Deutsche Tageszeitung - Moskau und Kiew verhandeln wieder - Auch deutsche und europäische Vertreter dabei

Moskau und Kiew verhandeln wieder - Auch deutsche und europäische Vertreter dabei


Moskau und Kiew verhandeln wieder - Auch deutsche und europäische Vertreter dabei
Moskau und Kiew verhandeln wieder - Auch deutsche und europäische Vertreter dabei / Foto: © National Security and Defense Council of Ukraine/AFP

Neuer Anlauf im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs: Im schweizerischen Genf haben neue direkte Verhandlungen zwischen Vertretern Moskaus und Kiews unter Vermittlung der USA begonnen. Die sechsstündigen Gespräche am Dienstag seien "sehr angespannt" gewesen, hieß es aus Kreisen der russischen Delegation. An den Gesprächen. die am Mittwoch fortgesetzt werden sollen, sind auch Vertreter Deutschlands und anderer europäischer Länder beteiligt. In der Nacht hatte Russland die Ukraine erneut angegriffen, mindestens drei Menschen wurden getötet.

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"Das war's für heute", hieß es von Seiten der russischen Delegation am Abend. Die Gespräche würden am Mittwoch fortgesetzt. Zuvor hatte in Moskau Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf Nachfrage eines Journalisten gesagt, von den Gesprächen seien für Dienstag keine "Neuigkeiten" zu erwarten, da die Arbeit am Mittwoch weitergeführt werden solle.

Der ukrainische Unterhändler Rustem Umerow hatte vor Beginn des Treffens auf Facebook erklärt, zu den geplanten Gesprächsthemen würden "Sicherheitsfragen und humanitäre Fragen" zählen. Er beteilige sich "konstruktiv" und "ohne übermäßige Erwartungen", ergänzte er. Auf russischer Seite hatte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow im Vorfeld erklärt, es verblieben "umfassende" zu klärende Fragen. Moskau wolle nicht nur eine Gefechtspause, sondern ein "dauerhaftes" Abkommen.

Als Vermittler aus den USA sind der Sondergesandte Steve Witkoff und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, nach Genf gereist.

Aus deutschen Regierungskreisen verlautete, dass auch der außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, vor Ort und bei den Gesprächen dabei sei. Wie die Nachrichtenagentur AFP in Rom aus italienischen Regierungskreisen erfuhr, sind auch Italien, Frankreich und Großbritannien mit ihren "Sicherheitsberatern" vertreten. Gespräche der europäischen Regierungsvertreter mit den Delegationen der Ukraine und der USA seien "am Rande des Treffens" geplant - nicht mit Russland. Zu den französischen Teilnehmern hieß es aus Verhandlungskreisen, es handele sich um Mitglieder der diplomatischen Abteilung des Elysée-Palastes.

Vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in Genf fanden am Dienstag Proteste gegen den bald seit vier Jahren andauernden Krieg statt, wie auf Fotos der Nachrichtenagentur AFP zu sehen war. Teilnehmer schwenkten ukrainische Flaggen und hielten Plakate mit Aufschriften wie "Stoppt den Krieg jetzt".

Zwei vorherige Gesprächsrunden zwischen ukrainischen und russischen Delegationen in Abu Dhabi hatten kein Ergebnis gebracht. In zentralen Fragen liegen Moskau und Kiew weiterhin weit auseinander. Moskau fordert als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe einen vollständigen Rückzug Kiews aus der Industrieregion Donbass. Die Ukraine lehnt dies jedoch ab.

US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld der Gespräche im schweizerischen Genf erneut die Ukraine zu einer baldigen Einigung mit Moskau gedrängt. Kiew solle "besser schnell an den Verhandlungstisch kommen", sagte Trump. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz beklagt, die USA würden oft nur die Ukraine zu Zugeständnissen drängen.

In der Nacht vor den Verhandlungen überzog die russische Armee die Ukraine erneut mit massiven Luftangriffen. In der unweit der Front gelegenen ostukrainischen Stadt Slowjansk wurden nach Angaben von Vize-Energieminister Artem Nekrasow drei Mitarbeiter eines Wärmekraftwerks bei einem Angriff auf ihr Fahrzeug getötet. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge wurden landesweit neun weitere Menschen verletzt.

Insgesamt feuerte Russland laut ukrainischer Luftwaffe 29 Raketen und 396 Drohnen ab. 25 Raketen und 367 Drohnen seien abgefangen worden. Nach ukrainischen Angaben zielten die Attacken auf Einrichtungen wichtiger Infrastruktur, Präsident Selenskyj zufolge wurden insgesamt zwölf ukrainische Regionen ins Visier genommen. Allein in der Schwarzmeer-Hafenstadt Odessa seien zehntausende Menschen von der Wärme- und Wasserversorgung abgeschnitten.

Selenskyj sagte, die nächtliche russische Angriffswelle habe darauf abgezielt, "größtmöglichen Schaden" im Energiesektor der Ukraine anzurichten. Selenskyj und Außenminister Andrij Sybiha warfen Russland vor, mit den Angriffen die "Friedensbemühungen" zu missachten.

Das russische Verteidigungsministerium meldete derweil im Onlinedienst Telegram, in der Nacht seien über 151 ukrainische Drohnen abgefangen oder zerstört worden. 38 der Drohnen seien über der Halbinsel Krim abgewehrt worden, 79 weitere über dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, schrieb im Onlinedienst Telegram von den "längsten Attacken" in der jüngsten Vergangenheit und mehreren Verletzten.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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