Deutsche Tageszeitung - Studie: Geringere Zufriedenheit bei verpflichtender Rückkehr aus Homeoffice

Studie: Geringere Zufriedenheit bei verpflichtender Rückkehr aus Homeoffice


Studie: Geringere Zufriedenheit bei verpflichtender Rückkehr aus Homeoffice
Studie: Geringere Zufriedenheit bei verpflichtender Rückkehr aus Homeoffice / Foto: © AFP/Archiv

Wenn Beschäftigte mit Homeoffice-Tagen wieder häufiger in den Betrieb beordert werden, ist ihre Zufriedenheit mit ihrer Arbeit meistens geringer. Das Gefühl der Belastung steigt dagegen, wie eine am Montag veröffentlichte neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergab.

Textgröße ändern:

Demnach liegt der Anteil der Angestellten, die zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten, zwar seit Mitte 2022 stabil bei etwa einem Drittel. 21 Prozent bekamen aber in den zwölf Monaten vor der Befragung die Anweisung, wieder häufiger im Betrieb zu arbeiten. Bei weiteren 13 Prozent sei dies schon vorher geschehen. Im Schnitt wollten Arbeitgeber drei Präsenztage in der Firma.

Bei den Auswirkungen einer solchen "Return-to-Office"-Politik stellten die Forscherinnen Yvonne Lott und Eileen Peters Unterschiede zwischen Führungskräften und Beschäftigten ohne Leitungsfunktion fest. Führungskräfte sehen mehr Präsenztage demnach positiver.

So berichteten Nicht-Führungskräfte von einer um zehn Prozentpunkte höheren beruflichen Belastung als Beschäftigte in Betrieben ohne Einschränkung von Homeoffice. Bei den Führungskräften gebe es dagegen keinen deutlichen Unterschied. Lott und Peters vermuten, dass das möglicherweise daran liegt, dass diese mehr Präsenz etwa durch eine höhere Jobautonomie oder größere zeitliche Spielräume besser kompensieren könnten.

Insgesamt war die Anweisung, ins Büro zurückzukehren, bei den Befragten eher unbeliebt. Auf einer Skala von eins bis zehn bewerteten sie die Rückholinitiativen mit durchschnittlich vier Punkten. Wurde ein Grund dafür genannt, war die Zufriedenheit höher - sie lag bei etwa 4,6 Punkten, ohne Begründung bei 3,7.

Etwa der Hälfte der Befragten wurde ein Grund genannt. Bei gut 86 Prozent von ihnen sollte die Rückkehr ins Büro den kollegialen Austausch fördern, bei drei Vierteln die Teamarbeit erleichtern. 62 Prozent der Befragten vermuteten jedoch auch andere Gründe und gingen davon aus, dass es dem Arbeitgeber vor allem um stärkere Kontrolle geht.

Deutliche Unterschiede in der Bewertung gab es der Studie zufolge zwischen Eltern und Kinderlosen. Väter kamen auf 4,8 Punkte und Mütter auf 3,6. Bei Menschen ohne Kinder war der Unterschied geringer; hier bewerteten Männer die Maßnahme mit 4,3 Punken und Frauen mit 4,1.

"Diese Unterschiede lassen sich vermutlich durch die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern erklären", schrieben die Wissenschaftlerinnen. Sie warnten, dass es zu weniger statt mehr Arbeitsvolumen führen könnte, wenn auf unterschiedlichen Ebenen die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben erschwert werde.

"Einfach die Zügel anzuziehen, im Unternehmen wie auf politischer Ebene, könnte absolut kontraproduktiv wirken", warnte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch auch mit Blick auf politische Debatten. "Denn das erhöht die Hürden für Erwerbstätigkeit, insbesondere von Frauen."

Insgesamt war die Zufriedenheit mit dem Job der Untersuchung zufolge etwas höher ohne Return-to-Office-Initiative. Sie lag dann im Schnitt bei 6,9 Punkten. Bei der Verpflichtung, wieder häufiger ins Büro zu fahren, waren es demnach 6,5 Punkte.

Die Auswertung basiert auf der WSI-Erwerbspersonenbefragung, die es seit April 2020 gibt. Für die neue Untersuchung wurden Daten der jüngsten Erhebungswelle von November und Dezember 2025 ausgewertet und dabei nur diejenigen berücksichtigt, deren Tätigkeit wenigstens teilweise für Homeoffice geeignet ist. Das waren insgesamt rund 2600 Menschen.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Wasserdefizit in Deutschland: Erholung durch mehr Herbstregen fraglich

Aufgrund einer Reihe trockener und heißer Jahre fehlt in Deutschland gespeichertes Wasser in einer Größenordnung, die etwa der Hälfte des Bodensees entspricht. Wie das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam am Donnerstag auf Grundlage von Satellitendaten mitteilte, lag die Wasserspeicherung im Juni ungefähr auf demselben Niveau wie 2025, womit im Vergleich zum langjährigen Mittel 25 Gigatonnen fehlten. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen. Zum Vergleich: Der gesamte Bodensee enthält etwa 48 Gigatonnen Wasser.

US-Exportdefizit vergrößert sich im Juli stark

Die USA haben im Juli mehr importiert und weniger exportiert. Das Exportdefizit des Landes vergrößerte sich somit stark und erreicht mit 88,6 Milliarden Euro den höchsten Wert seit über einem Jahr, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hat eigentlich zum Ziel, die Außenhandelsbilanz mehr ins Gleichgewicht zu bringen.

Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen: Kein Kompromiss zu Sparplan in Sicht

Der Sparkurs bei Volkswagen ist am Freitag erneut Thema im Aufsichtsrat - ein Kompromiss zwischen Management, Arbeitnehmervertretung und dem Land Niedersachsen war kurz davor aber nicht in Sicht. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verlangte am Donnerstag vom VW-Vorstand ein Konzept, "das Auslastung der Standorte und damit den Erhalt der Industriearbeitsplätze am Standort Deutschland als Ziel hat".

Entwurf für Beschlussvorlage: SPD-Fraktion erwägt Zerschlagung von Öl-Konzernen

Die SPD-Fraktion im Bundestag will den Mineralölmarkt neu ordnen und erwägt auch die Zerschlagung von Konzernen mit großer Marktmacht. "Es gibt klare Hinweise, dass der Mineralölmarkt in Deutschland nicht richtig funktioniert", heißt es im Entwurf einer Beschlussvorlage für die derzeit stattfindende SPD-Klausur, der AFP am Donnerstag vorlag. "Wir werden deshalb in den kommenden Wochen weitere Änderungen des Kartellrechts beschließen, die die Preistransparenz erhöhen und dem Kartellamt zusätzliche Möglichkeiten geben, den Markt zu ordnen".

Textgröße ändern: