fanatisierte junge Muslime ihre ungläubigen Altersgenossen und Lehrer."

Miersch ging auf die Worte Weidels ein und sagte an die AfD-Chefin gerichtet: "Wie Sie über Menschen mit Migrationshintergrund geredet haben (...), ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die Migrationshintergrund haben und Tag für Tag dieses Land bereichern."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende kritisierte auch die Haltung der AfD zu den am Freitag im Bundestag zur Wahl stehenden Kandidatinnen für die frei werdenden Richterposten am Bundesverfassungsgericht. "Sie diskreditieren jetzt schon eine Frau, die das höchste Gericht mit besetzen soll", sagte Miersch an Weidel gerichtet. Er sprach damit die von der SPD vorgeschlagene, aber in konservativen Kreisen umstrittene Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf an.

Diese steht am Freitag - ebenso wie die auch von der SPD vorgeschlagene Münchener Jura-Professorin Ann-Katrin Kaufhold und der Unions-Kandidat Günter Spinner - zur Wahl. Am Montag hatte der Wahlausschuss im Bundestag alle drei für die Posten am höchsten deutschen Gericht zur Wahl nominiert. Im Plenum brauchen sie am Freitag eine Zweidrittelmehrheit, für die Union und SPD allerdings rechnerisch neben den Grünen auch auf Stimmen der Linken oder der AfD angewiesen sind.

Die AfD-Fraktionsspitze hatte ihren Abgeordneten die Unterstützung des Unions-Kandidaten empfohlen. Die Wahl der beiden SPD-Kandidatinnen lehnt die AfD aber entschieden ab. Weidel warf der SPD vor, "im Bundesverfassungsgericht radikal linke Ideologen zu installieren, damit sie das höchste deutsche Gericht als Werkzeug für linke Staatsdeformation missbrauchen können". Brosius-Gersdorf wolle die AfD und deren Wähler "beseitigen", kritisierte Weidel.

Miersch rief die Abgeordneten aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD zur Wahl der beiden SPD-Kandidatinnen auf. "Lassen Sie uns am Freitag sehr, sehr verantwortungsvoll mit diesen Wahlen zu den obersten Bundesrichtern umgehen", sagte Miersch.

Die AfD war vom Verfassungsschutz im Mai auf Grundlage eines neuen Gutachtens als "gesichert rechtsextrem" eingestuft worden. Nach einer Beschwerde der AfD beim Verwaltungsgericht Köln legte der Verfassungsschutz für die Dauer des Verfahrens die Hochstufung auf Eis und führt die Partei bis auf Weiteres weiter als Verdachtsfall.

Dennoch hatte die Entscheidung die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren neu angefacht. Dieses kann von der Bundesregierung, dem Bundestag oder dem Bundesrat beantragt werden. Entscheiden müsste darüber das Bundesverfassungsgericht.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Hegseth: Iran kann keine Raketen mehr bauen - US-Armee bleibt einsatzbereit

Die USA haben nach den Worten von Verteidigungsminister Pete Hegseth mit ihren Angriffen im Iran-Krieg die Fähigkeiten der Islamischen Republik zum Bau von Raketen zerstört. "Wir haben die vollständige Zerstörung der iranischen Verteidigungsindustrie abgeschlossen, ein zentrales Element unseres Auftrags", sagte Hegseth am Mittwoch in Washington. "Sie können keine Raketen mehr bauen." Auch andere hochentwickelte Waffen könne das Land nicht mehr herstellen.

Iran-Waffenruhe: Merz fordert "Verhandlungen für dauerhaftes Ende des Krieges"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Einigung auf eine Waffenruhe im Iran-Krieg begrüßt. "Ziel muss nun sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln", erklärte er am Mittwoch. "Dies wird sich nur auf diplomatischem Weg erreichen lassen." Der Kanzler kündigte zudem einen Beitrag Deutschlands zur Sicherung der Straße von Hormus an. Inwieweit sich dabei die Bundeswehr beteiligen könnte, blieb aber offen.

Vance: Europäer offenbar nicht sonderlich interessiert an Lösung des Ukraine-Konflikts

US-Vizepräsident JD Vance hat europäischen Staats- und Regierungschefs vorgeworfen, nicht genug für ein Ende des Ukraine-Krieges zu tun. "Wir sind von vielen politischen Entscheidungsträgern in Europa enttäuscht, da sie offenbar nicht sonderlich daran interessiert sind, diesen Konflikt zu lösen", sagte Vance am Mittwoch bei seinem Besuch in Ungarn. Es gebe zwar "erhebliche Fortschritte" bei den Bemühungen zur Lösung des Konflikts. Dieser Konflikt sei aber der "am schwersten zu lösende".

Feuerpause im Iran-Krieg: Washington und Teheran verkünden "Sieg" - neue Angriffe

Im Iran-Krieg sollen nach gut fünf Wochen die Waffen schweigen: US-Präsident Donald Trump gab am Dienstagabend (Ortszeit) eine von Pakistan vermittelte "beidseitige Waffenruhe" bekannt. Sowohl die USA als auch der Iran nahmen einen "Sieg" für sich in Anspruch. Die Vereinbarung, welche auch die Wiederöffnung der Straße von Hormus vorsieht, wurde international begrüßt. Der Ölpreis gab nach, an den Börsen legten die Kurse zu. Allerdings meldeten Golfstaaten weitere Angriffe aus dem Iran.

Textgröße ändern: