Deutsche Tageszeitung - Pistorius wirft USA schädigendes Verhalten gegenüber der Nato vor

Pistorius wirft USA schädigendes Verhalten gegenüber der Nato vor


Pistorius wirft USA schädigendes Verhalten gegenüber der Nato vor
Pistorius wirft USA schädigendes Verhalten gegenüber der Nato vor / Foto: © POOL/AFP

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz der US-Regierung von Präsident Donald Trump schädigendes Verhalten gegenüber der Nato vorgeworfen. "Die territoriale Integrität und Souveränität eines Nato-Mitgliedstaates in Frage stellen. Europäische Verbündete von Verhandlungen ausschließen, die für die Sicherheit auf dem Kontinent von entscheidender Bedeutung sind. All dies schadet unserem Bündnis und stärkt unsere Gegner", sagte Pistorius am Samstag unter Bezugnahme auf die von Washington geäußerten Ansprüche auf Grönland und auf die Verhandlungstaktik zur Beendigung des Ukraine-Krieges.

Textgröße ändern:

Die USA könnten "nicht alleine in der heutigen Welt aufstrebender Großmächte" handeln. Mit mehr als 30 anderen Staaten in der Nato verbündet zu sein, mache auch die USA "stärker". Doch auch für Europa müsse das Bündnis "Sinn ergeben".

Pistorius bezog sich zudem direkt auf die Kritik am Zustand der Vereinten Nation, die US-Außenminister Marco Rubio wenige Stunden zuvor in seiner Rede in München geäußert hatte. "Ja, unsere internationalen Organisationen sind daran gescheitert, Krisen und Konflikte zu lösen", sagte Pistorius und fügte an: "Aber die Antwort kann nicht sein, dass eine Großmacht alleine handelt." Vielmehr sei es, wie von Rubio selbst gefordert, nötig, diese Organisationen "zu reformieren und zu stärken", um "Frieden und Sicherheit" zu erreichen.

In seiner auf Englisch gehaltenen Rede unterstrich Pistorius die Bedrohung durch Russland. Die "bis an die Zähne bewaffnete und äußerst aggressive Militärmacht mit dem größten Atomwaffenarsenal der Welt" sei "von roher Macht, Revisionismus und Egoismus angetrieben".

Dies zeige sich insbesondere in seinem "brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine". Nach einem Friedensschluss im Land werde die Ukraine "substanzielle, verlässliche Sicherheitsgarantien" benötigen. Der Westen könne sich "keinen weiteren Papiertiger" wie das Budapester Memorandum von 1994 leisten. Damals hatte die Ukraine auf die im Land stationierten Atomwaffen verzichtet - im Gegenzug für Zusicherungen seiner territorialen Integrität durch Russland und Sicherheitszusicherungen durch Großbritannien und die USA.

Russland verfolge seine "revisionistische Agenda in Zusammenarbeit mit China, Iran und Nordkorea" und versuche, Organisationen wie den Brics-Wirtschaftsblock in "antiwestliche Blöcke zu verwandeln".

"In einer Welt voller Unsicherheiten können wir uns Selbstzufriedenheit nicht leisten", sagte Pistorius mit Blick auf Deutschland und seine westlichen Bündnispartner. Daher habe die Bundesrepublik ihre Verteidigungsausgaben "drastisch erhöht". Die Bundeswehr werde zudem durch den reformierten Wehrdienst über "deutlich stärkere aktive Streitkräfte und eine widerstandsfähigere Reserve" verfügen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Papstbesuch in Frankreich: Moscheen betonen christlich-muslimische Gemeinsamkeit

Anlässlich des Papstbesuchs in Frankreich sollen muslimische Geistliche im ganzen Land ihre Freitagspredigt dem gemeinsamen Bemühen beider Religionsgemeinschaften um Brüderlichkeit und Frieden widmen. Die Religionen hätten eine Verantwortung dafür, "das wachsen zu lassen, was Menschen verbindet", erklärte der Rektor der Großen Moschee von Paris, Chems-eddine Hafiz, am Mittwochabend. Er rief alle verbundenen Moscheen dazu auf, in der Freitagspredigt auf den Besuch von Papst Leo XIV. einzugehen, der von Freitag bis Montag in Frankreich erwartet wird.

Berliner Senat macht Linke für Rückzug von Olympia-Bewerbung verantwortlich

Nach dem Rückzug der Berliner Olympiabewerbung hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp für den Schritt verantwortlich gemacht. Nachdem Eralp nach dem Linken-Wahlsieg öffentlich gesagt habe, dass sich die Bewerbung erledigt habe, hätten ihm Vertreter von Spitzensportverbänden "klar signalisiert", dass Berlin keine Chancen mehr habe, sagte Wegner am Donnerstag in Berlin vor Journalisten zur Begründung der Senatsentscheidung. Berlin sei dadurch eine "Riesenchance" genommen worden.

Minister: Feuer in Starlink-Station in Polen war "Sabotage"

Der Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen ist nach Angaben der polnischen Regierung durch "Sabotage" ausgelöst worden. Durch das Feuer sei "der Internet-Zugang für verschiedene Institutionen gestört worden, einschließlich der ukrainischen Armee", sagte der polnische Digitalminister Krzysztof Gawkowski am Donnerstag dem Sender TVP Info. Der Brand war am Mittwochabend in der Anlage in Zentralpolen ausgebrochen, die Station war demnach weiter einsatzfähig.

Bundestag debattiert kontrovers über umfassende Geheimdienst-Reform

Der Bundestag hat am Donnerstag erstmals über die Pläne der Bundesregierung für eine umfassende Reform der Nachrichtendienste diskutiert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte vor den Abgeordneten, durch die Reform würden aus den deutschen Nachrichtendiensten "echte Geheimdienste". Damit beginne "eine neue Zeitrechnung". Aus der bloßen Informationsbeschaffung über Bedrohungen werde "echte Abwehr von Gefahren, Anschlägen und Terror".

Textgröße ändern: