Deutsche Tageszeitung - EU und Australien schließen Freihandelsabkommen - Wirtschaft hofft auf Exportplus

EU und Australien schließen Freihandelsabkommen - Wirtschaft hofft auf Exportplus


EU und Australien schließen Freihandelsabkommen - Wirtschaft hofft auf Exportplus
EU und Australien schließen Freihandelsabkommen - Wirtschaft hofft auf Exportplus / Foto: © AFP

Die Europäische Union hat ein Freihandelsabkommen mit Australien geschlossen und im Welthandel damit eine weitere Alternative zu China und den USA gewonnen. EU-Kommissionspräsidentin und Australiens Premierminister Anthony Albanese unterzeichneten am Dienstag in Canberra den Handelsvertrag, mit dem die EU ihrer Wirtschaft Exportgewinne und den Zugang zu wichtigen Rohstoffen sichern will. Deutsche Industrievertreter begrüßten den Abschluss, Bauernverbände übten Kritik.

Textgröße ändern:

"Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass Freundschaft und Zusammenarbeit in Zeiten der Turbulenzen am wichtigsten sind", sagte von der Leyen nach der Unterzeichnung. "Die EU und Australien mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, aber in unserer Sicht auf die Welt könnten wir einander nicht näher sein."

Das Handelsabkommen schafft Zölle auf beiden Seiten ab und vereinfacht den Handel mit Dienstleistungen sowie gegenseitige Investitionen. Die EU rechnet damit, dass ihre Exporte nach Australien innerhalb eines Jahrzehnts um ein Drittel wachsen. Insbesondere die Milch- und die Autoindustrie erwarten ein kräftiges Wachstum von rund 50 Prozent. Australien erhofft sich einen größeren Absatzmarkt für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Obst und Gemüse.

Brüssel und Canberra einigten sich zudem auf einen besseren Zugang der EU zu Rohstoffen aus Australien, darunter Aluminium, Lithium und Mangan. Australien sagt in dem Abkommen zu, die Zölle auf Rohmaterialien zu senken und keine Exportzölle und -beschränkungen einzuführen. Australische Lieferanten würden für europäische Firmen dadurch berechnbarer und verlässlicher, teilte die Kommission mit.

Die EU will unabhängiger von China werden, das derzeit den Großteil des europäischen Bedarfs vieler Rohstoffe deckt und zahlreiche Patente für die Verarbeitung hält. "Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sein, und genau deshalb brauchen wir einander", sagte von der Leyen vor dem australischen Parlament.

Australische Unternehmen hoffen auf Exportgewinne im Handel mit der EU - sowohl bei Rohstoffen als auch in der Landwirtschaft und mit Dienstleistungen. "Dies ist ein bedeutender Moment für unsere Nation, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sichern", sagte Premierminister Albanese.

Beide Seiten hatten in Verhandlungen am Montag die letzten Streitpunkte ausgeräumt. Dazu zählten australische Rindfleischexporte, für die eine EU-Obergrenze für die zollfreie Einfuhr gelten soll. Dem europäischen Bauernverband Copa-Cogeca gehen die Abmachungen trotzdem zu weit. Die Landwirtschaft diene "ganz eindeutig wieder einmal als Verhandlungsmasse, um umfassendere Handels- und politische Ziele zu erreichen", kritisierte der Verband.

Vor allem französische Bauern hatten auch massiv gegen ein anderes Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten protestiert. Die Abschaffung von Zöllen auf Agrarprodukte war in den Verhandlungen mit Australien deshalb heikel.

Australien sagte in den letzten Verhandlungen zu, eine 33-prozentige Steuer auf Luxus-Elektroautos - die häufig aus der EU kommen - zu lockern. Dies sei für die deutsche Autoindustrie besonders relevant, "aber noch nicht weitreichend genug", teilte der Herstellerverband VDA mit. VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte eine vollständige Abschaffung der Steuer.

In Deutschland gehören neben der Autoindustrie die Maschinenbau- und die Chemieindustrie zu den Profiteuren des Abkommens. Der Maschinenbauverband VDMA sprach von einem "Lichtblick für den freien Handel". Die exportorientierte deutsche Industrie sei auf neue Handelspartner angewiesen, "insbesondere jetzt, angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen". Das Abkommen sei ein "starkes Signal für wirtschaftliche Vernunft", urteilte auch der Außenhandelsverband BGA.

Im Verteidigungssektor vereinbarten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit. Die EU und Australien würden in der maritimen und der Cybersicherheit, bei KI-Technologien und im Kampf gegen ausländische Einmischung und Informationsmanipulation zusammenarbeiten, teilte die EU-Kommission mit. "Unsere Sicherheit ist eure Sicherheit", sagte von der Leyen in Canberra.

Der Handelsvertrag geht nun in die juristische Überprüfung, die in der Regel mehrere Monate dauert. In der EU muss er zudem in alle 24 Amtssprachen übersetzt werden. Danach müssen das Europäische und das australische Parlament das Abkommen ratifizieren.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Bericht: Regierung sieht hohe Dunkelziffer bei Sozialleistungsbetrug

Die Bundesregierung geht laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" davon aus, dass Sozialleistungsbetrug deutlich häufiger vorkommt, als bislang bekannt ist. Es sei von "einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle auszugehen", zitierte die Zeitung eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. "Leistungsmissbrauch bleibt oft unentdeckt, weil verschiedene betroffene Behörden nicht oder nicht ausreichend miteinander vernetzt sind", hieß es demnach weiter.

Klöckner kritisiert Fokus von Bundestagsabgeordneten auf Online-Netzwerke

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) kritisiert den ihrer Ansicht nach zu starken Fokus von Abgeordneten auf Online-Netzwerke. Es könne nicht sein, dass das "Parlament nur noch als Bühne für das nächste Tiktok-Reel missbraucht wird und in Reden statt der Kolleginnen und Kollegen im Saal die eigenen Follower begrüßt werden", sagte sie der "Welt am Sonntag". Da gingen sie und ihre Präsidiumskollegen "sofort dazwischen".

Rufe nach Aufschub der Klimaneutralität Deutschlands um fünf Jahre

In der Diskussion um die Klimaneutralität Deutschlands werden Rufe nach einem Aufschub um fünf Jahre lauter. Das derzeitige nationale Ziel der Dekarbonisierung bis 2045 sei nicht sinnvoll und sollte an das europäische Zieljahr 2050 angepasst werden, forderten unter anderem Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertreter in der "Welt am Sonntag".

China erteilt Online-Gigant Shein Genehmigung für Börsengang in Hongkong

Der Online-Versandhändler Shein kann in Hongkong an die Börse gehen. Die chinesische Marktaufsichtsbehörde CSRC genehmigte nach eigenen Angaben am Freitag den Antrag der Plattform, dort bis zu 341,6 Millionen Anteile zu verkaufen. Shein hatte in der Vergangenheit erwogen, in New York oder London an die Börse zu gehen.

Textgröße ändern: