Deutsche Tageszeitung - Trotz Waffenruhe mit Hisbollah: Zahlreiche Tote bei neuen israelischen Angriffen im Libanon

Trotz Waffenruhe mit Hisbollah: Zahlreiche Tote bei neuen israelischen Angriffen im Libanon


Trotz Waffenruhe mit Hisbollah: Zahlreiche Tote bei neuen israelischen Angriffen im Libanon
Trotz Waffenruhe mit Hisbollah: Zahlreiche Tote bei neuen israelischen Angriffen im Libanon / Foto: © AFP

Ungeachtet einer am Tag zuvor verkündeten Waffenruhe haben sich Israel und die Hisbollah-Miliz am Samstag erneut gegenseitig angegriffen. Bei israelischen Luftangriffen wurden nach libanesischen Angaben im Süden des Landes mehr als 20 Menschen getötet. Israels Armee erklärte, sie habe als Reaktion auf den nächtlichen Beschuss israelischer Soldaten durch die Hisbollah Stellungen der vom Iran unterstützten Miliz ins Visier genommen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reiste derweil im Zusammenhang mit den geplanten Iran-Verhandlungen in die Schweiz.

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Israel griff nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA am frühen Samstagmorgen rund 20 Orte im Süden und Osten des Libanon an. In der Region Nabatije seien 16 Menschen getötet worden, teilte der libanesische Zivilschutz mit. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah Rauch über der Stadt Nabatije aufsteigen. Nahe der Stadt Sidon wurden laut NNA sieben weitere Menschen bei einem israelischen Angriff getötet.

Die libanesischen Armee hatte zuvor erklärt, auf der Straße zwischen Kfar Rumman und Nabatije sei ein Soldat durch israelischen Beschuss getötet worden. Israel ziele mit der Fortsetzung seiner "brutalen Angriffe darauf ab, jede Lösung zu verhindern, die eine Wiederherstellung der Stabilität im Libanon ermöglichen würde", erklärte die Armee.

Nach Angaben der israelischen Armee hatte die Hisbollah in der Nacht 50 Projektile auf israelische Soldaten im Süden des Libanon abgefeuert. Daraufhin habe das Militär Stellungen der Miliz angegriffen.

Die Hisbollah erklärte, sie habe einen Vorstoß israelischer Soldaten abgewehrt, die versucht hätten, auf eine strategisch wichtige Anhöhe oberhalb von Nabatije vorzurücken. Die Miliz erklärte, sie bekenne sich zu der Waffenruhe, werde aber "bei der Abwehr der Versuche des Feindes (...), seine Besatzung auszuweiten, keine Nachsicht walten lassen".

Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz hatten sich am Vortag nach US-Angaben auf eine Waffenruhe verständigt, die am Freitagnachmittag in Kraft trat. Die heftigen gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah hatten das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gefährdet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht.

Am Freitag hatte der Libanon mindestens 47 Tote durch israelische Angriffe gemeldet. Die israelische Armee erklärte, vier ihrer Soldaten seien bei Angriffen der Hisbollah getötet worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bekräftigte am Freitag, dass die israelische Armee "so lange wie nötig in der Sicherheitszone im Süden des Libanon bleiben" werde. Israel werde "keinen Angriff auf unsere Soldaten oder unser Territorium hinnehmen", betonte er.

Die Hisbollah hatte den Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor. Eine zwischen beiden Ländern vereinbarte Waffenruhe erkannte die Hisbollah nie an.

Auch die direkten Gespräche über eine langfristige Friedenslösung zwischen den beiden Nachbarländern, die sich offiziell im Kriegszustand befinden, lehnt die Miliz ab. Eine fünfte Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon ist nach US-Angaben für Dienstag geplant.

Der für Freitag vorgesehene Beginn vertiefter Verhandlungen in der Schweiz zwischen dem Iran und den USA war am Donnerstag hingegen kurzfristig abgesagt worden. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff brach am Freitag zu einem Besuch in der Schweiz auf, wie das Nachrichtenportal "Axios" berichtete. Ob sich der Unterhändler von US-Präsident Donald Trump dort mit iranischen Vertretern treffen würde, war zunächst unklar.

Nach der Absage des Verhandlungsauftakts sei Washington darum bemüht, die Gespräche mit Teheran "wieder in Gang zu bringen", meldete der US-Sender CNN. Neben Witkoff sei auch Trumps Schwiegersohn und Gesandter Jared Kushner involviert. Er hält sich laut "Axios" bereits in der Schweiz auf.

Das Weiße Haus hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass US-Vizepräsident JD Vance seinen Besuch in der Schweiz vorerst verschoben habe. Im Gegensatz zur US-Seite hatte die iranische Regierung nach Angaben der Agentur Tasnim nie bestätigt, dass eine Delegation in die Schweiz fahren sollte.

Das unter Vermittlung Pakistans und Katars ausgehandelte Rahmenabkommen sieht vor, binnen 60 Tagen einen endgültigen Vertrag für eine umfassende Friedenslösung auszuhandeln. Inhalt der Übereinkunft ist außerdem ein Ende der Gefechte auch im Libanon. Darüber hinaus hatte Teheran eine Verdünnung des hochangereicherten Urans in Aussicht gestellt. Diese Maßnahme soll das Land am Bau der Atombombe hindern. Die Rahmenvereinbarung sieht auch eine Öffnung der monatelang blockierten Straße von Hormus vor.

(V.Sørensen--DTZ)

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