Deutsche Tageszeitung - Neue israelische Angriffe im Libanon trotz Waffenruhe - US-Gesandte in der Schweiz

Neue israelische Angriffe im Libanon trotz Waffenruhe - US-Gesandte in der Schweiz


Neue israelische Angriffe im Libanon trotz Waffenruhe - US-Gesandte in der Schweiz

Ungeachtet einer am Tag zuvor verkündeten Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz sind die gegenseitigen Angriffe am Samstag fortgesetzt worden. Bei israelischen Luftangriffen auf Ziele im Süden des Libanon seien alleine in der Region Nabatije 16 Menschen getötet worden, teilte der libanesische Zivilschutz mit. Israels Armee erklärte, sie habe als Reaktion auf den nächtlichen Beschuss israelischer Soldaten durch die Hisbollah Stellungen der vom Iran unterstützten Miliz ins Visier genommen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reiste derweil im Zusammenhang mit den geplanten Iran-Verhandlungen in die Schweiz.

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Israel griff nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA am frühen Samstagmorgen mehr als ein Dutzend Orte im Süden des Libanon an. In der Stadt Arab Salim seien drei Menschen getötet worden. Zwei weitere Todesopfer gab des demnach in Deir Sahrani und Dweir.

Die libanesische Armee teilte mit, auf der Straße zwischen Kfar Rumman und Nabatije sei ein Soldat getötet worden. Israel ziele mit der Fortsetzung seiner "brutalen Angriffe darauf ab, jede Lösung zu verhindern, die eine Wiederherstellung der Stabilität im Libanon ermöglichen würde", erklärte die Armee.

Der Hisbollah-Vertreter Hassan Fadlallah sagte, die Miliz habe "das uneingeschränkte Recht, diesem Feind entgegenzutreten, wenn er uns angreift". Es sei entscheidend, dass Israel die Waffenruhe "vollständig und umfassend einhält und nicht versucht, unser Land und unsere Dörfer anzugreifen oder neue Stellungen zu besetzen", sagte der Abgeordnete der Hisbollah im libanesischen Parlament.

Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz hatten sich am Vortag nach US-Angaben auf eine Waffenruhe verständigt. Die Feuerpause trat demnach am Freitagnachmittag in Kraft. Die heftigen gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah hatten das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gefährdet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht.

Der Libanon hatte am Freitag mindestens 47 Tote durch israelische Angriffe gemeldet. Die israelische Armee erklärte, vier ihrer Soldaten seien bei Angriffen der Hisbollah getötet worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bekräftigte am Freitag, dass die israelische Armee "so lange wie nötig in der Sicherheitszone im Süden des Libanon bleiben" werde. Israel werde "keinen Angriff auf unsere Soldaten oder unser Territorium hinnehmen", betonte er.

Die Hisbollah hatte den Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor. Eine zwischen beiden Ländern vereinbarte Waffenruhe erkannte die Miliz nie an.

Auch die direkten Gespräche über eine langfristige Friedenslösung zwischen den beiden Nachbarländern, die sich offiziell im Kriegszustand befinden, lehnt die Hisbollah ab. Eine fünfte Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon ist nach US-Angaben für Dienstag geplant.

Der für Freitag vorgesehene Beginn vertiefter Verhandlungen in der Schweiz zwischen dem Iran und den USA war am Donnerstag hingegen kurzfristig abgesagt worden. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff brach am Freitag zu einem Besuch in der Schweiz auf, wie das Nachrichtenportal "Axios" berichtete. Ob sich der Unterhändler von US-Präsident Donald Trump dort mit iranischen Vertretern treffen würde, war zunächst unklar.

Nach der Absage des für Freitag geplanten Verhandlungsauftakts sei Washington darum bemüht, die Gespräche mit Teheran "wieder in Gang zu bringen", meldete der US-Sender CNN. Neben Witkoff sei auch Trumps Schwiegersohn und Gesandter Jared Kushner involviert. Er hält sich laut "Axios" bereits in der Schweiz auf.

Das Weiße Haus hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass US-Vizepräsident JD Vance seinen Besuch in der Schweiz vorerst verschoben habe. Die Schweizer Regierung erklärte, sie setze die Vorbereitungsarbeiten fort, um die Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt "moderieren" zu können.

Im Gegensatz zur US-Seite hatte die iranische Regierung nach Angaben der Agentur Tasnim nie bestätigt, dass eine Delegation in die Schweiz fahren sollte. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi reiste derweil am Samstag nach Angaben iranischer Medien in den Iran. Hintergrund seien die Bemühungen Pakistans "um die iranisch-amerikanischen Verhandlungen", berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna.

Das unter Vermittlung Pakistans und Katars ausgehandelte Rahmenabkommen sieht vor, binnen 60 Tagen einen endgültigen Vertrag für eine umfassende Friedenslösung auszuhandeln. Inhalt der Übereinkunft ist außerdem ein Ende der Gefechte auch im Libanon. Darüber hinaus hatte Teheran eine Verdünnung des hochangereicherten Urans in Aussicht gestellt. Diese Maßnahme soll das Land am Bau der Atombombe hindern. Die Rahmenvereinbarung sieht auch eine Öffnung der monatelang blockierten Straße von Hormus vor.

(L.Møller--DTZ)

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