Deutsche Tageszeitung - Zahl der Kurzarbeiter binnen eines Jahres stark gestiegen

Zahl der Kurzarbeiter binnen eines Jahres stark gestiegen


Zahl der Kurzarbeiter binnen eines Jahres stark gestiegen
Zahl der Kurzarbeiter binnen eines Jahres stark gestiegen / Foto: ©

Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit ist binnen eines Jahres stark gestiegen. Während im Mai 2018 rund 12.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld bezogen, waren es im Mai 2019 mehr als dreimal so viel, nämlich 41.000, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht. Grüne und SPD sprachen sich angesichts dieser Entwicklung dafür aus, Arbeitnehmer über einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung besser für die Zukunft zu wappnen.

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Der starke Anstieg der Zahl der Kurzarbeiter sei ein Indikator für die sich abschwächende Konjunktur, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, der die Anfrage an das Bundesarbeitsministerium gestellt hatte. Wichtiger als die kurzfristigen konjunkturellen Probleme seien aber die mittelfristigen strukturellen Herausforderungen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Der notwendige ökologische Wandel und die Digitalisierung erfordern grundlegendere Reformen am Arbeitsmarkt."

Nötig seien deshalb Maßnahmen, die dafür sorgten, dass die Menschen besser für die künftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet seien. Die kürzlich von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgelegten Vorschläge für ein "Arbeit-von-morgen-Gesetz" griffen allerdings "viel zu kurz", kritisierte Strengmann-Kuhn.

Er forderte eine sogenannte Arbeitsversicherung und die Einführung eines Rechts auf Weiterbildung für alle, das mit einer angemessenen sozialen Absicherung verknüpft ist. Mit einer Arbeitsversicherung ist also gemeint, dass nicht nur Arbeitslose, sondern alle Beschäftigten von Angeboten profitieren.

"Die Menschen sollen sich motiviert fühlen, wenn sie sich auf die neuen Tätigkeiten und Jobs durch Qualifizierung vorbereiten", erläuterte Strengmann-Kuhn. Existenzsorgen dürften die Menschen mit geringen beruflichen Qualifikationen und niedrigen Gehältern nicht länger davon abhalten, neue Chancen zu ergreifen.

Heil hatte Mitte August ein Konzept für das "Arbeit-von-morgen-Gesetz" vorgelegt. Bei einer Weiterbildung soll es demnach die Möglichkeit höherer Zuschüsse an Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowohl zum Entgelt als auch zu den Weiterbildungskosten geben. Der Minister will zudem längere Weiterbildungen unabhängig vom Alter und Beruf ermöglichen. Kurzarbeit soll wenn möglich mit Qualifizierung verbunden werden.

Wie die SPD-Fraktion am Mittwoch bekräftigte, soll dies aber nur ein erster Schritt sein. "Es freut mich sehr, dass die Grünen Positionen der SPD übernehmen", sagte die arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecherin Kerstin Tack. "Die von Strengmann-Kuhn geforderte Arbeitsversicherung und das Recht auf Weiterbildung stehen in unserem Sozialstaatspapier", betonte die Sozialdemokratin.

Auf dem Weg dorthin sei die im "Arbeit-von-morgen-Gesetz" vorgesehene stärkere Verknüpfung von Kurzarbeit und Qualifizierung ein "weiterer wichtiger Baustein dafür, dass die Beschäftigten von heute auch die Arbeit von Morgen machen können."

(W.Uljanov--DTZ)

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