Deutsche Tageszeitung - Um die "Seelen zu wärmen": Orchester-Musiker geben Konzert in Bahnhofshalle in Kiew

Um die "Seelen zu wärmen": Orchester-Musiker geben Konzert in Bahnhofshalle in Kiew


Um die "Seelen zu wärmen": Orchester-Musiker geben Konzert in Bahnhofshalle in Kiew
Um die "Seelen zu wärmen": Orchester-Musiker geben Konzert in Bahnhofshalle in Kiew / Foto: © AFP

Zwischen zwei Luftalarmen haben Musiker des Kyiv Classic Orchestra am Freitagabend am Hauptbahnhof der ukrainischen Hauptstadt ein Konzert gegeben. Unter der Leitung von Dirigent Herman Makarenko spielten neun Streicher eine Stunde lang vor Dutzenden Menschen. Um Zuschauer anzulocken, hatten sie zunächst ein erstes Stück oben auf der riesigen Treppe des Bahnhofs gespielt.

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Dann erklangen Stücke des ukrainischen Komponisten Semen Hulak-Artemowskyj und Auszüge aus Werken von Mozart in der Bahnhofshalle. Seit Wochen wird diese als "Ort der Unbesiegbarkeit" genutzt, wo Menschen sich aufwärmen und ihre Handys aufladen können.

Das Konzert ist Teil eines US-ukrainischen Solidaritätsprojekts. In den kommenden Wochen solle es weitere Auftritte geben, sagte eine der Organisatorinnen, Tetiana Marosowa. Die Initiative sei "sehr wichtig, weil wir uns in diesen schwierigen Zeiten ohne Heizung nicht nur um unsere Körper kümmern müssen", betonte sie. Ziel der Konzerte sei es, den Ukrainern ein "bisschen Freude" zu bereiten und "ihre Seelen zu wärmen".

Seit Monaten greift Russland die ukrainische Energieinfrastrukur massiv an. Hunderttausende Menschen waren bei Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius ohne Strom und Heizung. In Kiew können derzeit auch mehr als 30 Prozent der Schulen und Kindergärten nicht heizen, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Es ist der bisher kälteste Winter in der Ukraine seit Kriegsbeginn.

Dirigent Makarenko bezeichnete Musik als "Balsam für die Seele" und betonte, dass die Ukraine jetzt, fast vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs, auch an der "kulturellen Front" kämpfe. Das sei sehr wichtig, "um zu zeigen, dass wir Ukrainer unverwüstlich sind".

Einige erschöpfte Reisende schenkten der Musik keine Aufmerksamkeit, aber viele andere filmten oder lauschten zufrieden. "Klassische Musik ist, was wir jetzt brauchen", sagte die 76-jährige Sinaida Jarmolenko, die zufällig vorbeikam.

(B.Izyumov--DTZ)

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