Deutsche Tageszeitung - Studie: Hälfte der Ukraine-Geflüchteten in Arbeit - aber strukturelle Grenzen

Studie: Hälfte der Ukraine-Geflüchteten in Arbeit - aber strukturelle Grenzen


Studie: Hälfte der Ukraine-Geflüchteten in Arbeit - aber strukturelle Grenzen
Studie: Hälfte der Ukraine-Geflüchteten in Arbeit - aber strukturelle Grenzen / Foto: © AFP/Archiv

Die Hälfte der zu Beginn vor dem Krieg aus der Ukraine Geflüchteten hat Arbeit in Deutschland gefunden - trotzdem liegt das Beschäftigungsniveau unter dem tatsächlichen Potenzial. Dabei geraten die Betroffenen zudem rasch an strukturelle Grenzen, vor allem Frauen, wie eine am Dienstag vorgestellte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab. Das betrifft unter anderem die Art der Berufe und den Lohn.

Textgröße ändern:

Für die IAB-Analyse wurden Ukrainerinnen und Ukrainer im erwerbsfähigen Alter befragt, die zwischen Februar 2022 mit Ausbruch des Krieges und Ende August 2022 nach Deutschland flohen. So kamen Angaben von 2746 Menschen zusammen. Den Ergebnissen zufolge stiegen die Beschäftigungsquoten deutlich mit der Aufenthaltsdauer: Sechs Monate nach der Flucht waren zwölf Prozent abhängig beschäftigt, nach einem Jahr 15 Prozent, nach zwei Jahren 25 Prozent und nach dreieinhalb Jahren dann 50 Prozent.

Damit lag die Beschäftigung zwar deutlich unter dem Niveau der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter - diese betrug im Juni 2025 rund 68 Prozent. Zugleich gelang den ukrainischen Geflüchteten der Zugang zum Arbeitsmarkt schneller als den Menschen aus der Migrationswelle von 2015. Denn sie unterlagen keinen Beschäftigungsverboten, hatten einen gesicherten Aufenthaltsstatus und waren in die Grundsicherung integriert. Besonders jene, die seit Juni 2022 kamen, profitierten von der Integration in die Systeme.

Yuliya Kosyakova vom IAB verwies daher auf ein "ambivalentes Gesamtbild" und verwies vor allem auf die schwierige Lage von Frauen. Es seien ganz überwiegend Frauen und viele Kinder nach Deutschland gekommen und der Betreuungsaufwand sei hoch. Dabei gehe es nicht nur um die Betreuung durch Kitas und Schulen, sondern auch um die psychologische Begleitung zu Hause.

So waren der Studie zufolge im September 2025 nur 21 Prozent der Ukrainerinnen mit Kleinkindern unter drei Jahren und ohne Partner abhängig beschäftigt. Deutlich höher war der Wert bei Frauen mit Partnern oder ohne Kleinkinder.

Frauen arbeiteten zudem häufig in Teilzeit und in einfachen Tätigkeiten, was zu strukturell niedrigeren Verdiensten führe. Noch immer seien daher eine bessere Kinderbetreuung, die gezielte Förderung von Beschäftigung passend zu Berufsabschlüssen sowie weiterführende Sprach- und Fortbildungsangebote nötig, hieß es.

Das IAB fürchtet zudem, dass sich der sogenannte Rechtskreiswechsel "integrationspolitisch kontraproduktiv" auswirken wird. Die Tatsache, dass ukrainische Geflüchtete, die nach dem 1. April 2025 nach Deutschland gekommen sind, künftig nur noch die deutlich niedrigeren Asylleistungen erhalten sollen, "dürfte dazu führen, dass arbeitsmarktpolitische Unterstützung später und weniger koordiniert einsetzt", heißt es in der Studie.

Kritisch sehen die Autorin und die Autoren zudem jedwede Einschränkung beim frühzeitigen Zugang zu Integrations- und Sprachkursen, die bereits aus dem Rechtskreiswechsel resultiert. Sprachförderung sei ein "zentraler Faktor für schnelle und stabile Arbeitsmarktübergänge", heißt es in der Studie. Zusätzlich erschwert wird das Ganze durch die kürzlich aus finanziellen Gründen teilweise gestoppten Integrationskurse für Migrantinnen und Migranten.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Reichinnek zu Kürzungen bei Unterhaltsvorschuss: "Nächster Tiefschlag für Kinder"

Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat die von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) geplanten Einschnitte beim staatlichen Unterhaltsvorschuss scharf kritisiert. "Es ist mal wieder soweit - die Bundesregierung beweist, dass sie immer noch tiefer sinken kann, als man es für möglich gehalten hätte", sagte Reichinnek am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Kürzungen beim Elterngeld und der Streichung des Kindersofortzuschlags plane Prien "den nächsten Tiefschlag für Alleinerziehende und ihre Kinder".

Verbraucher müssen deutlich mehr für Flüge und Pauschalreisen zahlen

Das Reisen per Flugzeug ist in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich teurer geworden. Die Tickets für internationale Flüge verteuerten sich im Vorjahresvergleich um 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Auch Pauschalreisen kosteten im ersten Halbjahr 2026 mehr. Der Iran-Krieg ab Ende Februar und die weitgehende Blockade der Straße von Hormus hatten einen sprunghaften Anstieg des Kerosinpreises ausgelöst.

EU-Experten empfehlen Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren

Ein europäisches Expertengremium hat sich für ein Social-Media-Verbot in der EU für Kinder unter 13 Jahren ausgesprochen. Darüber hinaus seien Beschränkungen für ältere Jugendliche denkbar, solange Onlinedienste sie nicht vor Suchtgefahren, Gewaltdarstellungen und Hassrede schützten, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Einschätzung des Gremiums. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach sich für ein Mindestalter aus.

Erzeugerpreise: Landwirte bekommen im Mai deutlich weniger Geld für ihre Produkte

Die Landwirte in Deutschland haben im Mai deutlich niedriger Preise für ihre Produkte erzielt. Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Im April hatte die Veränderungsrate bereits bei minus 12,3 Prozent gelegen, im März bei minus 8,8 Prozent.

Textgröße ändern: