Deutsche Tageszeitung - Linken-Parteitag: Kämpferische Töne gegen Rechts und die Politik der Regierung

Linken-Parteitag: Kämpferische Töne gegen Rechts und die Politik der Regierung


Linken-Parteitag: Kämpferische Töne gegen Rechts und die Politik der Regierung
Linken-Parteitag: Kämpferische Töne gegen Rechts und die Politik der Regierung / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Scharfe Kritik an der Sozialpolitik der Bundesregierung und Aufrufe zum Kampf gegen Rechts haben den Auftakt des Linken-Bundesparteitags in Potsdam geprägt. "Der Gegner steht immer noch rechts", rief Parteichefin Ines Schwerdtner, die sich zur Wiederwahl stellt, am Freitag den Delegierten zu. Fraktionschefin Heidi Reichinnek warf der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor, den hart erkämpften Acht-Stunden-Tag "zerstören" zu wollen.

Textgröße ändern:

In Ostdeutschland trete dieser Gegner "gerade an die Schwelle zur Macht", warnte Schwerdtner. Die Linke werde daher alles dafür tun, "um die AfD von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten". Die AfD mache Politik gegen die arbeitende Bevölkerung - es gelte nun, die Arbeiterinnen und Arbeiter wieder für die Linke erreichbar zu machen.

Bereits im Vorfeld des Parteitag hatte der Bewerber um den Parteivorsitz, Luigi Pantisano, sich auf Länderebene auch für Bündnisse mit der CDU ausgesprochen, um eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern. Die Partei hat sich dazu aber noch nicht positioniert.

Es ziehe "ein Sturm auf", fuhr Schwerdtner fort und verwies auf das Vorgehen Rechter gegen Demokratie und Minderheiten. "Wenn dieser Sturm losbricht, wird er nicht spurlos an uns vorbeiziehen. Was er kaputt macht, das können wir nicht einfach wieder aufbauen." Den Delegierten rief sie zu: "Für diesen Sturm sind wir noch nicht gewappnet."

Als Protest gegen Kürzungen im Sozialbereich und militärische Aufrüstung kündigten Schwerdtner sowie auch die Fraktionsvorsitzenden Reichinnek und Sören Pellmann einen "Klassenkampf von unten" an und forderten, Vermögende im Land stärker finanziell zu beteiligen. Viele Delegierte im Saal hielten Schilder hoch: "Kürzt doch bei den Reichen." und "Merz stoppen."

Die Fraktionsspitze warf der Bundesregierung außerdem eine falsche Prioritätensetzung vor und kritisierte deren Arbeitsmarktpolitik: Für den Acht-Stunden-Tag hätten Arbeiterinnen und Arbeiter "jahrzehntelang hart gekämpft", sagte Reichinnek. "Den lassen wir uns von irgendeinem dahergelaufenen Friedrich oder irgendeinem dahergelaufenen Jens ganz sicher nicht nehmen."

Pellmann kritisierte, dass "für jeden Panzer" und "für jede Drohne ausreichend Geld" vorhanden sei - nicht aber "für den Erzieher, für den Pfleger, für die Busfahrerin". Diese Politik sei der falsche Weg. Außerdem wolle die Linke "nicht in einem Land leben, das seine Jugend auf Krieg trimmt".

Die Parteichefin sowie auch die Fraktionsspitze bemühten sich in ihren Reden um eine ausgleichende Position beim Streitthema Nahost. Die Partei müsse "es ertragen können, in der Sache miteinander zu ringen, aber auch mal unterschiedlicher Auffassung zu sein", sagte Schwerdtner. Jüdisches Leben müsse geschützt und zugleich das Leid im Gazastreifen anerkannt werden. "Unser Blick ist immer der von Menschen, die vor den Bomben fliehen. In Gaza, in der Ukraine, im Iran, überall."

Im Vorfeld des Parteitags hatte die Verbreitung antisemitischer Äußerungen von Mitgliedern der Linken-Jugendorganisation Solid für Wirbel gesorgt. Mehrere ranghohe Linken-Politiker stellten daraufhin klar, dass Antisemitismus in der Partei "keinen Platz" habe. Zugleich warb unter anderem Pantisano vor dem Parteitag für eine differenzierte Haltung der Linken zum Nahost-Konflikt.

Der Parteitag steht unter dem Motto "Es reicht!" und betont die Notwendigkeit, das Leben der Menschen im Land wieder bezahlbar zu machen. Zur Debatte stand auch der Leitantrag "Die Linke als Steinhaus bauen", der als zentrale Aufgabe die Verankerung der Linken in der Gesellschaft vorsieht.

Das Bild des "Steinhauses" spielt auf das englische Tiermärchen der drei kleinen Schweinchen an. Das erste baut ein Haus aus Stroh, was nicht vor dem Wolf schützt, das zweite eins aus Holz, das schon stabiler dasteht und das dritte schließlich eins aus Stein, das die Tiere vor dem Angreifer schützt.

"Momentan haben wir ein solides Fundament aus Holz gebaut", heißt es im Leitantrag. Ziel sei jedoch, "ein stabiles Steinhaus zu bauen".

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Berliner SPD lässt Mitglieder über mögliche rot-grün-rote Koalition abstimmen

Die Berliner SPD lässt ihre Mitglieder über eine mögliche Koalition mit Linken und Grünen abstimmen. Dies segnete der Landesvorstand am Freitag abschließend ab, wie ein Sprecher mitteilte. "Damit erhalten alle Mitglieder der Berliner SPD die Möglichkeit, über die Annahme des ausgehandelten Koalitionsvertrags zu entscheiden."

Linnemann legt Krankenkassen-Zusatzbeitrag für 2027 auf 2,9 Prozent fest

Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die Krankenkassen für das kommende Jahr auf 2,9 Prozent festgelegt - damit bleibt er stabil. Der Satz sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, "diese Entwicklung haben wir jetzt gestoppt", erklärte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Freitag. Schon für dieses Jahr hatte das Ministerium den Zusatzbeitrag auf diesen Wert festgelegt. De facto lag er aber darüber.

Druck von Behörden: Unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" gibt Schließung bekannt

Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" stellt nach eigenen Angaben angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit ein. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer am Freitag auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. "Die russischen Behörden, die russischen Geheimdienste haben die Redaktion dazu gezwungen, ihre Arbeit einzustellen."

Merz äußert bei Besuch in Südkorea Hoffnung auf Wiedervereinigung mit dem Norden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei einem Besuch der Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea die Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung Koreas geäußert. Er sei dankbar, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen", sagte Merz am Freitag bei einer Rede an der DMZ laut Redetext. "Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, seine staatliche Einheit zurückzugewinnen", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: