Deutsche Tageszeitung - London: Zehntausende demonstrieren nach Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson

London: Zehntausende demonstrieren nach Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson


London: Zehntausende demonstrieren nach Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson
London: Zehntausende demonstrieren nach Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson / Foto: © AFP

Zehntausende Menschen haben nach einem Aufruf des rechtsextremen britischen Aktivisten Tommy Robinson am Samstag in London gegen Migranten und für den Rücktritt der Labour-Regierung demonstriert. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 110.000 Menschen. Die von Robinson als Kundgebung für die "Meinungsfreiheit" angekündigte Demonstration im Zentrum der britischen Hauptstadt war von einem Meer von englischen und Union-Jack-Fahnen geprägt.

Textgröße ändern:

"Ich bin kein Rassist, ich stelle nur die demografische Entwicklung fest", sagte der 28-jährige Ritchie bei der Demo. Die Ankunft irregulärer Migranten in Großbritannien bezeichnete er als "Invasion". Für den jungen Mann, der mit drei Freunden aus Bristol nach London anreiste, ist Robinson ein "Held". In diesem Sommer hatte es in Großbritannien wiederholt Demonstrationen vor Hotels gegeben, in denen Asylbewerber untergebracht sind. Die Proteste hatte Robinson in Online-Medien verbreitet.

"Die schweigende Mehrheit wird nicht länger schweigen", rief Robinson am Samstag seinen Anhängern zu. Am heutigen Tag beginne eine "kulturelle Revolution".

Der 42-jährige Robinson, der mit wahrem Namen Stephen Yaxley-Lennon heißt, ist der Gründer der rechtsextremen English Defence League. Der wegen seiner Positionen gegen Einwanderung und Islam bekannte Robinson wurde bereits mehrfach verurteilt, unter anderem wegen Störung der öffentlichen Ordnung. 2018 und 2024 war er zeitweise auch im Gefängnis.

Die aus London kommende Mary Williams hielt bei der Demo ein Foto des ultrakonservativen US-Aktivisten Charlie Kirk hoch, der vor wenigen Tagen bei einem öffentlichen Auftritt in den USA erschossen worden war. Sie sei "geschockt" gewesen und habe daraufhin beschlossen, an der Demo von Robinson teilzunehmen, der im Internet ausführlich zum Tod von Kirk berichtet hatte. Zu den Unterstützern von Robinson gehört auch US-Tech-Milliardär Elon Musk.

Die Organisatoren der Demonstration in London gaben die Teilnahme von Prominenten auch aus dem Ausland bekannt, darunter der frühere Berater von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon. Aus Frankreich war der rechtsextreme Politiker Eric Zemmour angereist, aus Deutschland sollte der AfD-Politiker Petr Bystron sprechen.

Mehr als 1000 Polizisten waren am Samstag in London im Einsatz, um den friedlichen Ablauf der Demonstration sicherzustellen. Eine Gegendemo gegen Rassismus fiel mit rund 5000 Teilnehmern deutlich kleiner aus. Unter diesen Demonstrierenden war auch die Labour-Abgeordnete Diane Abbott, die Robinson vorwarf, "Nonsens" und "gefährliche" Lügen über Asylbewerber zu verbreiten.

Die Regierung von Premierminister Keir Starmer steht unter dem Druck der in Umfragen aufstrebenden Partei Reform UK des Rechtspopulisten Nigel Farage. Starmer will die Zahl der in Großbritannien ankommenden Asylbewerber verringern und die Unterbringung in Hotels bis zu den nächsten Wahlen beenden.

In den zwölf Monaten bis Juni dieses Jahres registrierten die britischen Behörden 111.084 Asylanträge und damit mehr als in jedem anderen Einjahreszeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen 2001, wie das Innenministerium in London im August mitgeteilt hatte.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Trotz Sondierungen mit Linken: Grüne und SPD in Berlin treffen sich mit CDU

Trotz laufender Gespräche über die Bildung einer rot-grün-roten Regierung in Berlin findet in der kommenden Woche ein Treffen von Grünen und SPD mit der CDU statt. Das bestätigten CDU und Grüne am Freitag in der Hauptstadt. "Dabei handelt es sich nicht um Sondierungsgespräche, sondern um ein Gespräch über die konstruktive Gestaltung der Übergangszeit bis zur Bildung der neuen Regierung", betonte eine Grünen-Sprecherin. Laut CDU soll es um die "aktuelle Lage" gehen.

CSU-Chef Söder lehnt AfD-Verbotsverfahren ab: "Müssen uns demokratisch wehren"

CSU-Chef Markus Söder hat ein immer wieder in der Diskussion stehendes AfD-Verbotsverfahren abgelehnt. "Eine Verbotsdiskussion löst das Problem nicht, es verstärkt es sogar noch", sagte Söder am Freitag auf dem Parteitag der Christsozialen in München.

Sechs Menschen bei Angriff auf Kirche in Jordanien getötet

Bewaffnete Männer haben bei einem Angriff auf eine Kirche im Süden Jordaniens mindestens sechs Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Die Angreifer eröffneten am Freitag während eines Trauerzugs an der griechisch-orthodoxen Kirche in der Ortschaft Hammud in der Provinz Karak das Feuer, wie die jordanische Sicherheitsdirektion mitteilte. Zunächst hatten die Behörden von sieben Toten gesprochen, korrigierten die Zahl aber später nach unten.

Medien: CDU wehrt sich gegen Festlegung auf Aigner als Bundespräsidentin

Die CDU will sich nach Medienberichten nicht auf die CSU-Politikerin Ilse Aigner als Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier festlegen. "Die CDU erhebt durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu benennen", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Freitag aus CDU-Kreisen. Auch die "Bild"-Zeitung berichtete, es gebe in der CDU-Führung den Anspruch, dass die Kanzler-Partei selbst das Staatsoberhaupt stellt.

Textgröße ändern: