Deutsche Tageszeitung - Organisationen erwarten Rückgang der Entwicklungsausgaben und warnen vor Folgen

Organisationen erwarten Rückgang der Entwicklungsausgaben und warnen vor Folgen


Organisationen erwarten Rückgang der Entwicklungsausgaben und warnen vor Folgen
Organisationen erwarten Rückgang der Entwicklungsausgaben und warnen vor Folgen / Foto: © AFP

Die Hilfsorganisationen Terre des Hommes und Welthungerhilfe haben sinkende Ausgaben der großen Industrieländer für die Entwicklungszusammenarbeit prognostiziert und vor diesem Hintergrund vor den Folgen für die betroffenen Länder gewarnt. Vor allem die USA, aber auch Deutschland, Großbritannien und andere große Geberländer wollten im kommenden Jahr Entwicklungsausgaben kürzen, beklagen die Organisationen in ihrem am Dienstag veröffentlichten "Kompass 2025" der Entwicklungszusammenarbeit.

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Deutschland gehört zu den Ländern, die sich vorgenommen haben, mindestens 0,7 Prozent des sogenannten Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungsleistungen zu investieren - dieser Wert wird ODA-Quote genannt. Das Bruttonationaleinkommen erfasst die Einkommen aller Inländer und Wirtschaftseinheiten, unabhängig davon, ob diese im Inland erzielt wurden oder aus dem Ausland zufließen.

Bereits bekannt geworden war, dass Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit 2020 das selbst gesteckte Ziel bei den Entwicklungsausgaben verfehlte. Die neue Regierungskoalition vereinbarte zudem, dass zur Haushaltskonsolidierung die Ausgaben in diesem Bereich weiter reduziert werden sollen. Es müsse "eine angemessene Absenkung" der ODA-Quote geben, heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD.

Größere Einsparungen seien noch bei den USA und Großbritannien zu erwarten, heißt es nun in einem Ausblick auf 2026 im "Kompass" von Terres des Hommes und Welthungerhilfe. Die Autorinnen und Autoren werten diese Entwicklung als Rückschritt etwa für den globalen Kampf gegen den Hunger.

"Durch die drastischen Kürzungen eines erheblichen Teils öffentlicher Entwicklungsfinanzierung drohen vor allem unmittelbare Auswirkungen auf vulnerable und marginalisierte Bevölkerungsgruppen, die in besonderem Maße von Hunger betroffen sind", heißt es in dem Bericht. "Es wird geschätzt, dass allein die Kürzung der Mittel für schwere akute Unterernährung dazu führen könnte, dass 2,3 Millionen Kinder nicht mehr versorgt werden."

Vor allem in Ländern in Afrika und im Nahen Osten könnten die Folgen spürbar werden, heißt es weiter - etwa in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Somalia. Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln seien schon jetzt vielerorts Verschlechterungen bei der Gesundheitssituation sowie bei der Wasser- und Sanitärversorgung zu sehen.

Mit Blick speziell auf die geplanten deutschen Einsparungen bei Entwicklungsausgaben kritisierte Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes: "Das wäre ein fataler Schritt für Millionen von Kindern und Familien, deren Überleben von medizinischer Versorgung oder von Zugang zu Nahrungsmitteln abhängt."

In Ländern wie Afghanistan, Burundi oder Liberia seien Hunger und Armut besonders hoch und die Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit könnten entscheidend dazu beitragen, soziale Sicherungssysteme auszubauen, betonte Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "Im Koalitionsvertrag fehlt ein deutliches Bekenntnis zur Unterstützung dieser Länder", kritisierte er.

(A.Nikiforov--DTZ)

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