Deutsche Tageszeitung - Bundesrat stimmt Verschärfung von digitalem Wettbewerbsgesetz zu

Bundesrat stimmt Verschärfung von digitalem Wettbewerbsgesetz zu


Bundesrat stimmt Verschärfung von digitalem Wettbewerbsgesetz zu
Bundesrat stimmt Verschärfung von digitalem Wettbewerbsgesetz zu / Foto: ©

Der Bundesrat hat eine Reform des Wettbewerbsrechts gebilligt, die den Kartellbehörden die Ahndung von Wettbewerbsverstößen großer Internetkonzerne erleichtern soll. Die Länderkammer verabschiedete am Montag eine entsprechende Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB). Das Bundeskartellamt erhält damit mehr Ermittlungsbefugnisse und leichteren Zugriff auf marktrelevante Digitalunternehmen wie Google oder Facebook. Der Bundestag hatte die Gesetzesänderung am vergangenen Donnerstag beschlossen.

Textgröße ändern:

Die Reform soll den Wettbewerb in der schnelllebigen digitalen Welt besser schützen und dem Missbrauch der Marktmacht von Unternehmen mit sogenannter überragender marktübergreifender Bedeutung vorbeugen. Unter anderem soll großen Online-Händlern wie Amazon künftig untersagt sein, eigene Produkte auf ihrer Plattform besser zu stellen als die von Wettbewerbern - etwa bei der Darstellung der Suchergebnisse.

Der Präsident des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, der auch Mitglied der Monopolkommission ist, lobte die Reform: "Deutschland prescht mit dieser Novelle zu einem ’GWB-Digitalisierungsgesetz’ voran, während in den USA die Missbrauchsverfahren gegen die großen Plattformen-Unternehmen anlaufen und die Europäische Kommission mit ihrem Digital Markets Act erst im Dezember 2020 eigene Vorschläge zur Regulierung der Big Techs vorgelegt hat."

Auf die "marktmächtigen Plattformen-Unternehmen" werde in Deutschland "einiges" zukommen, prognostizierte Wambach. So könne das Bundeskartellamt für die mächtigen Digitalkonzerne "spezifische Verhaltensregeln" anordnen. Dabei habe der deutsche Weg eine "gewisse Eleganz": "Er vermeidet strikte Per-se-Verbote, wie sie die Europäische Kommission vorsieht und die sich wettbewerbshindernd auswirken können. Dennoch erlaubt das neue GWB einen schnelleren Verfahrensablauf, sodass die digitale Ökonomie nicht ausgebremst wird."

Der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hatte nach dem Bundestagsbeschluss vergangene Woche ein härteres Vorgehen gegen große Internetkonzerne angekündigt, die gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen. Derzeit gebe es fast keinen fairen Wettbewerb mehr im Netz, beklagte er im RBB-Inforadio.

Auch Verbraucherschützer hatten die Reform begrüßt. Kritik gab es dagegen vom Digitalverband Bitkom. Die Novelle drohe datengetriebene Modelle im Netz auszubremsen, warnte der Verband. Aufsichtsbehörden sollten "nur bei eindeutigem Marktversagen in den Wettbewerb eingreifen".

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Hinweise auf Markteinführung von selbsfahrendem Taxi von Tesla verdichten sich

Beim E-Autobauer Tesla verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Markteinführung seines fahrerlosen Taxis Cybercab. Für den 3. September kündigte das US-Unternehmen am Samstag eine Veranstaltung im texanischen Austin an.

"Krieg": Neue US-Zölle gegen Kanada nach Scheitern von Verhandlungen in Kraft getreten

Kanadas Premierminister Mark Carney spricht von "Krieg": Nach dem Scheitern tagelanger fieberhafter Verhandlungen im Zollstreit zwischen den USA und Kanada sind am Samstag neue US-Zölle auf kanadische Produkte in Kraft getreten. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer gab das Scheitern der Verhandlungen in der Nacht unmittelbar vor dem Ablauf einer von Präsident Donald Trump gesetzten Frist bekannt. Carney kündigte Gegenzölle an.

Südkorea schickt erstes Containerschiff durch die Arktis

In Südkorea ist erstmals ein Containerschiff in See gestochen, das über die Arktisroute nach Europa fahren soll. Die "Panstar Acro" habe am Samstagmorgen im Hafen von Busan abgelegt, teilte das Meeresministerium in Seoul auf AFP-Anfrage mit. Das Frachtschiff soll über die Arktis nach Felixstowe in Großbritannien, Rotterdam in den Niederlanden und Danzig in Polen fahren. Es ist ein Test, ob eine durch das schmelzende Eis eröffnete Route wirtschaftlich rentabel sein kann.

Hohe Spritpreise: Klingbeil dringt auf Übergewinnsteuer für Ölkonzerne

Angesichts der weiterhin hohen Spritpreise an den Tankstellen pocht Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. "Wir müssen das Problem der hohen Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk zur Besteuerung von Zufallsgewinnen diskutieren", fordern Klingbeil und fünf europäische Kollegen in einem Schreiben. In der aktuellen Krise dürfe es keine "Abzocke durch Energiekonzerne" geben - das habe Klingbeil mehrfach deutlich gemacht, hieß es aus dem Finanzministerium in Berlin.

Textgröße ändern: