Deutsche Tageszeitung - "Doppelspitze klappt nicht": Jusos zweifeln an Klingbeil und Bas

"Doppelspitze klappt nicht": Jusos zweifeln an Klingbeil und Bas


"Doppelspitze klappt nicht": Jusos zweifeln an Klingbeil und Bas
"Doppelspitze klappt nicht": Jusos zweifeln an Klingbeil und Bas / Foto: © AFP

Nach den schweren Wahlniederlagen der SPD stellt die Nachwuchsorganisation Jusos die Doppelspitze offen in Frage. "Die Rollenteilung an der Parteispitze klappt aktuell nicht", sagte Juso-Bundeschef Philipp Türmer dem "Spiegel". "Die Doppelrolle der Parteivorsitzenden, die zugleich Minister sind, funktioniert überhaupt nicht." Auch aus den Landesverbänden der Jusos kam Kritik an der Doppelspitze. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Fraktionschef Matthias Miersch nahmen die Parteivorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil hingegen ausdrücklich in Schutz.

Textgröße ändern:

Juso-Chef Türmer forderte Bas und Klingbeil zu einem Kurswechsel auf - inhaltlich wie personell. "Sie müssen beantworten, was sie anders machen wollen, oder ob sie ihre Positionen zur Verfügung stellen", sagte er. "Klar ist: So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Mit diesem Kurs marschieren wir in den Abgrund."

Auch am Zustand der Gremienarbeit in der Partei äußerte der Juso-Vorsitzende scharfe Kritik. "Ich nehme unsere Gremien teilweise als sinnlose Beschäftigungstherapie wahr", klagte er. "Wir kreisen häufig um uns selbst."

Auch der Landes-Chef der bayerischen Jusos, Benedict Lang, kritisierte die Einbindung der SPD-Vorsitzenden im Bundeskabinett. "Diese Ämterhäufung ist eindeutig gescheitert und muss zeitnah aufgelöst werden", sagte Lang dem "Tagesspiegel".

Bundesverteidigungsminister Pistorius warnte vor einer Personaldebatte um die Doppelspitze. "Ich sehe keine angeschlagenen Parteivorsitzenden", sagte er bei einem Besuch in Singapur. Mit Blick auf die jüngsten Wahlen sagte er: "Es ist nicht ihre Niederlage, sondern es ist eine Niederlage der SPD und die müssen wir gemeinsam aufarbeiten und klären, wie es weitergeht."

Fraktionschef Miersch verteidigte die Einbindung der Parteivorsitzenden ins Bundeskabinett. Es sei wichtig, "dass wir auch gerade Bärbel Bas und Lars Klingbeil die Macht geben, auch gerade auf Regierungsebene jetzt in diesen schwierigen Zeiten sozialdemokratische Handschrift auch zu prägen", sagte er. "Deswegen halte ich von einer Trennung überhaupt nichts."

In dieser Woche noch will die SPD inhaltliche Positionierungen vornehmen, ehe es in den kommenden Monaten um die Umsetzung von Sozialreformen in der Koalition mit der Union gehen soll. In einer Grundsatzrede will Ko-Parteichef und Bundesfinanzminister Klingbeil am Mittwoch seine Vorstellungen für eine Modernisierung Deutschlands vorstellen. Am Freitag dann will die Bundes-Spitze mit SPD-Funktionsträgern aus Kommunen und Ländern über die inhaltliche Ausrichtung beraten. Ziel sei eine "Strategie, die wir dann am Freitag gemeinsam festlegen", sagte Fraktionschef Miersch.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann äußerte am Dienstag die Erwartung, dass die Koalition trotz der Wahlschlappen der SPD stabil bleibe. Er nehme bei der Bundes-SPD eine "sehr konstruktive Herangehensweise" wahr, sagte Hoffmann. Zwar gebe es bei der SPD eine Debatte um das Personal - er sei der SPD aber "dankbar, dass sie diese Debatte führt ohne unmittelbare Auswirkungen auf die Koalition".

Der Juso-Vorsitzende Türmer äußerte indes eine andere Erwartungshaltung an die Rolle der SPD in der Koalition. Er rief im "Spiegel" die Parteiführung dazu auf, sich in den anstehenden Reformverhandlungen nicht von der Union treiben zu lassen. "Reformen sind kein Selbstzweck, sie müssen die richtigen Leute erreichen", sagte er. "Wir dürfen nicht einfach übernehmen, was die CDU fordert."

Die SPD brauche eine "Vision, die über das Regierungshandeln hinausgeht", forderte Türmer. "Das muss der Kampf für Verteilungsgerechtigkeit sein. Nur so hat die Partei einen Existenzgrund."

Bas und Klingbeil hatten am Montag nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz eingeräumt, dass es eine Personaldebatte in der SPD gebe und geben müsse - einen Rücktritt lehnten sie aber ab. Die Frage nach neuen Köpfen an der Parteispitze sei am Montag im Parteivorstand "offensiv angesprochen" worden, sagte Bas am Montagabend den ARD-"Tagesthemen". Die Parteiführung sei jedoch "einhellig der Meinung" gewesen, dass es "keinen Sinn macht", diese lange Debatte jetzt zu führen.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Iran-Krieg: Angriffe gehen weiter - Israel meldet eine Tote und sieben Verletzte

Trotz diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges sind die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten mit unverminderter Härte fortgesetzt worden. In Israel wurden am Dienstag mindestens sieben Menschen durch iranische Angriffe verletzt. Die israelische Luftwaffe flog nach eigenen Angaben eine weitere Angriffswelle auf den Iran - und will im Kampf gegen die Hisbollah im Libanon nun das südliche Grenzgebiet bis zum Fluss Litani unter seine Kontrolle bringen. Im Norden Israels wurde israelischen Angaben zufolge eine Frau durch Raketenangriffe aus dem Libanon getötet. Pakistan brachte sich derweil als möglichen Austragungsort für Verhandlungen ins Gespräch.

Polizei startet Großeinsatz zu Castortransport durch Nordrhein-Westfalen

Die Polizei hat am Dienstag einen Großeinsatz zur Absicherung eines Castortransports durch Nordrhein-Westfalen gestartet. Der Einsatz zum Schutz der Atommüllbehälter entlang der Strecke von Jülich bei Aachen nach Ahaus in Münsterland habe begonnen, teilten die Beamten in Münster mit. Weitere Angaben wurden nicht gemacht.

Medien: Justiziar Heveling soll neuer Präsident des Bundesrechnungshofs werden

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge neuer Präsident des Bundesrechnungshofs werden. Das berichteten der "Tagesspiegel" und die "Rheinische Post" am Dienstag unter Berufung auf Unionskreise sowie Angaben des Politikers selbst. Die SPD habe ihre Zustimmung zu dem Personalvorschlag bereits signalisiert, die offizielle Wahl Hevelings im Bundestag sei für Anfang Mai vorgesehen, hieß es. Dafür ist die absolute Mehrheit nötig.

Chile entzieht Bachelet Unterstützung für Kandidatur als UN-Generalsekretärin

Chiles neuer ultrarechter Präsident José Antonio Kast hat der früheren Staatschefin Michelle Bachelet die Unterstützung für ihre Kandidatur für das Amt der UN-Generalsekretärin entzogen. Das erklärte das chilenische Außenministerium am Dienstag. Sollte Bachelet ihre Kandidatur aufrecht erhalten, werde die Regierung jedoch keinen anderen Kandidaten unterstützen.

Textgröße ändern: