Deutsche Tageszeitung - Langjähriger US-Zentralbankchef Alan Greenspan 100-jährig gestorben

Langjähriger US-Zentralbankchef Alan Greenspan 100-jährig gestorben


Langjähriger US-Zentralbankchef Alan Greenspan 100-jährig gestorben
Langjähriger US-Zentralbankchef Alan Greenspan 100-jährig gestorben / Foto: © AFP/Archiv

Er wurde in den USA zeitweise als "Magier" der Geldpolitik gefeiert und kritisierte auf seine alten Tage Präsident Donald Trump - nun ist der langjährige Chef der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed), Alan Greenspan, mit 100 Jahren gestorben, wie seine Familie am Montag mitteilte. Kritiker werfen ihm vor, mit seiner Niedrigzinspolitik den Boden für die Finanzkrise 2008 und 2009 bereitet zu haben.

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Greenspan stand der Fed 19 Jahre lang vor, von 1987 bis 2006. Er starb an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung, wie seine Ehefrau Andrea Mitchell dem US-Sender NBC News sagte. "Er war eine herausragende Persönlichkeit, die jahrzehntelang unter Präsidenten beider Parteien die US-Wirtschaft mitgeprägt hat", erklärte Mitchell. Greenspan sei aber auch "stets ehrlich genug" gewesen, "seine Fehler einzugestehen".

Die Fed würdigte Greenspans Arbeit. Unter seiner Leitung habe die Notenbank "eine anhaltende Phase der Preisstabilität erreicht, die das Wirtschaftswachstum unterstützte und dazu beitrug, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Institution zu festigen", erklärte die Notenbank.

Noch im Januar hatte Greenspan die Unabhängigkeit der Fed gegen die Einflussnahme von Präsident Trump verteidigt. Zusammen mit anderen früheren Notenbankvorsitzenden und Ökonomen gab er dem damaligen Fed-Chef Jerome Powell Rückendeckung, den Trump auf beispiellose Weise angegriffen und gegen den der Präsident sogar Betrugsermittlungen veranlasst hatte. Kritisch äußerte sich Greenspan auch über Trumps Zollpolitik, die er einen "Angriff auf die Wirtschaft" nannte.

In Greenspans Amtszeit erlebten die Vereinigten Staaten eine ihrer längsten Boom-Phasen, Bewunderer verehrten ihn als "Magier" oder "Maestro", andere nannten ihn "Orakel" der Geldpolitik. Seine Äußerungen hatten so viel Gewicht, dass sie die globalen Finanzmärkte durcheinanderwirbeln konnten.

So löste er Ende 1996 einen weltweiten Börsen-Ausverkauf aus, als er den Märkten wegen der hohen Aktienkurse eine "irrationale Überschwänglichkeit" bescheinigte. Seine Frau sagte, ihr Mann habe Zeit seines Lebens selbst eine "irrationale Überschwänglichkeit" gezeigt: für Baseball, Tennis und Golf sowie für die Jazzmusik.

Greenspan wurde drei Jahre vor dem großen Börsencrash von 1929 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte Wirtschaft an der New York University. Seine Promotion an der Eliteuni Columbia brach er 1953 ab, um eine Finanzberatungsfirma zu gründen. Später arbeitete Greenspan für die republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford, bevor ihn Ronald Reagan 1987 an die Spitze der Fed holte.

Zwei Monate nach seinem Amtsantritt meisterte Greenspan seine erste große Bewährungsprobe, den "Schwarzen Montag" am 19. Oktober 1987: Nach dem Börsencrash beruhigte der Notenbankchef die Märkte, indem er frisches Geld in das Finanzsystem pumpte.

Immer wieder reagierte Greenspan mit dieser Methode auf eine drohende Börsenpanik. Auch die Finanzmarktkrisen in Asien und Russland Ende der 90er Jahre beantwortete er mit deutlichen Zinssenkungen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 drückte Greenspan den Leitzins weiter, um Wirtschaft und Börsen in den USA zu stützen.

Mit seiner lockeren Geldpolitik entfachte er nach der Rezession der frühen 90er Jahre einen lang anhaltenden Konjunkturboom. Eine Zeit lang sah es so aus, als habe Greenspan ein Wundermittel für endloses Wachstum gefunden. Von staatlicher Regulierung der Märkte hielt er wenig.

Die Ära Greenspan bei der Fed endete im Januar 2006. Der neue Notenbankchef Ben Bernanke musste erleben, dass die scheinbar magische Zinspolitik seines Vorgängers nicht ohne Nebenwirkungen war. Das billige Geld hatte eine gefährliche Blase auf dem Immobilienmarkt ausgelöst.

Im Jahr 2008 stand das globale Finanzsystem am Rande des Kollaps und die Weltwirtschaft rauschte in eine Rezession. Greenspan gab sich danach selbstkritisch: Er habe in der Rückschau einen "Fehler" in seinem Denkmodell entdeckt, gestand er im selben Jahr vor dem Kongress ein.

Das US-Magazin "Newsweek" kommentierte, Greenspans Tod berge eine "letzte Lektion für Trump": Nicht einseitig auf deregulierte Märkte und einen niedrigen Leitzins zu setzen. Trump hatte kürzlich seinen Vertrauten Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef gemacht. Er soll nun den Ruf des Präsidenten nach billigem Geld erfüllen.

(W.Budayev--DTZ)

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