Deutsche Tageszeitung - Grüne: Strategie der Bundesregierung im Umgang mit Trump ist gescheitert

Grüne: Strategie der Bundesregierung im Umgang mit Trump ist gescheitert


Grüne: Strategie der Bundesregierung im Umgang mit Trump ist gescheitert
Grüne: Strategie der Bundesregierung im Umgang mit Trump ist gescheitert / Foto: © AFP/Archiv

Grünen-Chefin Franziska Brantner betrachtet die bisherige Strategie der Bundesregierung im Umgang mit US-Präsident Donald Trump als gescheitert. Die vergangenen Monate hätten gezeigt: "Wer sich klein macht vor Trump, der wird überrollt. Wer stark auftritt, wird respektiert", sagte Brantner der "Augsburger Allgemeinen" vom Montag. Sie verwies auf die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA, die das Ziel habe, die Europäische Union zu zerstören.

Textgröße ändern:

Mit Blick auf den US-Angriff auf Venezuela sagte Brantner: "Berlin und die EU müssen jetzt deutliche Worte finden." Die bisherigen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu wirkten hingegen "wie eine Flucht vor der Realität und der Versuch, Konfrontation zu vermeiden". Trump reagiere jedoch ausschließlich auf Entschlossenheit. Diese Entschlossenheit müssten Deutschland und Europa nun unter Beweis stellen. Für Merz gehöre dies nun "zu den vordringlichsten Pflichten seiner Amtsführung".

Maduro sei unbestreitbar ein Tyrann, räumte die Grünen-Vorsitzende ein. "Doch ein Land militärisch zu bedrohen, ohne jede völkerrechtliche Legitimation, und dabei unverhohlen zu erklären, man habe es auf dessen Ölressourcen abgesehen - das ist Imperialismus in Reinform", sagte Brantner weiter.

"Die Weltordnung läuft Gefahr, in eine Ära des nackten Faustrechts zurückzufallen", warnte sie. Es drohe ein neues Zeitalter der Großmachtpolitik "geprägt von hemmungslosem Expansionsdrang, neokolonialen Praktiken und der Herabsetzung souveräner Nationen zu bloßen Interessengebieten der Mächtigen". Insbesondere Trumps Worte über das von ihm beanspruchte Grönland müssten "europaweit als Alarmzeichen begriffen werden".

Auch in weiteren Politikfeldern forderte die Grünen-Chefin einen Kurswechsel, etwa in der Handelspolitik. Für fairen Wettbewerb brauche es den Mut, "auch mal die Konfrontation mit China und den USA zu suchen". Ihnen sollten Deutschland und die EU deutlich machen: "Wenn ihr eure Märkte dicht macht, hat das Konsequenzen."

Weiter verwies Brantner auf die notwendige Regulierung sozialer Plattformen. "Wenn wir die Demokratie retten wollen, müssen wir Tiktok, X und Co. die Stirn bieten", sagte sie. Gesetze dafür gebe es bereits, doch sie würden nicht durchgesetzt. "Friedrich Merz muss hier Druck machen", forderte die Grünen-Chefin.

Auch wenn die USA in der Vergangenheit mit dem Entzug von Sicherheitsgarantien gedroht haben, sollte man beispielsweise X regulieren. "Die Trump-Regierung hat auch noch Organisationen, die Menschen helfen, die im Netz bedroht werden, auf eine schwarze Liste gesetzt", kritisierte Brantner. "Das ist ein krasser Angriff auf unsere Demokratie."

Die USA hatten Venezuela am Samstag militärisch angegriffen und Präsident Nicolás Maduro sowie dessen Frau in die USA verschleppt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Höcke erklärt Brandmauer für gescheitert - und attackiert "bunte Zivilgesellschaft"

Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke hat die Strategie der Ausgrenzung seiner Partei für gescheitert erklärt. "Die Brandmauer hat uns groß gemacht", sagte Höcke am Samstag in seinem Grußwort an den AfD-Bundesparteitag in Erfurt. "Jetzt sind wir stärkste Kraft in Deutschland und werden in Kürze die ersten Regierungschefs im Osten begrüßen dürfen."

"Ein Herz und eine Seele": Chrupalla beschwört Einheit der AfD-Parteispitze

Zum Auftakt des AfD-Parteitags in Erfurt hat Ko-Parteichef Tino Chrupalla die Einigkeit in der Parteiführung beschworen. Die Doppelspitze mit Alice Weidel sei "ein Erfolgsduo, wie es die deutsche Politik selten gesehen hat", sagte Chrupalla am Samstag vor den Delegierten in Erfurt. "Wir waren, wir sind und wir bleiben ein Herz und eine Seele. Ein Herz, das für Deutschland schlägt und eine Seele, die für Deutschland lebt."

Papst macht in Lampedusa auf Schicksal von Migranten aufmerksam

Papst Leo XIV. hat am Samstag die italienische Insel Lampedusa besucht, um auf das Schicksal von Migranten aufmerksam zu machen. Als erste Station seiner halbtägigen Reise suchte er einen Friedhof auf, wo er an den Gräbern nicht identifizierter Migranten einen Kranz niederlegte und im Gebet verharrte. Der Papst besuchte dann das "Tor nach Europa" genannte Denkmal für Geflüchtete und sprach kurz mit einer Migranten-Familie. Später wollte der Pontifex noch eine Messe abhalten.

AfD-Parteitag eröffnet - Chrupalla: Partei steht bereit zum Regieren

Die AfD hat sich zum Auftakt ihres Bundesparteitags in Erfurt zur Übernahme von Regierungsverantwortung bereit erklärt. "Wir werden gewinnen", sagte der Kovorsitzende Tino Chrupalla am Samstag bei der Begrüßung der Delegierten. "Vielleicht können wir bald schon allein regieren", fügte er mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland hinzu. "Das wäre das richtige Zeichen an die Demokratieverächter, die da draußen unseren Parteitag verhindern wollten."

Textgröße ändern: