Deutsche Tageszeitung - Kamerun: 92-jähriger Präsident Biya zum erneuten Wahlsieger erklärt

Kamerun: 92-jähriger Präsident Biya zum erneuten Wahlsieger erklärt


Kamerun: 92-jähriger Präsident Biya zum erneuten Wahlsieger erklärt
Kamerun: 92-jähriger Präsident Biya zum erneuten Wahlsieger erklärt / Foto: © AFP/Archiv

In Kamerun hat der 92-jährige Amtsinhaber Paul Biya dem amtlichen Endergebnis zufolge die umstrittene Präsidentschaftswahl gewonnen. Dem vom Verfassungsrat am Montag verkündeten amtlichen Ergebnis zufolge wurde Biya mit knapp 54 Prozent der Stimmen für eine nunmehr bereits achte Amtszeit wiedergewählt. Sein Herausforderer, der ehemalige Arbeitsminister Issa Tchiroma Bakary, landete demnach mit rund 35 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz. Er wies nach Bekanntgabe des Ergebnisses Biyas Wiederwahl als "Farce" zurück.

Textgröße ändern:

In dem zentralafrikanischen Land war bereits am 12. Oktober gewählt worden, der Urnengang wurde von gewaltsamen Protesten gegen den Amtsinhaber begleitet. Das Ergebnis wurde nun am Montag verkündet, die Wahlbeteiligung lag laut Verfassungsrat bei rund 46 Prozent.

"Es gab keine Wahl, es war eher eine Farce", sagte der Oppositionskandidat Tchiroma Bakary am Montag der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. "Wir haben zweifellos gewonnen." Zudem berichtete Bakary, dass auf Demonstranten geschossen worden sei, die sich zu seiner Unterstützung vor seinem Haus in Garoua im Norden Kameruns versammelt hätten. Dabei seien zwei Menschen getötet worden.

"Etwa zehn Scharfschützen" seien auf Dächern rings um sein Haus postiert, sagte der Oppositionskandidat weiter. Ein AFP-Journalist vor Ort sah, wie ein Mann von Schüssen getroffen wurde.

Tchiroma Bakary hatte sich bereits unmittelbar nach der Wahl zum Sieger erklärt und zu Protesten aufgerufen. Seinen Angaben zufolge kam er auf rund 55 Prozent der Stimmen, Biya dagegen nur auf 31 Prozent. Trotz eines Demonstrationsverbots und eingeschränkten Verkehrs bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse folgten viele seiner Anhänger dem Protestaufruf.

Bereits kurz vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses wurden nach Angaben örtlicher Behörden bei Protesten mindestens vier Menschen getötet. Von der Nachrichtenagentur AFP befragte Demonstranten berichteten, dass die Sicherheitskräfte bei Zusammenstößen mit Anhängern der Opposition in der Wirtschaftsmetropole Douala am Sonntag zunächst Tränengas eingesetzt und dann mit "scharfer Munition" geschossen hätten.

Biya regiert Kamerun seit 43 Jahren mit harter Hand. Er trat gegen elf Rivalen an, die alle einen Neuanfang für Kamerun versprachen - weg von Biyas festem Griff auf das öffentliche Leben.

Die Hälfte der Bevölkerung in Kamerun ist jünger als 20 Jahre. Ein großer Teil der Einwohner kennt nur Biya als Herrscher - er ist erst der zweite Präsident seit der Unabhängigkeit des Landes von der früheren Kolonialmacht Frankreich im Jahr 1960. Kamerun verfügt über reichhaltige natürliche und landwirtschaftliche Ressourcen.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Trump: Iran wird bei Mordanschlag auf mich "vollständig vernichtet"

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran im Falle eines Mordanschlags auf ihn mit "vollständiger" Vernichtung gedroht. "1000 Raketen sind scharf gemacht und auf die Islamische Republik Iran gerichtet", erklärte Trump am Freitag. "Und Tausende weitere würden unmittelbar folgen, sollte die iranische Regierung ihre weltweit geäußerte Drohung wahr machen, den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika - in diesem Fall mich! - zu ermorden oder einen entsprechenden Versuch zu unternehmen."

Wadephul kündigt gemeinsame Libanon-Initiative mit Frankreich an

Vor dem deutsch-französischen Ministerrat in der kommenden Woche hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) eine gemeinsame Libanon-Initiative angekündigt. "Wir wollen mit Frankreich eine gemeinsame Politik für den Libanon formulieren, um die Chance auf einen Frieden im Nahen und Mittleren Osten zu erhöhen", sagte Wadephul dem "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe). Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass sowohl im Iran- als auch im Ukraine-Krieg jetzt ein guter Zeitpunkt für Verhandlungen sei.

Havanna-Syndrom: US-Regierung zahlt Betroffenen erste Entschädigungen

Als Havanna-Syndrom werden erstmals in Kuba aufgetretene mysteriöse Gesundheitsprobleme von US-Botschaftsmitarbeitern bezeichnet - nun hat die Regierung in Washington den ersten Betroffenen Entschädigungen gezahlt. Das Verteidigungsministerium teilte am Freitag mit, es habe Zahlungen in Höhe von fast drei Millionen Dollar (gut 2,6 Millionen Euro) geleistet. Dies seien "die ersten Zahlungen, welche die Regierung im Rahmen des Havanna-Gesetzes vorgenommen hat".

Nach Trump-Drohung verschobene Brücken-Öffnung nach Kanada soll nun stattfinden

Die nach einer Drohung von US-Präsident Donald Trump verschobene Eröffnung einer Brücke nach Kanada soll nun noch in diesem Monat stattfinden. Als neuer Termin für die Inbetriebnahme des milliardenteuren Bauwerks sei der 27. Juli festgelegt worden, teilte am Freitag das kanadische Infrastrukturministerium mit. Ursprünglich hätte die Brücke bereits vor einem Monat eröffnet werden sollen.

Textgröße ändern: