Deutsche Tageszeitung - Zehntausende Boeing-Mitarbeiter stimmen über Streik ab

Zehntausende Boeing-Mitarbeiter stimmen über Streik ab


Zehntausende Boeing-Mitarbeiter stimmen über Streik ab
Zehntausende Boeing-Mitarbeiter stimmen über Streik ab / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Zehntausende Mitarbeiter des US-Flugzeugbauers Boeing stimmen am Mittwochnachmittag über einen möglichen Streik ab. Die Gewerkschaft IAM organisiert das Votum in Form eines Massenevents in einem Baseball-Stadion im nordwestlichen Seattle. Sie vertritt insgesamt 32.000 Beschäftigte, 30.000 davon in Boeing-Werken in Renton und Everett in der Umgebung von Seattle, wo die Modelle 737 und 777 gefertigt werden.

Textgröße ändern:

IAM verhandelt seit März mit Boeing über einen neuen Tarifvertrag. Der laufende Vertrag wurde vor 16 Jahren geschlossen und läuft am 12. September aus. Bisher liegt kein konkretes Angebot des Arbeitgebers vor. Zum Streik würde es wohl erst kommen, wenn im September ein tatsächliches Angebot in einer zweiten Abstimmung abgelehnt würde. Boeing sprach mit Blick auf die Abstimmung deshalb von einem "formellen" Schritt.

"Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir eine Einigung erzielen können, die die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter und die wirtschaftlichen Realitäten, mit denen wir als Unternehmen konfrontiert sind, in Einklang bringt", erklärte das Unternehmen. Boeing-Chef Dave Calhoun hat den Angestellten eine wie auch immer geartete Gehaltserhöhung versprochen.

Der Gewerkschafter Jon Holden forderte eine "substanzielle" Lohnerhöhung von mindestens 40 Prozent sowie Vorkehrungen für Gesundheitsfürsorge, Altersvorsorge und Arbeitsplatzsicherheit. Er bezeichnete eine kräftige Lohnerhöhung als zwingend erforderlich, nachdem die Beschäftigten in den vergangenen acht Jahren trotz "massiver Inflation" nur minimale Erhöhungen zum Teuerungsausgleich erhalten hätten.

Nach Angaben der Gewerkschaft stecken die Verhandlungen seit mehreren Wochen fest. Sie hofft auf eine überwältigende Beteiligung am Mittwoch, um Boeing eine deutliche Botschaft zu senden. Neben dem Event zur Abstimmung im T-Mobile-Park plant IAM einen Umzug mit 800 Motorrädern.

Boeing kündigte an, den Mitarbeitern zu erlauben, die Arbeit früher zu verlassen oder später zu kommen, um ihnen die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen. "Wir respektieren und unterstützen das Recht unserer Mitarbeiter, an der Abstimmung am 17. Juli teilzunehmen", erklärte das Unternehmen im Vorfeld. Ein Ergebnis der Abstimmung wurde am Abend erwartet.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Glücksspiel im Internet: BGH prüft Rückforderung von verlorenen Einsätzen

Die Frage, ob Spieler verlorene Einsätze von möglicherweise verbotenen Glücksspielen im Internet zurückbekommen, wird nun grundsätzlich vom Bundesgerichtshof (BGH) geklärt. Am Donnerstag verhandelte er in Karlsruhe über einen Fall, den er zum Leitentscheidungsverfahren erklärte. Andere Gerichte können sich später an dem Urteil orientieren - noch fiel aber keine Entscheidung. (Az.I ZR 216/25 und I ZR 78/25)

KI-Aufholjagd: Europa macht bei industriellen Anwendungen Boden gut

Bei Künstlicher Intelligenz (KI) droht Europa bei großen Sprachmodellen wie ChatGPT und Co. den Anschluss zu verlieren – bei industrieller KI gibt es laut einer Studie jedoch eine Aufholjagd: Die Investitionen in KI-Anwendungen, die in der Realwirtschaft zum Einsatz kommen, nähern sich dem US-Niveau, wie das Beratungsunternehmen McKinsey und das Software-Branchennetzwerk Boardwave am Donnerstag mitteilten. Laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) haben Deutschland und Europa das Potenzial, "zur führenden Kraft der industriellen KI zu werden".

US-Kongress will Haushalte vor steigenden Stromkosten durch Rechenzentren schützen

Das US-Repräsentantenhaus hat einen Gesetzentwurf zum Schutz von Privatleuten vor steigenden Stromkosten durch Rechenzentren verabschiedet. Für den parteiübergreifenden Entwurf stimmten am Mittwoch (Ortszeit) in Washington 417 Abgeordnete - nur drei votierten dagegen. Das Gesetz schreibt Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden vor, um sicherzustellen, dass die Betreiber von Rechenzentren die zusätzlichen Kosten für den immensen Strombedarf sowie die dafür erforderliche Infrastruktur tragen.

Ukrainische Regierung plant 2027 Rekordausgaben für Verteidigung

Wegen steigender Militärausgaben im Ukraine-Krieg plant die Regierung in Kiew im Haushalt 2027 Rekordausgaben für die Verteidigung. Zwei Drittel des Haushaltes sind für diesen Bereich vorgesehen, wie aus Regierungsdokumenten hervorgeht, welche die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag einsehen konnte. 4,9 Billionen Hrywnja (etwa 95 Milliarden Euro) sind laut Finanzministerium für Verteidigung und Sicherheit eingeplant - so viel wie noch nie seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022.

Textgröße ändern: