Deutsche Tageszeitung - Angeklagter polnischer Ex-Justizminister Ziobro erhält Asyl in Ungarn

Angeklagter polnischer Ex-Justizminister Ziobro erhält Asyl in Ungarn


Angeklagter polnischer Ex-Justizminister Ziobro erhält Asyl in Ungarn
Angeklagter polnischer Ex-Justizminister Ziobro erhält Asyl in Ungarn / Foto: © AFP

Der ins Visier der Justiz geratene und aus dem Land geflohene frühere polnische Justizminister Zbigniew Ziobro hat nach eigenen Angaben in Ungarn Asyl erhalten. Ziobro erklärte am Montag im Onlinedienst X, er habe beschlossen, "das von der ungarischen Regierung gewährte politische Asyl in Anspruch zu nehmen". Er bedankte sich beim ungarischen Regierungschef Viktor Orban. Zugleich verurteilte er das "Banditenwesen" und "die stufenweise Einrichtung einer Diktatur" in Polen.

Textgröße ändern:

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto erklärte, sein Land habe "Personen, die in Polen politisch verfolgt werden, Asyl oder einen Flüchtlingsstatus gewährt". Er machte keine näheren Angaben zu den Betroffenen.

"Ziobro wird nicht ungestraft davonkommen", warnte hingegen der stellvertretende polnische Verteidigungsminister Cezaryk Tomczyk. "Kein Politiker steht über dem Gesetz", sagte er dem Sender Polsat.

In seiner Heimat drohen Ziobro bei einem Schuldspruch bis zu 25 Jahre Haft. Gegen den 55-Jährigen, der sich aktuell einer Krebsbehandlung unterzieht, liegen 26 Anklagepunkte vor, darunter Machtmissbrauch und Leitung einer organisierten kriminellen Vereinigung.

Zwischen 2015 und 2023 war Ziobro Justizminister und Generalstaatsanwalt in den Regierungen der nationalkonservativen PiS-Partei. In dieser Zeit nahm er grundlegende Reformen zur Umgestaltung der polnischen Justiz vor. Die Justizreform sorgte für Konflikte sowohl innerhalb Polens als auch mit der Europäischen Union.

In dem Gerichtsverfahren in Polen wird Ziobro unter anderem vorgeworfen, Geld aus einem Sonderfond für Opfer von Verbrechen veruntreut und für politische Zwecke sowie zur illegalen Finanzierung des Kaufs der israelischen Spionagesoftware Pegasus verwendet zu haben. Nach Angaben der aktuellen Regierung wurde die Software eingesetzt, um politische Gegner ins Visier zu nehmen.

Ziobro weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk einer "Hexenjagd" gegen die konservative Opposition. Im vergangenen Jahr war Ziobro nach Ungarn geflohen. Im November stimmte das Parlament dafür, dem Ex-Minister seine parlamentarische Immunität zu entziehen.

Zuvor hatte bereits einer von Ziobros Stellvertretern in der früheren Regierung, Marcin Romanowski, von Ungarns Regierung unter Ministerpräsident Orban politisches Asyl erhalten. Gegen ihn waren ähnliche Vorwürfe erhoben worden. Romanowski lebt weiterhin in Ungarn, obwohl Polen einen europäischen Haftbefehl gegen ihn erlassen hat. Dies hatte zu diplomatischen Spannungen zwischen beiden Ländern geführt.

Nach europäischem Recht gelten alle EU-Mitgliedstaaten untereinander als sichere Herkunftsländer, darum gibt es keinen Mechanismus für politisches Asyl zum Schutz für EU-Staatsangehörige. Es gibt jedoch Ausnahmen. Um die Entscheidung aus Budapest zu rechtfertigen, bekräftigte Ungarns Außenminister Szijjarto am Montag, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Polen "in einer Krise" seien und "bedroht seien.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Datenbank: 2025 starben weltweit 350 humanitäre Helfer - 186 davon im Gazastreifen

Im vergangenen Jahr sind weltweit 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter humanitärer Hilfsorganisationen bei einem Einsatz ums Leben gekommen - mehr als die Hälfte davon im Gazastreifen. Das zeigen Zahlen der von Humanitarian Outcomes betriebenen Datenbank zu Sicherheitsvorfällen gegen humanitäre Helfer (AWSD), die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag) vorliegt. Demnach gab es 2025 die zweithöchste Zahl von Todesopfern seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1997.

Trump verzichtet offenbar vorerst auf Angriffe auf Iran: "Halten uns zurück"

US-Präsident Donald Trump will auf weitere Angriffe auf den Iran offenbar vorerst verzichten und stattdessen auf wirtschaftlichen Druck setzen. "Wir halten uns zurück", sagte Trump dem Nachrichtenportal "Axios" am Sonntag in einem kurzen Telefoninterview. "Wir verhandeln nur so halb mit ihnen", fügte der US-Präsident hinzu. Die US-Regierung warte ab und beobachte den Iran, der eine "enorme Inflation" und "kein Geld" habe.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen gegen Abschaffung der "Rente mit 63"

Im Streit um die "Rente mit 63" hat sich in einer aktuellen Umfrage eine deutliche Mehrheit der Deutschen gegen eine Abschaffung der Frührentenregelung ausgesprochen. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Insa für die "Bild am Sonntag" lehnen 68 Prozent der Bundesbürger eine Abschaffung der Regelung ab - nur 24 Prozent befürworten sie. Acht Prozent machten keine Angabe.

Klingbeil plant höhere Besteuerung bestimmter Vereine

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will einem Medienbericht zufolge die Steuerfreibeträge für bestimmte Vereine und andere Organisationen deutlich senken. Über einen entsprechenden Gesetzentwurf des Finanzministerium berichtete am Samstag die "Bild". Statt eines steuerlichen Freibetrags von 5000 Euro soll es demnach ab 2027 eine Freigrenze von 1000 Euro geben. Einkommen bis zu dieser Grenze würde steuerfrei bleiben, bei Gewinnen darüber hinaus, würde das gesamte Einkommen steuerpflichtig.

Textgröße ändern: