Deutsche Tageszeitung - Missbrauchsverdacht in Paris: Eltern bestehen auf öffentlichem Verfahren

Missbrauchsverdacht in Paris: Eltern bestehen auf öffentlichem Verfahren


Missbrauchsverdacht in Paris: Eltern bestehen auf öffentlichem Verfahren
Missbrauchsverdacht in Paris: Eltern bestehen auf öffentlichem Verfahren / Foto: © AFP

Ein ehemaliger Betreuer von Grundschulkindern muss sich wegen sexueller Übergriffe seit Dienstag in Paris vor Gericht verantworten. Der 36-Jährige verbarg sein Gesicht, als er den voll besetzten Gerichtssaal betrat, wie ein AFP-Reporter berichtete. Mehrere Elterngruppen, die keinen Platz im Saal fanden, versammelten sich vor dem Gericht.

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Es ist das erste Mal, dass ein solches Verfahren nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. "Wir hoffen auf eine Verurteilung, die die Richtung weist", sagte Anne, Mutter eines Jungen, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte.

"Der Prozess wirft eine größere Frage auf: Wie viele Kinder haben schon gesprochen, ohne, dass man ihnen wirklich zugehört hat?", sagte Barka Zerouali, die Sprecherin des Kollektivs #MetooEcole, das nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder gegründet wurde.

Im April 2025 hatten sich Eltern gemeldet, die ein verändertes Verhalten ihrer Töchter bemerkt hatten. Bei den Ermittlungen sagten mehrere Vorschul- und Grundschulkinder aus, dass der Betreuer sie an ihren Geschlechtsteilen angefasst habe.

Der Angeklagte bestritt während der Ermittlungen sexuelle Übergriffe. Er räumte jedoch ein, dass er sich nicht an das Verbot gehalten habe, Kinder auf den Schoß zu nehmen. Der 36-Jährige ist ein freier Journalist, der sich sein Einkommen als Nachmittagsbetreuer aufbessert. Er ist nicht vorbestraft.

Er steht im Verdacht, sich 2024 und 2025 an neun Kindern vergangen zu haben. Zudem soll er zwei Kolleginnen sexuell belästigt haben. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe wurde er vom Dienst suspendiert. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro. Sein Anwalt verzichtete zunächst auf eine Stellungnahme.

Im Mai hatte ein Pariser Gericht nach einem Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine 18-monatige Bewährungsstrafe für einen ehemaligen Kinderbetreuer gefordert. Das Urteil wird im Juni erwartet. Im September stehen drei weitere Prozesse an.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit nach eigenen Angaben wegen Gewalt unterschiedlicher Intensität an 84 Vorschulen, etwa 20 Grundschulen und zehn Kindertagesstätten.

Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire hatte den Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der städtischen Nachmittagsbetreuung zur Priorität erklärt. Der Stadtrat verabschiedete einen Aktionsplan, der 20 Millionen Euro umfasst - etwa für eine zweitägige Mindestausbildung der Betreuer.

In Paris wurden seit Beginn des Jahres 78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder suspendiert, unter ihnen 31 wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe. Die etwa 14.000 Betreuerinnen und Betreuer sind in den meisten Fällen auf Honorarbasis angestellt. Für die Stellen ist keine spezielle Ausbildung erforderlich.

(V.Sørensen--DTZ)

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