Deutsche Tageszeitung - Mehrere Länder einigen sich auf Hormus-Mission - Merz bietet Minenräumer

Mehrere Länder einigen sich auf Hormus-Mission - Merz bietet Minenräumer


Mehrere Länder einigen sich auf Hormus-Mission - Merz bietet Minenräumer
Mehrere Länder einigen sich auf Hormus-Mission - Merz bietet Minenräumer / Foto: © POOL/AFP

Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges haben sich mehr als ein Dutzend Länder auf einen internationalen Einsatz zur Absicherung der Straße von Hormus nach einem Ende der Kampfhandlungen geeinigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte am Freitag in Paris die Beteiligung der Bundeswehr beim Minenräumen und bei der Seeaufklärung in Aussicht. Noch während der von Frankreich und Großbritannien einberufenen Konferenz erklärte der Iran, dass die für den Welthandel wichtige Meerenge während der derzeitigen Waffenruhe geöffnet werden solle.

Textgröße ändern:

An der Konferenz nahmen Vertreter von 50 Staaten und Organisationen teil, darunter etwa 30 Staats- und Regierungschefs. Die meisten von ihnen waren per Video zugeschaltet.

Merz begrüßte die iranische Ankündigung und forderte zugleich, dass die Öffnung "zuverlässig" und "dauerhaft" sein müsse. "Dies muss in vollkommener Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht so ausgestaltet werden, dass es keinerlei Einschränkungen gibt", fügte Merz hinzu. Auch Zahlungen für eine Durchfahrt, "in welcher Form auch immer", dürfe es nicht geben, betonte Merz.

Als Bedingungen für den geplanten internationalen Einsatz nannte Merz ein Ende der Kampfhandlungen und eine "sichere Rechtsgrundlage, etwa in Form einer Resolution des UN-Sicherheitsrates".

Eine Beteiligung der USA an dem Einsatz sei "wünschenswert", fügte er hinzu. "Dieser Krieg darf nicht zum transatlantischen Stresstest werden", sagte Merz. Zur Rolle der USA gab es jedoch unterschiedliche Ansichten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lehnte eine Beteiligung der USA strikt ab. Die Mission solle "klar von den Kriegsparteien getrennt sein", betonte er. Dabei solle es aber Absprachen mit den USA und mit Israel geben, fügte er hinzu.

Frankreich und Großbritannien zeigten sich bereit, die Leitung der multinationalen Mission zu übernehmen. Der Einsatz solle beginnen, "sobald die Umstände es zulassen", sagte der britische Premierminister Keir Starmer in Paris. "Das wird eine streng friedliche und defensive Mission, um die Handelsschifffahrt zu gewährleisten und die Minenräumung zu unterstützen", betonte er. Bei den Erklärungen der Staats- und Regierungschefs nach der Konferenz waren keine Journalistenfragen zugelassen.

Frankreich hat nach eigenen Angaben bereits einen Flugzeugträger, zehn Kriegsschiffe und 50 Flugzeuge im Mittelmeer und im Nahen Osten im Einsatz.

In Deutschland löste eine Beteiligung der Bundeswehr Kritik aus. Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack warnte vor einer Überlastung der deutschen Seestreitkräfte. "Wir haben die kleinste Marine aller Zeiten, aber eine Masse an Aufgaben", sagte Kaack vor der Pariser Konferenz der "Wirtschaftswoche". Linken-Chef Jan van Aken forderte Vorrang für diplomatische Initiativen. "Statt darüber zu diskutieren, wie man die Straße von Hormus militärisch sichert, muss es zuallererst darum gehen, eine umfassende Friedenslösung zu erreichen", sagte van Aken.

Die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus war zuletzt von einer doppelten Blockade betroffen: Der Iran versperrte seit Beginn der US-israelischen Angriffe Ende Februar weitgehend die Meerenge, indem er Schiffe angriff, mit Angriffen drohte oder Gebühren verlangte.

Das US-Militär blockierte seinerseits seit Anfang dieser Woche Schiffe, die iranische Häfen anlaufen wollen. US-Präsident Donald Trump verhängte diese Blockade, nachdem der Iran nicht die erwarteten Zugeständnisse beim Atomprogramm gemacht hatte. Sie solle ungeachtet der von Iran verkündeten Öffnung der Straße von Hormus fortgesetzt werden, bis es ein umfassendes Abkommen mit dem Iran gebe, sagte Trump am Freitag.

Der US-Präsident erklärte zudem, dass er ein Hilfsangebot der Nato mit Blick auf die Straße von Hormus abgelehnt habe. "Jetzt, wo die Situation an der Straße von Hormus zu Ende ist, habe ich einen Anruf von der Nato bekommen, ob wir Hilfe brauchen", schrieb er auf seiner Onlineplattform Truth Social. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen wegbleiben", fügte er hinzu. Es blieb allerdings unklar, ob er damit auf die geplante internationale Mission anspielte, die mit der Nato nichts zu tun hat - und keineswegs als Unterstützung der USA geplant ist.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Widerstand aus Mitgliedstaaten: EU richtet vorerst kein Verteidigungs-Expertengremium ein

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die geplante Einrichtung einer Expertengruppe für die europäische Verteidigung vorerst auf Eis gelegt. Das für Montag geplante Auftakttreffen des Gremiums wurde wegen der Einwände einiger Mitgliedstaaten kurzfristig abgesagt, wie EU-Vertreter am Montag bestätigten. Demnach kam der Widerstand zunächst aus Italien, Frankreich und Deutschland schlossen sich später an.

Nach Bruch mit Bundespartei: Frühere Thüringer BSW-Spitzenleute gründen neue Fraktion

Nach ihrem Bruch mit der BSW-Bundesspitze stellen sich die aus der Partei ausgetretenen bisherigen Thüringer BSW-Landtagsabgeordneten neu auf: Auf die Gründung einer Partei namens Thüringen.Gerecht am Sonntag folgte am Montag die Ankündigung, sich im Erfurter Landtag zu einer gleichnamigen Fraktion zusammenschließen. Das soll einem Sprecher zufolge am Mittwoch geschehen, zuvor löst sich die bisherige BSW-Fraktion auf.

Kubicki setzt sich Frist bis Mai 2027: FDP soll wieder über fünf Prozent kommen

Nach der schweren Niederlage der FDP bei der Wahl in Sachsen-Anhalt gibt sich der Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki selbst noch Zeit bis zum nächsten Frühjahr, um eine Trendwende zu erreichen. "Mir muss es gelingen, bis zum Mai nächsten Jahres die Freien Demokraten über fünf Prozent zu positionieren und auch wieder Wahlen zu gewinnen", sagte Kubicki am Montag in Berlin. Kubicki ließ offen, was er tut, falls er dieses Ziel verfehlt.

Kreml: Wiederaufnahme gemeinsamer Gespräche mit der Ukraine und den USA nicht ausgeschlossen

Russland hat sich offen gezeigt für eine Wiederaufnahme gemeinsamer Gespräche mit der Ukraine und den USA. "Auch wir schließen eine Wiederaufnahme des trilateralen Formats nicht aus", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag. Es sei aber noch zu früh, um über einen möglichen Ort oder genaue Termine für solche Treffen zu sprechen. Jeder "Versuch (...) stellt einen Schritt Richtung Frieden dar", fügte Peskow hinzu. Er dankte den US-Unterhändlern für ihre jüngste Initiative.

Textgröße ändern: