Deutsche Tageszeitung - Ukraine meldet elf Tote durch russische Angriffe - Passagier-Zug in Charkiw attackiert

Ukraine meldet elf Tote durch russische Angriffe - Passagier-Zug in Charkiw attackiert


Ukraine meldet elf Tote durch russische Angriffe - Passagier-Zug in Charkiw attackiert
Ukraine meldet elf Tote durch russische Angriffe - Passagier-Zug in Charkiw attackiert / Foto: © UKRAINIAN EMERGENCY SERVICE/AFP

Bei massiven russischen Angriffen auf die Ukraine sind am Dienstag mindestens elf Menschen getötet worden. Bei einem Drohnenangriff auf einen Zug in Charkiw wurden mindestens vier Menschen getötet, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst Telegram mitteilte. Die Attacken würden die derzeit laufende Diplomatie "untergraben", erklärte er zudem. Die trilaterale Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA über eine Beendigung des Krieges sollen am Wochenende fortgesetzt werden.

Textgröße ändern:

Selenskyj zufolge beförderte der angegriffene Zug in Charkiw rund 200 Passagiere. "Es gibt keine und kann keine militärische Rechtfertigung dafür geben, Zivilisten in einem Zug zu töten", erklärte er. Neben den Toten habe es zwei Verletzte gegeben. Die ukrainischen Rettungskräfte veröffentlichten Fotos von dem Einsatz an dem brennenden Zug.

Russland griff den örtlichen Behörden zufolge zudem die Region Odessa mit etwa fünfzig Drohnen an. In der gleichnamigen Stadt wurden demnach drei Tote aus den Trümmern gezogen, rund 30 Menschen wurden zudem verletzt. Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Oleh Kiper sind zwei Kinder und eine schwangere Frau unter den Verletzten.

Eine AFP-Journalistin in Odessa sah ein Wohngebäude mit eingestürzter Fassade sowie Rettungskräfte, die in den Trümmern nach Menschen suchten. Gouverneur Kiper erklärte, die Drohnen hätten dutzende Wohngebäude, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Schule und ein Fitnesscenter beschädigt.

Das Energieunternehmen DTEK teilte mit, dass die russischen Streitkräfte eine seiner Anlagen stark beschädigt hätten. Odessa ist der größte ukrainische Schwarzmeerhafen. Die Energie- und Hafeninfrastruktur ist häufig Ziel russischer Angriffe.

Im Osten der Ukraine traf indes eine russische Gleitbombe die Stadt Slowjansk. Die Staatsanwaltschaft der Region Donezk gab den Tod eines Ehepaars bekannt, deren 20-jähriger Sohn zudem verletzt worden sei. Slowjansk liegt etwa 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt und wird regelmäßig von den russischen Streitkräften angegriffen.

In der Region Saporischschja im Süden sowie in der Nachbarregion Cherson wurde ukrainischen Angaben zufolge insgesamt zwei Menschen in ihren Häusern getötet.

Nach Angaben der ukrainischen Luftabwehr wurde das Land in der Nacht mit insgesamt 165 russischen Drohnen angegriffen, 135 davon konnten demnach abgefangen werden. Das staatliche Gasunternehmen Naftogaz gab bekannt, dass eine seiner Anlagen im Westen des Landes getroffen wurde - bereits zum fünften Mal in diesem Monat.

"Jeder dieser russischen Angriffe untergräbt die laufenden diplomatischen Bemühungen und die Bemühungen unserer Partner, den Krieg zu beenden", erklärte Selenskyj. "Wir erwarten von den USA, von Europa und den anderen Partnern, dass sie nicht schweigen und sich daran erinnern, dass ein echter Frieden voraussetzt, dass Druck auf Moskau ausgeübt wird", fügte er hinzu.

Die am Wochenende gestarteten trilateralen Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollen nach Angaben Washingtons und Kiews am Sonntag in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate fortgesetzt werden. Selenskyj hatte die Gespräche am vergangenen Wochenende als "konstruktiv" bezeichnet, forderte mit Blick auf die nächste Runde jedoch "echte Ergebnisse".

Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, die Verhandlungen am Wochenende hätten in einem "konstruktiven Geist" stattgefunden. Zugleich betonte er, "es wäre ein Fehler, von diesen ersten Kontakten bedeutende Ergebnisse zu erwarten". "Es liegt noch viel Arbeit vor uns", fügte Peskow hinzu.

Das russische Verteidigungsministerium gab indes die Einnahme von zwei weiteren Ortschaften in der Ukraine bekannt. Das Dorf Kupjansk-Wuslow in der Region Charkiw und das Dorf Nowojakowlikwa in der Region Saporischschja seien durch russische Truppen eingenommen worden, erklärte das Ministerium.

Die in der Ukraine kämpfenden russischen Soldaten "setzen ihre Offensive an allen Fronten fort", sagte der russische Armeechef Waleri Gerassimow laut einem vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Video. Weiter sagte er, die russischen Streitkräfte hätten seit Jahresbeginn 17 Ortschaften und "mehr als 500 Quadratkilometer" ukrainischen Territoriums unter ihre Kontrolle gebracht.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Wadephul fordert Beteiligung Chinas an zukünftigem Atom-Abrüstungsabkommen

Angesichts des Auslaufens des "New Start"-Abkommens zwischen den USA und Russland hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) eine Beteiligung Chinas an einem zukünftigen Atomwaffen-Abrüstungsvertrag gefordert. "China muss einbezogen werden", sagte Wadephul bei einer gemeinsaamen Pressekonferenz mit seiner australischen Kollegin Penny Wong während seines Besuchs in Sydney am Donnerstag. Peking müsse im Bereich der Rüstungskontrolle zeigen, "dass es zur Zurückhaltung bereit ist", fügte Wadephul hinzu.

Oberstes US-Gericht erlaubt Kalifornien Neuzuschnitt von Wahlkreisen

Der Oberste Gerichtshof der USA hat dem Bundesstaat Kalifornien erlaubt, für die Zwischenwahlen im November einen neuen Zuschnitt der Wahlkreise anzuwenden. Das von konservativen Richtern dominierte Gericht erlaubte am Mittwoch den Neuzuschnitt, von dem die Demokraten sich fünf zusätzliche Sitze im US-Repräsentantenhaus erhoffen. Das von den Demokraten regierte Kalifornien hatte damit auf eine Neuordnung der Wahlkreise im Bundesstaat Texas durch die Republikaner reagiert.

Letztes Atom-Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA ausgelaufen

Der letzte Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland, das "New Start"-Abkommen, ist am Donnerstag ausgelaufen. Das Ende des Abkommens sei "ein schwerwiegender Moment für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit", erklärte UN-Generalsekretär António Guterres. Er rief Moskau und Washington auf, sich "unverzüglich" auf einen "Nachfolgevertrag" zu einigen.

JU-Chef Winkel sieht Einsparpotenzial von "Dutzenden Milliarden" im Sozialetat

Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, sieht deutliches Einsparpotenzial im Sozialetat. Der Sozialstaat müsse "effizienter gemacht werden", sagte der JU-Chef der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Allein mit der Wiedereinführung des sogenannten Nachhaltigkeitsfaktors zur Dämpfung von Rentenerhöhungen "und klaren Prioritäten" ließen sich "Dutzende Milliarden im Jahr sparen für Sozialleistungen, die teilweise keiner braucht und die die Leute teilweise gar nicht wollen."

Textgröße ändern: